Exklusiv-Interview Dr. Werner Widuckel, Vorstand Personal- und Sozialwesen
„Fördern und Fordern”
„Der MITARBEITER muss in seiner Denkweise Unternehmer sein”, so die Maxime von Audi-Personalvorstand Dr. Werner Widuckel. Sein Ziel: bis 2015 der attraktivste Arbeitgeber in Deutschland zu werden. Über 30 000 Menschen beschäftigt Audi heute am Standort Ingolstadt.
Herr Dr. Widuckel, das Jubiläum ‚60 Jahre Audi in Ingolstadt’ wird von der Wirtschaftskrise überschattet. Wie ist momentan die Stimmung bei den Mitarbeitern?
60 Jahre Audi in Ingolstadt, das sind 60 erfolgreiche Jahre für Audi und für den Standort Ingolstadt. Während dieser Zeit haben wir es mit einem hoch motivierten Team geschafft, die Marke und das Unternehmen zum Erfolg zu führen. Die Marktkrise mag für den Moment eine Zäsur bedeuten. Wir sind allerdings so gut aufgestellt, dass wir gestärkt mit weiteren hervorragenden Produkten aus der Krise hervorgehen werden. Das wissen unsere Mitarbeiter. Sie können sicher in die Zukunft blicken. Wir haben keinen Einstellungsstopp, und wir erhöhen sogar die Zahl der Ausbildungsplätze einmalig um 100.
Sie sagen: „Audi will bis 2015 der attraktivste Arbeitgeber werden, um die besten Leute an sich zu binden”. Wo stehen Sie auf diesem Weg?
Wie aktuelle Arbeitgeber-Rankings und Auszeichnungen bestätigen, haben wir gute Fortschritte gemacht, um attraktivster Arbeitgeber zu werden. Audi belegt beispielsweise in der diesjährigen Universum-Studentenbefragung bei Ingenieuren den ersten Platz, bei Wirtschaftswissenschaftlern Rang vier. Innerhalb der Automobilindustrie wurden wir sogar Branchensieger. Im ‚Tredence Young Professional Barometer 2009′, in dem die besten Nachwuchskräfte aus Betriebs-, Ingenieurs-, Sozial- und Naturwissenschaften nach dem attraktivsten Arbeitgeber gefragt wurden, haben wir uns um zwei Plätze auf Rang zwei verbessert.
Wo muss bei Audi bei der Attraktivität als Arbeitsgeber noch nacharbeiten?
Wenn wir zu den attraktivsten Arbeitgebern zählen wollen, müssen wir auch das Umfeld entsprechend gestalten. Der Standort Ingolstadt soll in zehn Jahren der attraktivste in Deutschland sein. Mit diesem Anspruch haben wir gemeinsam mit der Stadt Ingolstadt, den Landkreisen und bedeutenden Firmen der Region ‚Irma’, die Initiative Regionalmanagement, ins Leben gerufen. Zu den ersten Früchten dieser Arbeit zählt beispielsweise die internationale Schule, die in diesem Jahr in Ingolstadt ihren Betrieb aufnehmen wird.
Oberbürgermeister Dr. Lehmann würdigt in seinem Vorwort zu dieser Sonderausgabe die Initiative ‚Irma’ und in diesem Zusammenhang das herausragende Engagement von Audi. Wo liegen die Aktivitätsschwerpunkte bei dieser Initiative?
‚Irma’ ist ein Zusammenschluss der Stadt Ingolstadt und der Landkreise Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen sowie von Unternehmen wie zum Beispiel Audi, Bauer, EADS, Edeka oder Media-Saturn. Zweck dieser Public-Private-Partnership ist es, sich unter dem Motto ‚Gemeinsam sind wir stärker’ der regionalen Verantwortung zu stellen. Dabei haben alle Mitglieder ein klares Ziel vor Augen: die Region Ingolstadt zu Deutschlands erfolgreichstem Standort zu machen. Wir setzen uns insbesondere für die Bereiche Wirtschaft sowie Bildung und Wissenschaft ein, genauso aber auch für Lebensqualität und die Wahrnehmung der Region. Uns liegt beispielsweise sehr viel daran, die Region in Forschung und Entwicklung innovationsfähig zu machen.
Der beste Mitarbeiter ist der engagierte, mitdenkende Mitarbeiter, heißt es. Welche Maxime gelten bei Audi mit Blick auf Mitarbeitermotivation und Förderung des Eigen-Engagements?
