USA: Verfall eines Automarktes

04.06.2009, 10:30 Uhr

Die Jahresabsatzzahlen der größten Automobilanbieter in den USA im Zeitraum 2004 bis 2008 haben wir Ihnen hier erstmals zusammengestellt, beigelegt zu jeder Übersicht die Originalmeldungen aus unserer jeweiligen Print-Ausgabe. Laut Autodata-Zahlen hat der US-Markt von 2005 mit noch knapp 16,994 Millionen Light Vehicles verkauft, 2008 waren es nur 13,243 Millionen Einheiten um somit um über gut 22 Prozent zusammengestürzt. 2006 wurden 16,556 und 2007 noch  rund 16,150 Millionen Einheiten abgesetzt.

Mancher Branchenkenner rechnet für 2009 sogar mit Verkäufen unter der der Zehn-Millionen-Marke. Bei einem aktuellen Minus nach den ersten fünf Monaten 2009 von 36,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum durchaus im Bereich des bis vor kurzem unaussprechlich Möglichen.

Anbei die Übersichten aus den Jahren 2008 bis 2004 mit Vorjahresvergleichen und den jeweiligen Originalmeldungen aus der jeweiligen Ausgabe der AUTOMOBIL-PRODUKTION:

US-Absatzriesen 2007-2008USA 2008: Nur Subaru, Mini und Rolls-Royce im Plus

Der drastische Absatzrückgang im US-Fahrzeugmarkt hat sich auch im Dezember 2008 fortgesetzt: Der Verkauf von ‚light vehicles‘ sank um fast 36 Prozent, auf 894 805 statt vormals 1,390 Millionen Einheiten. Kaum Kunden kamen in die Verkaufsräume der Händler. Marktführer GM setzte mit gerade 220.000 Autos über 31 Prozent weniger ab, Ford und Chrysler verzeichneten mit 138.000 und 89.000 Einheiten ein Minus von 32 beziehungsweise 53 Prozent gegenüber Dezember 2007. Einstellige Verluste erzielten überhaupt nur Subaru und Audi, ein Plus nur die BMW Marken Mini und Rolls-Royce.

Im Gesamtjahr wurden mit 13,24 Millionen Einheiten genau 18 Prozent weniger verkauft als 2007 mit 16,15 Millionen Fahrzeugen: niedrigstes Niveau seit 1992. Nur Subaru mit 187.122 verkauften Einheiten, plus 0,3 Prozent, sowie die Marken Mini und Rolls-Royce mit plus 29 und plus 27 Prozent konnten mehr absetzen. Erstmals seit 2001 wurden wieder mehr Pkws als Trucks und SUVs zugelassen. Autodata rechnet auf Monatsbasis aktuell saisonbereinigt nur noch mit einem Light-Vehicle-Jahresabsatz von 10,3 Millionen Einheiten in den USA – im Dezember 2007 waren es noch mit 16 Millionen Fahrzeuge.

Rettungspakete in den USA und in Kanada beschlossen

Die US-Regierung will die Autoindustrie mit 17,4 Milliarden Dollar Notkrediten stützen. In einer ersten Tranche werden seit Ende Dezember 13,4 Milliarden Dollar ausgezahlt. Die Mittel werden dem Troubled Asset Relief Program (TARP) entnommen, dem 700 Milliarden Dolalr schweren Rettungspaket für die Finanzindustrie des Landes. Die übrigen vier Milliarden Dollar werden demnach ab Februar 2009 freigegeben. GM und Chrysler haben noch am selben Tag den Notfallkredit in Anspruch genommen. GM erhielt noch im Dezember vier und im Januar 2009 weitere 5,4 Milliarden, Chrysler bekam zeitgleich insgesamt vier Milliarden Dollar. Ford brauchte hingegen vor Weihnachten noch keine finanzielle Unterstützung. Die Darlehen sollen am 31. März zurückgefordert werden, falls die Konzerne bis dahin nicht ein tragbares Unternehmensmodell entwickelt hätten, verlautete aus Regierungskreisen. Die Bedingungen für den Notfallkredit entsprechen jenen in dem Gesetzesentwurf, der im US-Kongress Mitte Dezember scheiterte. Auch Kanadas Regierung unterstützt GM und Chrysler im eigenen Land mit 2,5 Milliarden beziehungsweise 824 Millionen US-Dollar. Zudem gibt es Hilfen für Zulieferer und ein Kreditprogramm für Autokäufer.

