Der Sack muss schlauer werden
AIRBAGS: Neben dem obligatorisch geforderten Leichtbau steht auch die Integration passiver und aktiver Sicherheitssysteme im Fahrzeug ganz oben auf der Agenda der Airbaglieferanten – möglichst ohne Mehrkosten. Marktführer Autoliv sowie Verfolger Takata-Petri und Cushion-Hersteller ITG Automotive stellten sich Fragen zu Innovationen, Trends und Visionen.
In der stärkeren Integration von Fahrerassistenzsystemen, Systemen der aktiven und passiven Sicherheit zum ganzheitlichen integrierten Schutzsystem, ohne signifikante Kostennachteile für den Autofahrer sieht etwa
Jakob Lux von Airbag-Hersteller Takata-Petri den wichtigsten Trend bei den Fahrzeug-Luftkissen und ihren Komponenten (s. a. unsere März-Ausgabe 2009, S. 26f.).
Pre-Crash-Systeme oder das so genannte Pre-Crash-Triggering stehen auch bei Autoliv im Fokus. Aber es gebe noch weitere Aspekte. Neben gewichtsreduzierenden Materialien über alle Komponenten hinweg stehen beim schwedisch-amerikanischen Konzern auch die Platzierung außerhalb sichtbarer Bereiche im Fahrzeug-Inneren sowie die Standardisierung der verwendeten Bauteile im Vordergrund.Beschichtete Gewebe im Kommen
Wegen stark verkürzter Time-to-Market-Zeiten der Fahrzeugmodelle kämen verstärkt so genannte Book-shelf-Komponenten und -Module zum Einsatz, also Teile aus dem Regal. Bei Autoliv sieht man auch den Bedarf, aufgrund künftig steigender Rohölpreise Ersatzstoffe etwa für bislang in den Komponenten verwendeter Thermoplaste finden zu müssen.
Innenansichten – Schnitt durch ein Fahrer-Airbagmodul:
Über alle Komponenten hinweg heißt es künftig weiter
Gewicht zu reduzieren
Den Einsatz neuer Gewebematerialien, ein Mehr an beschichteten und leichteren Geweben erwarten auch Markus Gottschalk, Vice President Sales and Development Cushion, und Uwe Zimmermann, Executive Vice President Operations, beide vom Cushion-Hersteller ITG Automotive Safety, als wichtige Trends bei künftigen Airbags.
Die Maulburger sehen sich neben der Gewebe- und Cushion-Herstellung auch als Spezialisten bei Faltung und Vormontage von Airbag-Cushions, gewebten Bags, genähten Roll-over-Cushions sowie einem Motorradhelm-Airbag. Innovationen seien aktuell nur durch Kosten- und Gewichtseinsparungen am Markt zu platzieren, so Zimmermann und Gottschalk.
Beim Weltmarktführer Autoliv, der nach eigenen Angaben rund ein Drittel des Marktes beliefert, wobei Fremdschätzungen von bis 40 Prozent ausgehen, hält man zwar grundsätzlich künftig auch Airbags für Rücksitzpassagiere für denkbar. Jedoch werde die Sicherheit im Fahrzeug nicht allein durch die Anzahl verbauter Airbags, sondern weit mehr durch ihre Performance und ihre optimale Platzierung bestimmt. Zudem sei das steigende Alter der fahrenden Bevölkerungsgruppen Anlass genug, Insassenschutzsysteme an deren Bedürfnisse anzupassen, heißt im Klartext: Airbags müssen bei Senioren der höheren Gefahr von Knochenbrüchen Rechnung tragen. Künftige Airbags sollen daneben adaptiv auch diejenigen Insassen optimal schützen können, die nicht den Durchschnitts- oder Normmaßen entsprechen.
Kleinere Knautschzonen kompensieren
Weiter müsse kurz- bis mittelfristig damit umgegangen werden, das neue Fahrzeugkonzepte tendenziell kleiner werden, das heißt auch kürzere Knautschzonen haben, heißt es bei Autoliv. Dies schafft Herausforderungen bei Insassenschutz und Kompatibilität zwischen den Unfallfahrzeugen, auf die auch die Airbagsysteme reagieren müssen, etwa durch kürzere Auslösezeiten oder durch Vorbereitung auf das bevorstehende Unfallgeschehen (Pre-Crash-Triggering). Deshalb verstärke man bei Autoliv konsequenterweise die eigenen Entwicklungsaktivitäten im Bereich ‚Small Car Safety‘ sowie etwa auch bei Komplettsystemen.
Fertigungsschritt bei der Produktion eines Luftsacks für ein Thorax-Seitenairbag-Modul: Die wichtigsten Herausforderungen für die Airbags der Zukunft heißen Vernetzung mit anderen Sicherheitssystemen, Anpassung an kleiner werdende Fahrzeuge, schnellere Reaktionszeiten und individuell angepasste Reaktionen.
Kurzfristig werden Systeme zum Fußgängerschutz, Insassenerkennung, Whiplash-Schutz wie aktive Kopfstützen sowie maßgeschneiderte Derivate für spezielle Fahrzeugtypen und Unfallsituationen in Serie gehen, wie Lux von Takata-Petri weiß. Langfristig sieht Lux im Auto der Zukunft eine ausgereifte Sensorik den Verkehr und das Fahrzeugumfeld beobachten. Der Fahrer wird bei Gefahr rechtzeitig gewarnt. Das große Ziel heiße, Vermeidung von Unfällen und nicht die Linderung der Folgen.
Andreas Gottwald






