Verbrenner bleibt Rückgrat für globale Mobilität
Exklusiv-Interview mit Dr. Thomas Weber, Vorstand der Daimler AG, Konzernforschung und Entwicklung Mercedes-Benz Cars zur Zukunft des Verbrennungsmotors, Downsizing bei Dreizylindern, Diesotto und Diesel-Hybrid.

„Wir verfügen über alle Technologien für voll alltagstaugliche Elektroautos“, meint Daimlers Entwicklungschef Dr. Thomas Weber. Bild: Daimler
Herr Dr. Weber, hat der Verbrennungsmotor eine Zukunft?
Absolut. Wir werden nicht von heute auf morgen rein elektrisch fahren. Der Verbrennungsmotor wird weiterhin das Rückgrat für die globale Mobilität bleiben.
Wie werden diese Aggregate ausschauen?
Hoch-effizient und sehr sauber, dabei kompakt und trotzdem leistungsstark. Einiges, was uns dabei hilft, wie Direkteinspritzung und Turboaufladung, haben wir schon in aktuellen Motoren, weitere Innovationen werden kommen. Zudem wird die Elektrifizierung der Nebenaggregate eine wichtige Rolle spielen. Komponenten wie Wasserpumpe oder Kältemittelverdichter werden elektrisch angetrieben und so vom Antriebsstrang entkoppelt sein. Dies erhöht die Gesamteffizienz des Fahrzeugs.
Geht das Downsizing weiter mit Dreizylindern?
Definitiv. So einen Motor kann ich mir in der A-, B- und C-Klasse gut vorstellen, in der E-, M- und S-Klasse weniger. Da könnten aufgeladene und drehmomentstarke Vierzylinder-Motoren gegebenenfalls mit Hybridmodul eine interessante Alternative sein.
Wird das Diesotto-Projekt weiter verfolgt?
Ja, wir sind bereits mitten in der Umsetzung. Mit den neuen Vierzylinder-Motoren in der E-Klasse haben wir bereits die Hälfte der für den Diesotto benötigten Komponenten in Serie. Eine technische Hürde ist noch die variable Verdichtung. Aber auch das werden wir lösen. Das Ziel bleibt unverändert, die weiteren Komponenten bis 2015 serienreif zu haben.
Haben Sie einen Diesel-Hybrid auf der Agenda?
Auch der wird kommen. Da sehen wir momentan die größten Einspar-Potenziale. Für mich ist klar, dass es nicht eine einzige seligmachende Technologie gibt. Wir arbeiten an einem Modularen Hybrid-Baukasten, den wir flexibel mit verschiedenen Antriebsaggregaten und Fahrzeugen kombinieren und so hervorragend auf die Anforderungen des globalen Marktes reagieren können.
Das Interview führte Wolfgang Gomoll




