Zulieferer werden unterschiedlich stark betroffen sein
Droege & Comp. untersuchte die Auswirkungen einer möglichen Opel-Übernahme durch Magna
auf deren Lieferanten. Ergebnis: 40 Prozent der untersuchten Zulieferer wären signifikant bedroht.

Oliver Weirauch, Geschäftsführender Partner Droege & Comp., Leiter Competence Center Automotive und Supplie
Herr Weirauch, welche Unternehmen haben Sie im Rahmen Ihrer Studie analysiert?
Die Untersuchung ist eine qualitative und quantitative Bewertung der individuellen Bedrohung der 100 größten Automobilzulieferer sowie weiterer, ausgewählter Wettbewerber von Magna. Für alle Unternehmen haben wir den Druck auf die individuellen Preise, den Umsatz und die strategische Positionierung ermittelt. Das so gewonnene Bedrohungsprofil wurde in seiner Auswirkung auf Umsatz und Ertrag bewertet und in Form einer Szenariorechnung modelliert.
Zu welchem Ergebnis kommt die Studie?
Wir haben zur Bewertung der Gesamtbe-drohung die zu erwartende Ergebnisreduzierung in Prozentpunkten ermittelt. Ergebnis der Analyse ist, dass etwa 40 Prozent der untersuchten Zulieferer durch die Übernahme signifikant bedroht werden. Für 21 Prozent der Unternehmen gehen wir sogar davon aus, dass die Bedrohung so groß ist, dass zur Risikoabwehr zusätzliche Programme zur Umsatz- oder Know-how-Sicherung notwendig sind. Also je nach individueller Bedrohung muss mit hohen Umsatzeinbußen gerechnet werden. Diese können als Folge des parallelen Drucks auf die Preise, den Umsatz und die strategische Positionierung im Extremfall bis zu 17 Prozentpunkte Ergebnisverschlechterung ausmachen.
Verraten Sie uns konkrete Unternehmen, die bei einer Opel-Übernahme durch Magna Federn lassen müssten?
Zu den Unternehmen in der Studie, für die ein Ergebnisrisiko ermittelt wurde, zählen unter anderem American Axle & Manufacturing, Antolin-Irausa, Autoliv, Brose, Continental, Faurecia, Ficosa, Gentex, Johnson Controls, Peguform, TS Tech und Visiocorp.
Welche Gegenmaßnahmen sollten die Unternehmen ergreifen?
Läuft der Zulieferer in das Szenario „Preisdruck“, sollte er rasch ein entsprechendes Programm zur Kostensenkung auflegen, um seine Marge und seine Liquidität abzusichern. Droht ihm das Szenario „Druck auf den Umsatz“ muss er auch die Kosten anpassen, aber vor allem aktiv Geschäft außerhalb von Opel und Magna generieren. Die komplexeste Bedrohung ist jedoch das Szenario „Know-how-Verlust“. Hier droht dem Zulieferer neben Preis- und Umsatzdruck zusätzlich der Verlust seiner Intellectual Property (IP) und gefährdet die strategische Positionierung des Unternehmens. Entsprechend müssen zur Kostenreduzierung und Umsatz- sowie Know-how-Absicherung gezielte Innovations- und Entwicklungspartnerschaften außerhalb von Opel und Magna aufgebaut werden. Nur so wird es dem Unternehmen gelingen, langfristig erfolgreiche Wachstumsfelder und neue Marktpotenziale aufzuspüren und zu nutzen.
Die Studie und Modellrechnung zur Übernahme von Opel durch Magna kann hier geladen werden.
Das Interview führte Bettina Mayer






