Magna verliert ersten Auftrag
Fiat zieht Chrysler-Fertigung nach Italien ab, der austro-kanadische Zulieferer sucht zudem das Gespräch mit VW, berichtet das Handelsblatt. Die Italiener wollen den Auftrag zum Bau von Modellen ihrer US-Beteiligung Chrysler in Graz bei Magna Steyr nicht verlängern und die Modelle künftig in Italien in einem ehemaligen Werk des Karosseriebauers Bertone fertigen.
Der italienische Autohersteller Fiat sei nach dem Zuschlag von Magna für den Rivalen Opel als erster Hersteller vom österreichisch-kanadischen Autozulieferer abgerückt, berichtet die Wirtschaftszeitung in ihrer heutigen Ausgabe. Die Italiener wollen den Auftrag zum Bau von Modellen ihrer US-Beteiligung Chrysler in Europa bei Magna nicht verlängern.
In Magna-Kreisen wird der Schritt allerdings nicht als direkte Reaktion auf den Opel-Deal betrachtet. Bereits der frühere Chrysler-Vorstand habe vorgehabt, die Fremdfertigung zurückzuholen, heißt es. Sprecher von Magna und Fiat kommentierten die Entscheidung offiziell nicht.
Neben dem Volkswagen-Konzern will auch BMW die Zusammenarbeit mit Magna überdenken. Der Zulieferer soll eigentlich für die neue VW-Tochter Porsche die Einstiegsmodelle Boxster und Cayman produzieren, für die Münchener einen Mini-Crossover, der intern den Namen Colorado trägt. Entscheidungen haben die beiden deutschen Hersteller aber noch nicht getroffen. Der Fiat-Konzern, der sich selbst vergeblich um den Kauf von Opel bemüht hatte, ist dagegen Magnas erster Großkunde, der Fakten schafft.
Nach Handelsblatt-Informationen aus Unternehmenskreisen geht Magna angesichts der Kritik aus den Reihen der Hersteller derzeit auf wichtige Kunden zu. So sei etwa in den nächsten Tagen ein Treffen mit VW geplant. Die Wolfsburger sehen in Magnas Einstieg bei Opel laut Branchenkreisen ein grundsätzliches Problem. Denn nach monatelangem Gezerre zwischen Deutschland und den USA hatte der GM-Verwaltungsrat Anfang September entschieden, 55 Prozent von Opel an Magna und dessen russischen Partner Sberbank abzugeben. Wichtige Kunden hatten daraufhin angekündigt, ihre Geschäftsbeziehungen mit Magna zu überprüfen.

Zieht die Chrysler-Auftragsfertigung von Magna Steyr ab: Sergio Marchionne, CEO Fiat Group, Chairman und CEO der Fiat Group Automobiles S.p.A. Bild: Fiat
In Magna-Kreisen heißt es, das Auslaufen der Chrysler-Fertigung habe sich bereits vor längerer Zeit angekündigt. Fiat will die Chrysler-Modelle nun in Italien in einem ehemaligen Werk des Karosseriebauers Bertone bauen. Fiat-Chef Sergio Marchionne selbst hat die Entscheidung nicht mit dem Zuschlag für Opel in Zusammenhang gebracht. Experten glauben, dass Fiat in erster Linie seine Überkapazitäten in Italien besser auslasten möchte.
Das Kerngeschäft der Magna-Tochter Magna Steyr gerät mit dem Schritt von Chrysler kaum in Gefahr, meint die Düsseldorfer Wirtschaftszeitung. Der Zulieferer baut für Chrysler die Mittelklasse-Limousine 300C, den Jeep Grand Cherokee und den Jeep Commander. Im ersten Halbjahr 2009 liefen für alle drei Modelle in Graz knapp 1.100 Stück vom Band. Das sind etwa vier Prozent der Gesamtproduktion von 26.000 Wagen. Intern habe der Zulieferer nicht mit einer Fortsetzung der Aufträge gerechnet. Komponenten wird Magna aber auch künftig für Fiat und Chrysler liefern, hieß es.
Wirtschaftlich fußt der Geschäftsplan in Graz in den kommenden Jahren vor allem auf den Aufträgen von Porsche für die Modelle Cayman und Boxster sowie von BMW für den Mini-Crossover Colorado, so das Handelsblatt weiter. Auch der Peugeot 308 RCZ und der Aston Martin Rapide sollen in Graz gebaut werden. Die Modelle müssen eine große Lücke stopfen, denn BMW hatte lange vor dem Opel-Deal angekündigt, den Bestseller X3 künftig selbst in den USA zu fertigen.
Der Gegenwind für Magna wird schärfer. BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner hatte auf der Autoshow IAA erklärt, der Hersteller müsse nun darüber nachdenken, „welche Technologien wir in die Hände eines Konkurrenten geben”. Auch VW-Boss Martin Winterkorn hatte bekräftigt, die Geschäftsbeziehungen zu überprüfen, und Sorgen geäußert, dass sensible Daten an die Konkurrenz gehen könnten.
Magnas Europa-Chef Siegfried Wolf hatte zuvor bestritten, dass VW oder andere Kunden gedroht hätten, die Zusammenarbeit mit Magna zu beenden. Jeder Kunde werde es sich gut überlegen, bevor er auf wettbewerbsfähige Produkte verzichte. “Magna hat bis heute keinen einzigen Auftrag in einem Schönheitswettbewerb gewonnen, sondern weil wir im Thema Qualität, Technologie und Preis wettbewerbsfähig sind”, hatte Wolf jüngst betont.
In Branchenkreisen heißt es allerdings, Magna habe wohl die Tragweite des Opel-Deals unterschätzt. “Wer mit am Entwicklungstisch sitzt, bekommt vollen Einblick. Das geht nicht mit einem Wettbewerber.” Standardkomponenten seien dagegen kein Problem.
Magnas Europa-Chef Siegfried Wolf wird übrigens als Key-Note-Speaker auf dem 11. AUTOMOBIL-FORUM Graz sprechen. Hier geht es direkt zum Programm!





