Mercedes: Zurück in die Werkstatt
Eine fehlerhafte Einspritztechnik von Delphi legt den neuen Dieselmotor OM 651, verbaut in E- und C-Klasse, lahm.

Macht Kummer: Das Einspritzsystem von Delphi im neuen Vierzylinder-Dieselmotor OM 651 von Daimler, verbaut in C- und E-Klasse. Bild: Daimler
Die Qualitätsprobleme ereilen Daimler mitten in der Krise des Premiumsegments. Bei seinen Mercedes-Fahrzeugen betroffen ist der neue Dieselmotor OM 651, der in der C-Klasse und in der neuen E-Klasse verbaut wird. „Es gibt Probleme mit der Einspritzdüse”, sagte ein Konzernsprecher dem Handelsblatt.
In Deutschland seien bislang bei 2.800 Fahrzeugen Fehler aufgetreten, so dass sie in die Werkstatt müssten. Insgesamt wurden in Deutschland 25.000 Fahrzeuge mit den entsprechenden Motoren ausgeliefert. Die Motorenproduktion wurde nach Unternehmensangaben bereits gedrosselt.
Daimler bemüht sich, den Schaden einzugrenzen. Betroffene Kunden erhalten via Anschreiben einen Gutschein über 200 Euro. Diese kleine Rückrufaktion trifft Mercedes sehr empfindlich: Der neue Vierzylinder-Motor soll bei einer Leistung von 200 PS nur gut fünf Liter Kraftstoff verbrauchen und sollte dem Konzern die benötigten Absatzimpulse geben. Denn angesichts der Branchenkrise ist der Erfolg der E-Klasse für den gesamten Konzern wichtiger denn je.
Der Fehler zeige sich durch unrunden Lauf sowie eine Fehlermeldung auf dem Cockpit-Display. Das betroffene Auto schaltet dann in einen Notmodus und drosselt die Höchstgeschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer. Allerdings kann damit die nächste Werkstatt erreicht werden, ohne liegenzubleiben. “Produktionsbedingte elektrische Fehler” vom Zulieferer Delphi seien die Ursache, heißt es beim Autohersteller. Diese seien aber inzwischen abgestellt.
Delphi wollte sich nicht direkt zu den technischen Problemen äußern: „Die Einspritztechnik sei ein komplexes System mit vielen Einflussfaktoren”, sagte ein Sprecher lediglich. Die Zurückhaltung ist verständlich: Bei derartigen Fällen drohen Auseinandersetzungen um hohe Regressansprüche.
Ähnliches ist bereitss Anfang 2005 passiert. Damals hatte der weltgrößte Autozulieferer Bosch wegen Qualitätsmängeln bei seiner Dieseleinspritztechnik die Hersteller informiert. Bei Mercedes kam deshalb es zu empfindlichen Produktionsverzögerungen. Die Systeme mussten ausgetauscht werden, Bosch kam für die hohen Kosten auf. Mercedes war es nach dieser Panne zu riskant, sich nur auf Bosch zu verlassen, denn bis dato war Bosch der einzige Lieferant der Dieseltechnik. Daimler vergab die Einspritztechnik für die neue Motorengeneration ausgerechnet an den angeschlagenen US-Konkurrenten Delphi – ein Schlag ins Gesicht der schwäbischen Nachbarn, der sich jetzt allerdings bitter zu rächen scheint. Denn nach Einschätzung von Branchenexperten ist es immer ein Risiko, bei einem neuen Motor zu einem neuen Zulieferer zu wechseln: „Mercedes hat am falschen Ende gespart”, sagte ein Beobachter der Düsseldorfer Wirtschaftszeitung. Bei Einspritztechnik komme es eben sehr auf die präzise Fertigung an.
Die jetzigen Qualitätsprobleme belasten das Image und könnten damit den jüngsten Hoffnungsschimmer bei den Schwaben trüben: Der Pkw-Absatz war im September mit 114 300 Fahrzeugen zwar um 6,5 Prozent rückläufig. „Das ist aber der höchste Monatsabsatz in diesem Jahr”, sagte der neue Vertriebschef Joachim Schmidt. Insgesamt setzte Mercedes im bisherigen Jahresverlauf 825 600 Wagen ab. Das ist ein Rückgang von knapp 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Daimler ist im ersten Halbjahr tief in die Verlustzone geraten.






