Continental: Abberufung von Neumann wahrscheinlich
Bei Continental eskaliert der Streit zwischen dem Unternehmen und seinem Großaktionär Schaeffler im Aufsichtsrat weiter – auch ein Führungswechsel deutet sich an. Vorerst ist der Versuch, Conti-Chef Karl-Thomas Neumann abzulösen, noch gescheitert. Einer angestrebten Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Milliarden Euro wurde hingegen zugestimmt.
Dem Conti-Vorstandsvorsitzenden Neumann hatte gestern Nacht in einer Aufsichtsratssitzung in Hannover die Kapitalseite das Vertrauen entzogen, wie der stellvertretende Vorsitzende des Kontrollgremiums, Werner Bischoff, bestätigte. Das Vertrauensverhältnis zwischen Neumann und dem Großaktionär sei zerüttet. Es sei bei einer Abstimmung über die Abberufung Neumanns die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit aber nicht zustande gekommen, berichtet sueddeutsche.de.
In einer dramatischen Marathon-Sitzung des Aufsichtsrats am Donnerstag in Hannover hatte Schaeffler Neumann angeblich zunächst zum Rücktritt aufgefordert. Dies habe der 48-Jährige aber abgelehnt, weil er sich der Conti verpflichtet fühle, berichtet die Financial Times Deutschland.
Zuvor hatte Neumann gegen den Willen des Großaktionärs Schaeffler eine angestrebte Kapitalerhöhung durchsetzen können. Der Heraufsetzung des Kapitals von bis zu 1,5 Milliarden Euro über die Ausgabe von bis zu 58,6 Millionen neuer Aktien wurde zugestimmt. Zahlreiche Gläubigerbanken haben dieses Ansinnen unterstützt. Denn die Zeit drängt: Conti hat Schulden von knapp zehn Milliarden Euro, im August wird ein Kredit von 800 Millionen Euro fällig, ein Jahr später ein weiteres Darlehen von 3,5 Milliarden Euro. Das ist angesichts der schwachen Auftragslage nicht komplett aus dem operativen Geschäft zu stemmen.
Nun soll bei der Continental AG für Mitte August eine weitere Aufsichtsratssitzung einberufen werden, um dort dann eine Entscheidung über eine mögliche Abberufung des Conti-Chefs zu treffen. Damit zeichnet sich in dem monatelangen Machtkampf zwischen dem hochverschuldeten Automobilzulieferer aus Hannover und seinem Großaktionär Schaeffler nach nicht einmal einem Jahr erneut ein Führungswechsel ab. Neumann hatte damals den Posten als Conti-Chef von Manfred Wennemer übernommen, der gegen den Einstieg von Schaeffler bei Conti war.
Bereits am Vortag der Aufsichtsratssitzung war ein Vermittlungsausschuss eingesetzt worden, der aber bislang zu keinem Ergebnis kam. Im Anschluss an das Vermittlungsverfahren kann der 20-köpfige Aufsichtsrat dann mit einfacher Mehrheit abstimmen. Bei einem Patt entscheidet das Doppelstimmrecht des Vorsitzenden des Kontrollgremiums Rolf Koerfer, der neben vier weiteren Vertretern im Rat zu Schaeffler zu zählen ist. Jeweils zehn Aufsichtsräte bei Conti stellen die Anteilseigner und die Arbeitnehmer. Letztere haben bislang geschlossen für Neumann gestimmt. Schaeffler und deren Gläubigerbanken spielen auf Zeit: Denn die Franken drücken Schulden von elf Milliarden Euro, mit denen sie großteils den Kauf von Conti-Aktien für je 75 Euro finanziert hatten. Doch die Aktie ist aktuell nur ein Drittel dessen wert, was Schaeffler bezahlt hat. Deshalb hofft diese Seite auf eine wieder anziehende Konjunktur und Auftragslage, welche die Verluste reduzieren könnten.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/61/482516/text/
Video-Statement von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann




