Ford unter Zugzwang
Neben Umsatzeinbußen droht Ford weiteres Ungemach. Wie die “Financial Times” berichtet, muss der US-Autohersteller aufgrund eines defekten Tempomaten 4,5 Millionen Autos überprüfen lassen.
Defekte Geschwindigkeitsregler, die offenbar Motorbrände auslösen können, haben dem US-Konzern die größte Rückrufaktion in seiner Unternehmensgeschichte eingebrockt. Der Autohersteller Ford muss weitere 4,5 Millionen Fahrzeuge zurückrufen, teilte das Unternehmen mit. Selbst die Regierung drängt Käufer wegen der Gefahren zur Überprüfung. Ford will mit der Aktion vor allem beruhigen.
Im Zusammenhang mit dem seit zehn Jahren bekannten Defekt des Reglers von Hersteller Texas Instruments wurden bereits in mehreren Aktionen 16 Millionen registrierte Autos zurückgeholt. Diesmal geht es unter anderem um 1,1 Millionen Minivans des Modells Windstar, die zwischen 1995 und 2003 gebaut wurden. Sie seien zuvor nicht von Rückrufaktionen betroffen gewesen.
“Die Daten zeigen, dass die Mehrheit der zurückgerufenen Wagen kein signifikantes Sicherheitsrisiko aufweist. Wir rufen die Fahrzeuge zurück, um Kunden zu beruhigen und spätere Bedenken zu beseitigen”, teilte Ford mit. Wie teuer die Aktion sein werde, sagte der US-Konzern nicht.
Texas Instruments teilte mit, dass bei den Bränden mehrere Faktoren zusammengekommen seien und “nicht der Temporegler Grundursache” gewesen sei. US-Verkehrsminister Ray LaHood rief Autofahrer auf, die Warnung des Konzerns zu beachten und die betroffenen Modelle schnellstmöglich zur Reparatur zu bringen.
Es ist die zweite große Rückrufaktion in der Autobranche innerhalb weniger Wochen. Erst Ende September hatte Toyota etwa 3,8 Millionen Autos in den USA aufgrund möglicher loser Fußmatten, die das Gaspedal blockierten, zurückgeholt. Mehrere Unfälle, bei denen fünf Menschen getötet wurden, werden mit dem Problem in Verbindung gebracht.
Derweil erzielte Ford mit der Gewerkschaft eine vorläufige Einigung über weitere Einsparungen: Vorgesehen sind US-Medienberichten zufolge unter anderem das Einfrieren von Einstiegslöhnen, weitere finanzielle Einbußen und ein Streikverzicht. Die Arbeitnehmer in den US-Werken müssen der Vereinbarung aber noch zustimmen. Die Autogewerkschaft UAW bestätigte die Einigung grundsätzlich.
Die Wettbewerber General Motors und Chrysler hatten bereits zuvor im Zuge ihrer Insolvenzverfahren der Gewerkschaft solche Zugeständnisse abgerungen. Ford fühlte sich dadurch benachteiligt und forderte ein ähnliches Entgegenkommen.
Die neuen Vereinbarungen erweitern bereits umfangreiche Änderungen aus dem Jahr 2007. Damals erzielten alle drei US-Hersteller im Ringen mit den Arbeitnehmern weitreichende Einsparungen.
Trotzdem hatten GM und Chrysler eine Insolvenz auch wegen der Talfahrt am US-Automarkt nicht vermeiden können. In dem Verfahren warfen sie zahlreiche Altlasten ab und konnten im Sommer dank Milliardenhilfen der US-Regierung neu starten. Ford kommt dagegen bislang ohne staatliche Unterstützung aus.