Fördern und Fordern heißt unsere Maxime. Der Mitarbeiter muss in seiner Denkweise Unternehmer sein. Das zahlt sich aus, beispielsweise in unserem Ideenprogramm, in der Arbeitssicherheit aber auch im kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Diese Prozesse werden von unseren Mitarbeitern aktiv begleitet.
Im Mai 2006 verabschiedete der Audi-Vorstand ein Commitment, sich der Veränderung des Altersaufbaus in der Belegschaft aufgrund der demografischen Entwicklung aktiv zu stellen. Wo setzen Sie dabei mit Blick auf die anstehenden Veränderungen die Schwerpunkte?
Der demografische Wandel und die Verlängerung der Lebensarbeitszeit führen zu einer Veränderung der Rahmenbedingungen bei gleichzeitig zunehmendem Wettbewerbsdruck in der Automobilindustrie. Um frühzeitig auf diese Veränderungen zu reagieren, hat Audi ein unternehmensweites Projektteam ‚Demografie’ installiert. Seine Aufgabe ist es, Handlungsfelder und Maßnahmen zu entwickeln und zu erproben, die das Unternehmen ‚demografiefest’ machen. In den Bereichen Führung, Gesundheit, Personalentwicklung, Arbeitsgestaltung und Wissenstransfer haben wir Schwerpunkte gesetzt und bereits eine Reihe von Maßnahmen unternehmensweit umgesetzt. So haben wir beispielsweise in der Produktion verbesserte ergonomische Rahmenbedingungen geschaffen, um einseitigen Körperbelastungen frühzeitig entgegenzuwirken.
Wie wird sich die Altersstruktur bei Audi in den nächsten fünf bis zehn Jahren verändern?
Im Jahr 2015 wird das Alter der Audi Mitarbeiter bei durchschnittlich 45 Jahre liegen. Dabei wird jeder dritte Mitarbeiter über 50 Jahre alt sein. Das ist ein Trend, der anhalten wird. Wir müssen uns also bereits heute darauf vorbereiten, mit einer älter werdenden Belegschaft die Zukunft des Unternehmens zu sichern und zu gestalten. Vor allem sollten wir den demografischen Wandel als Herausforderung sehen, auf die es gilt, intelligent und frühzeitig zu reagieren. Einen ersten Schritt haben wir mit dem Projekt ‚SilverLine’ in der Audi-R8-Manufaktur am Standort Neckarsulm getan. Seit drei Jahren setzen wir dort gezielt auf ältere Mitarbeiter und das Erfahrungswissen, das sie aus anderen Serienanläufen mitbringen. Gerade für diese Altersgruppe bieten sich die längeren Taktzeiten und die wechselnden Tätigkeiten in der R8-Manufaktur an.
Parallel zum Drehscheibenkonzept in der A4-Produktion existiert bei Audi auch eine Personaldrehscheibe. Was wird derzeit dort ‚gedreht’?
Die Personaldrehscheibe ist eine Chance, um unsere Fachkräfte zukunftsorientiert zu qualifizieren. Damit leisten wir nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit von Audi, sondern auch zur Beschäftigungssicherung. Denn eines ist klar: Indem die Mitarbeiter an den Standorten von Audi und des Volkswagen-Konzerns oder aber auch bei externen Arbeitgebern eingesetzt werden, wird nicht nur ihre Flexibilität und Mobilität gefördert. Sie können zudem ihre fachliche Qualifikation verbessern. Sie lernen vernetzt zu denken, sie erweitern ihren persönlichen und beruflichen Horizont. Wenn man den Herausforderungen der Arbeitswelt erfolgreich begegnen will, ist lebensbegleitendes Lernen unverzichtbar. Wir fördern den Austausch zwischen den Standorten Ingolstadt, Neckarsulm, Brüssel, Györ sowie bei Lamborghini in Sant Agata. Beispielsweise haben wir 100 Mitarbeiter aus dem Werk Brüssel in unserem Vorseriencenter in Ingolstadt für den Anlauf des Audi A1 geschult.
Ist geplant, den Mitarbeiteraustausch zwischen den Audi-Werken Ingolstadt, Neckarsulm und Györ zu intensivieren, um auch personalseitig standortübergreifend besser atmen zu können?
Wir handeln flexibel und bedarfsorientiert. Wichtig ist Transparenz unter Ausnutzen aller möglichen Synergien. Das ist Teil unserer Planung im Rahmen unserer Strategie 2015.
Das Interview führte Tina Rumpelt