US-Absatzriesen 2006-2007US-Markt 2007: Krise geht weiter – einige Asiaten erzielen Rekorde

Auch im Dezember 2007 wurden in den USA mit 1,39 Millionen Einheiten fast drei Prozent weniger Light Vehicles als im Vorjahresmonat abgesetzt. Der Absatzrückgang 2007 liegt bei 2,5 Prozent, verkauft wurden 16,148 Millionen Fahrzeuge. GM lieferte mit 323.453 Fahrzeugen 4,4 Prozent weniger aus als im Vorjahresmonat. Toyota setzte 224.399 Fahrzeuge ab, minus 1,7 Prozent. Ford brach mit 212.094 Einheiten um 9,2 Prozent ein. Chrysler LLC verkaufte im Dezember 2007 mit 191.423 Einheiten gerade 0,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Honda verharrte im Dezember fast unverändert bei 131.792 Einheiten, Nissan verlor um 2,4 Prozent auf 89.555 Einheiten. Hyundai verzeichnete mit 46.487 Fahrzeugen den besten Dezember seines US-Geschäfts. Kia verkaufte allerdings im Dezember 2007 mit 24.068 Einheiten fast 6.000 Fahrzeuge weniger als ein Jahr zuvor. Mazda legte mit 24.933 Einheiten seinen besten Dezemberabsatz seit 1994 vor. Auch Subaru erzielte mit 18.739 Einheiten einen neuen Rekord, Suzuki hatte mit 7.361 Autos seinen zweitbesten Dezemberabsatz. Mitsubishis Absatz brach im Dezember wegen Lieferschwierigkeiten auf 5.904 Einheiten um über 40 Prozent ein. Trotzdem lag das Jahresergebnis mit fast 129.000 Einheiten 8,8 Prozent über Vorjahr.

USA: Vier Absatzrekorde und über zehn Prozent Marktanteil für deutsche OEMs

Die deutschen Automobilbauer in den USA steigerten ihren Pkw-Marktanteil laut VDA auf über zehn Prozent. 2007 wurden mit 948.000 Pkw und SUV fast drei Prozent mehr in einem um 2,5 Prozent rückläufigen Markt abgesetzt. Audi erzielte 2007 mit 93.506 abgesetzten US-Einheiten einen neuen Rekord, im Dezember 2007 wurden allerdings mit 8.504 Einheiten fast 29 Prozent weniger verkauft als im Vorjahresmonat. BMW verkaufte als Marke im Dezember mit 30.199 Einheiten knapp 2,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, Mini lag mit 3.562 Einheiten 44 Prozent über Dezember 2006. Zusammen setzten beide mit 33. 761 Autos ein Prozent mehr ab. Der Jahresabsatz der Münchner in den USA erreichte 293.795 Autos, neues Rekordniveau. Mercedes-Benz verkaufte zwar im Dezember mit 27.301 Fahrzeugen rund 2,9 Prozent weniger, das Gesamtjahr stellte aber mit 253.433 Einheiten eine neue Rekordmarke auf. Porsche verkaufte im Dezember 3.001 Einheiten in den USA und Kanada, neuer Rekord. Im Gesamtjahr stieg der Absatz ebenfalls auf die Rekordzahl von 36.680 Cayenne, 911 und Co. VW setzte im Dezember 20.543 Einheiten ab, ein Plus von 3,0 Prozent. Insbesondere New Beetle, Eos, Touareg, Rabit und GTI legten zu.

