Gewinneinbruch bei VW
Trotz guter Verkaufszahlen muss Volkswagen einen Gewinneinbruch im dritten Quartal hinnehmen. Konzerntochter Audi trug maßgeblich zur positiven Entwicklung bei; Konzern-Finanzvorstand Pötsch dämpft Expansions-Erwartungen.
Volkswagen kann zwar im abgelaufenen Quartal – dank Zugewinnen bedingt durch Abwrackprämien in diversen Ländern – mit guten Verkaufszahlen glänzen. Dennoch brach der Quartalsgewinn von Europas größtem Automobilhersteller im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 86 Prozent auf 172 Millionen Euro ein. Weil die diversen staatlichen Verschrottungsboni vor allem die Verkäufe günstigerer und weniger profitabler Kleinwagen wie VW Polo, Seat Ibiza oder Skoda Fabia ankurbelten, schrumpften die VW-Einnahmen von Juli bis September erwartungsgemäß um ein Zehntel von 28,9 auf unter 26 Milliarden Euro. Operativ schrieb Volkswagen im dritten Quartal weiter schwarze Zahlen. Dabei schlugen sich die Wolfsburger mit einem Minus von 81 Prozent auf 278 Millionen Euro schlechter als erwartet. Analysten hatten hier mit 383 Millionen Euro gerechnet, berichtet etwa Dow-Jones Newswires.
Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern will Volkswagen im Gesamtjahr trotz krisenbedingt geringerer Einnahmen einen Gewinn einfahren. “Der Volkswagen Konzern behauptet sich trotz aller Widrigkeiten ausgesprochen gut. Während der Weltmarkt um 12 Prozent sinkt, verzeichnen wir ein stabiles Auslieferungsniveau. Dies beweist, dass wir mit unserer Mehrmarkenstrategie auch in schwierigen Zeiten gut aufgestellt sind”, sagte der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Aktiengesellschaft, Prof. Dr. Martin Winterkorn, anlässlich der Vorlage des Zwischenberichts für die ersten neun Monate. Volkswagen könne sich dem Abwärtstrend zwar nicht entziehen, wolle aber besser abschneiden als die Konkurrenz, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Martin Winterkorn. Dennoch warnte er vor verfrühtem Optimismus. “Das Geschäftsklima bleibt rau.”
In den ersten neun Monaten haben die Wolfsburger mit knapp 4,8 Millionen VW, Audi, Skoda, Seat und Co. weltweit 0,2 Prozent weniger verkauft als im Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: Toyota, der Branchenprimus aus Japan hatte im bisherigen Jahresverlauf nur noch 5,65 Millionen Neuwagen verkauft. Der Verfolger rückt auf.
Im bisherigen Jahresverlauf bis einschließlich September 2009 verbuchte VW damit einen operativen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro, 69 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum von Januar bis September 2008 mit noch 4,9 Milliarden Euro. Darin nicht enthalten ist das Volkswagen zurechenbare Ergebnis von über 500 Millionen Euro, das die chinesischen Gemeinschaftsunternehmen in China, dem größten Absatzmarkt des Konzerns, erwirtschaftet haben. Die Ertragssituation des Volkswagen Konzerns wurde in den ersten neun Monaten durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise belastet, heißt es dazu von Konzern-Seite.
Die Produktion sank mit 4,4 Millionen Fahrzeugen um rund 12 Prozent unter den Vorjahreswert. Damit hat Volkswagen die Lagerbestände deutlich abgesenkt. Der Umsatz nahm volumenbedingt um 9,7 Prozent auf 77,2 Milliarden Euro ab. Das Vorsteuerergebnis belief sich auf 1,1 (5,3) Milliarden Euro. Nach Steuern wurden 655 Millionen Euro (3,7 Milliarden Euro) erwirtschaftet.
Konzerntochter Audi erwies sich in den ersten neun Monaten erneut als Ertragsperle des Konzerns. Mit einem Ergebnis von 1,17 Milliarden Euro stemmten die Ingolstädter einen Großteil des operativen Konzerngewinns. Audi gelang es, trotz der Auswirkungen der globalen Krise auch im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ein deutlich positives operatives Ergebnis von 348 Millionen Euro zu erwirtschaften (2008: 760 Millionen Euro). In den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres erzielte Audi somit eine operative Rendite von 5,4 Prozent (2008: 8,0 Prozent) – nach Aussagen der Ingolstädter ein Spitzenwert in der Branche.
Die Kernmarke VW steuerte mit 335 Millionen Euro einen deutlich geringeren Teil zum Ergebnis bei als das Geschäft mit den Finanzdienstleistungen mit 468 Millionen Euro. Die Nutzfahrzeuge schafften einzig durch die Erlöse aus dem Verkauf des brasilianischen Lkw-Geschäfts an MAN von 600 Millionen Euro einen operativen Gewinn von 390 Millionen Euro. Der Ergebnisanteil der tschechischen Tochter Skoda schrumpfte auf 162 Millionen Euro. Die spanische Tochter Seat blieb mit einem Verlust von 228 Millionen Euro in den roten Zahlen. Der schwedische Lkw-Hersteller Scania, an dem VW rund 72 Prozent der Stimmrechte hält, trug 98 Millionen Euro zum Quartalsergebnis bei.
Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch dämpfte Spekulationen über eine möglich weitere Expansion des Wolfsburger Automobilkonzerns. Es gebe zwar zahlreiche Möglichkeiten, der Konzern habe aber alle Hände voll mit der Übernahme von Porsche zu tun, sagte der Manager. Es sei daher nicht sinnvoll, VW mit einer weiteren Transaktion zu belasten. Spekuliert wird seit geraumer Zeit, dass Volkswagen die Beteiligung am Lkw-Hersteller MAN von derzeit 29,9 Prozent aufstocken könnte. Auch schreiben Beobachter Volkswagen Interesse an einem Anteil am japanischen Hersteller Suzuki Motor zu.






