Vorsprung durch Technik – der Umwelt zuliebe

15.09.2009, 12:54 Uhr

UMWELTSCHUTZ ist bei Audi Chefsache: Da muss der Vorstand ran. Auf Standortebene tragen Beauftragte für Umweltschutz sowie für Umweltschutzmanagement Sorge für das Thema. Ob Regenwasseraufbereitung, Fernwärmenutzung oder Wärmerückgewinnung – im Werk Ingolstadt wird aktiver Umweltschutz in vielfältiger Weise praktiziert.
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Nachhaltiges Wirtschaften ist ein integraler Bestandteil der Audi-Unternehmensstrategie, die auf die Verknüpfung von Umweltschutz und Innovationen setzt. So ist es in der für alle Standorte verbindlichen Audi- Umweltpolitik festgesetzt. Die Gesamtverantwortung für den Umweltschutz liegt beim Vorstand. Der unter der Leitung von Audi-Produktionsvorstand Frank Dreves stehende ‚Koordinierungskreis Umweltschutz’ setzt sich aus den Umweltmanagementbeauftragten von Audi Ingolstadt, Audi Hungaria Kft., Audi Brussels S.A. und Automobili Lamborghini Holding S.p.A. zusammen. Dieser Kreis beschäftigt sich mit strategischen Umweltschutzthemen und beauftragt die Umweltgremien, hierfür Vorschläge zu erarbeiten. Dies geschieht auf der Audi-Ebene im ‚Steuerkreis Ökologie’, dem Peter Kössler, Werkleiter in Ingolstadt, vorsteht. Für jeden Standort hat der Vorstand den Leiter des Umweltschutzes zum Betriebsbeauftragten für Umweltschutz ernannt.

In Ingolstadt ist heute in dieser Position Dr. Dagobert Achatz tätig. Er hat als Umweltschutzbeauftragter in Ingolstadt zudem die Koordinationsfunktion für alle Audi-Standorte inne. Dem ‚Steuerkreis Ökologie’ sind Arbeitsgruppen mit Schwerpunkten wie etwa Nachhaltigkeit, Umweltbericht, Umweltmanagement und integrierte Produktpolitik nachgeordnet. Dort werden Programme für Umweltschutzmaßnahmen, Kommunikationskonzepte und Vorschläge für strategische Umweltschutzthemen erarbeitet.

Audi hat sich viel vorgenommen. Laut Umweltmagazin hat sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, „unter Berücksichtigung der geplanten Produktionsausweitung bis zum Jahr 2020 die standort- und unternehmensbezogenen CO2-Emissionen pro produziertem Fahrzeug gegenüber 1990 um 30 Prozent zu senken”. Im Fokus stehe dabei besonders die „kontinuierliche Steigerung der Energieeffizienz der Produktionsanlagen”. Audi gelang es in den vergangenen Jahren, die produzierten Fahrzeugstückzahlen vom Energieverbrauch loszulösen.

Im Werk Ingolstadt wurden gerade bei der Reduzierung des Energie- und Ressourceneinsatzes große Fortschritte erzielt. Drei Beispiele zeigen, wie konsequent – und erfolgreich – die Ingolstädter den Audi-Slogan ‚Vorsprung durch Technik‘ auch beim Thema Umweltschutz verfolgen.

Beispiel I: Wertvolles Regenwasser
Die wichtigsten Wasserquellen für die Produktion im Ingolstädter Werk sind die nahe gelegenen Köschinger Quellen, die sich nicht zur Trinkwasseraufbereitung eignen. Doch rund ein Drittel des gesamten Betriebswassers wird durch die Aufbereitung von Regenwasser und leicht verschmutzten Abwässern aus dem Werk gewonnen.
So sammelt das Unternehmen auf etwa 450 000 Quadratmetern Dach- und Parkplatzflächen Regenwasser und speichert es in fünf Rückhaltebecken und zwei Stauraumkanälen. Zusammen fassen sie rund 14 Millionen Liter Wasser, die 100 000 Badewannen füllen würden.

In der Aufbereitungsanlage in Ingolstadt werden das Regenwasser sowie leicht verschmutzte Abwässer gereinigt. Knapp die Hälfte des aufbereiteten Betriebswassers besteht aus Regenwasser. Doch auch beim Thema Wasser ist Sparen oberste Pflicht. Von 1988 bis heute hat das Werk Ingolstadt die Abwassermenge pro produziertem Fahrzeug von 4,9 auf 1,6 Kubikmeter verringert.

Beispiel II: Wärmerückgewinnung
Es ist ein Großprojekt: Mehrere hundert Wärmerückgewinnungsanlagen arbeiten heute im Ingolstädter Audi-Werk. Sie gewinnen bis zu 60 Prozent der in der Abluft enthaltenen Wärme zurück. Allein in der Lackiererei werden durch den Einsatz von 19 Wärmerückgewinnungsanlagen jährlich rund 35 000
Megawattstunden gewonnen – und zugleich 7 000 Tonnen CO2-Emissionen vermieden. Zum Vergleich: 35 000 Megawattstunden entsprechen dem Wärmebedarf von rund 3270 Einfamilienhäusern.

Das Prinzip der Wärmeräder ist genial einfach: Die warme Abluft aus der Halle und die kalte Außenluft durchströmen, räumlich von einander getrennt, gegenläufig das von Elektromotoren angetriebene Wärmerad. Segmente in diesem Rad nehmen Wärme aus der Abluft auf. Die einströmende kalte Außenluft erwärmt sich dann auf ihrem Weg durch das Wärmerad, weil die erwärmte Speichermasse wieder Wärme abgibt. Als Speichermasse dient eine in Wabenstruktur aufgebaute Aluminiumlegierung. Die Temperatur der einströmenden Luft lässt sich durch die Rotationsgeschwindigkeit der Wärmeräder regulieren – im Bereich von vier bis maximal 25 Umdrehungen pro Minute.

Beispiel III: das Powerhouse
Das ‚Powerhouse’ von Audi in Ingolstadt trägt die unspektakuläre Bezeichnung N19. Der kubische Bau mit gläsernen Wänden ist eine Energiezentrale, wo das Werk mittels einer Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlage (KWKK-Anlage) einen erheblichen Teil des benötigten Stroms, der Wärme und auch der Kälte erzeugt. Dr. Achatz nennt Zahlen: „Im Vergleich mit konventioneller Energieerzeugung sparen wir durch die Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlage 25 Prozent CO2 ein, konkret 17 200 Tonnen im Jahr.”

Kernstück der Anlage sind heute zwei Erdgasturbinen, verbunden mit Stromgeneratoren, die je 4,8 Megawatt Leistung erzeugen und damit etwa ein Zehntel des Gesamtbedarfs an elektrischer Energie des Werkes decken. Doch die Anlage kann noch mehr: Um kaltes Wasser bereit zu stellen, wird das 500 Grad heiße Abgas der Gasturbinen genutzt, um Wasser zu erhitzen und zu verdampfen. Mittels des Dampfes können zwei Absorptions-Kältemaschinen rund acht Megawatt Kälteleistung zur Verfügung stellen und unterstützen damit das Kaltwassersystem. Dieses wiederum wird vor allem in den Motorenprüfständen sowie in der Lackiererei des Werkes Ingolstadt zur Kühlung verwendet.

Die Anlage produziert darüber hinaus auch Heißwasser, beispielsweise zur Erhitzung des Wachses, mit dem Audi in der Lackiererei Hohlräume der Karosserie flutet. Audi ist übrigens der einzige Premium-Automobilhersteller, der diese aufwendige Form des Korrosionsschutzes anwendet. tr

 

 

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