US-Absatzriesen 2005-2006US-Markt 2006: General Motors und Ford sind angezählt

Auch wenn Toyota im Dezember 2006 in den USA Ford nicht zum dritten Mal beim Monatsabsatz schlagen konnte: Selbst bei Ford geht man anscheinend laut eigenen Projektionen davon aus, dass die Japaner bereits Ende Januar die neue Nummer zwei im US-Markt sein könnten. Andere Prognose- Institute wie Edmunds.comrechnen spätestens ab Mitte 2007 mit einer dauerhaften Positionierung hinter GM. Den OEM wird Toyota nach den Planungen beider OEMs für 2007 bekanntermaßen als weltweit größten Automobilbauer nach über 75 Jahren an der Spitze beerben (siehe auch Mail aus Tokio). Auch beim Jahresabschluss 2006 wird deutlich, welches Tempo Toyota vorlegt: 2005 noch fast eine Viertel Million Einheiten hinter DaimlerChrysler, liegt der Konzern nun über 150.000 vor dem ehemals großen Dritten in den USA. Das ist keine Nasenlänge mehr. Allein Toyotas Premiummarke Lexus verkaufte 2006 in den USA mehr als die BMW Group – inklusive Mini. 2006 wurden laut Autodata in den USA 16,556 Millionen Light Vehicles verkauft, 2,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zu den weiteren US-Gewinnern gehörten 2006 auch einige Hersteller auf den unteren Rängen: Suzuki steigerte den Absatz um fast ein Viertel auf erstmals über 100.000 Einheiten. Mit Abstand ist auch das Audi-Ergebnis sehr erfreulich. Die Ingolstädter fuhren einen neuen Absatzrekord ein.

US-Absatzriesen 2004-2005USA 2005: Rekorde für fast alle deutschen OEMs

Der VDA rechnet damit, dass deutsche OEMs ihren US-Pkw-Marktanteil bei insgesamt 7,667 Millionen verkauften Pkw von 9,5 auf über elf Prozent in 2006 steigern können. Nach insgesamt 870.000 verkauften Fahrzeugen in den USA 2005 würde in einem stagnierenden Markt 2006 damit die Ein-Millionen-Grenze überschritten, so Verbandspräsident Prof. Bernd Gottschalk in Detroit. Bis auf VW konnten alle OEMs 2005 beim Jahres- wie auch beim Dezember-Absatz zulegen. Audi verkaufte im Dezember in den USA mit 8.842 Einheiten fast 16 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Jahresplus: über 83.000 Fahrzeuge, 6,6 Prozent mehr. BMW: Die Münchener setzten 2005 erstmals mehr als 300.000 Einheiten in den USA ab, genauer 307.020 BMW und Mini. Mit allein 25.482 Fahrzeugen im Dezember wurden so viele BMW wie noch nie in einem Monat in den USA verkauft. Mercedes-Benz verzeichnete das zwölfte Jahr in Folge Wachstum in den USA. Von 224.421 Fahrzeugen fuhren allein 31.192 Benz im Dezember von den Höfen der Händler – ebenfalls Rekord. Porsche konnte 2005 trotz eines Absatzeinbruches von 24 Prozent beim Cayenne insgesamt noch 1,5 Prozent draufsatteln – auf 31.933 Einheiten dank Boxster und 911er. Allein 2.861 Porsche wurden im Dezember verkauft – plus sechs Prozent. VW hatte im Dezember den besten Monatsabsatz 2005. Aber 25.956 Einheiten oder plus 20,9 Prozent reichten nicht, der US-Jahresabsatz fiel um 12,5 Prozent auf 224.195 Stück.

US-Markt 2005 im Plus

Neben GM und Ford gehören 2005 VW und Mitsubishi zu den wenigen Absatzverlierern im US-Markt. Die 15 größten Automobilhersteller setzten im vergangenen Jahr zusammen 17,054 Millionen Fahrzeuge ab – ein leichtes Plus von 0,6 Prozent. Davon waren 2005 gut 16,948 Millionen Light Vehicles (= Pkw und Light Trucks wie SUVs, Pick-ups, Vans), Mit 7,667 Millionen verkauften Pkw stieg deren Anteil um 2,1 Prozent im Gesamtjahr. Knapp 45 Prozent aller in den USA 2005 verkauften Fahrzeuge sind damit Pkw. Chevrolet ist nach GM-Aussage mit 2,669 Millionen Einheiten seit 1986 erstmals wieder bestverkaufte Fahrzeugmarke in den USA. Ford konnte erstmals seit 1999 seinen Pkw-Absatz wieder steigern, 2005 wurden mit 1,04 Millionen Ford-Pkw rund zwei Prozent mehr verkauft.

Weitere Links zum US-Markt (Zahlen, Daten, Meldungen):

 
 

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