Daimler sichert Beschäftigung in Sindelfingen
Auf betriebsbedingte Kündigungen wird trotz Verlagerung der C-Klasse-Fertigung in die USA und nach Südafrika bis 2020 verzichtet. Aber Zulieferer müssen um Aufträge bangen, denn Montageumfänge werden in Daimler-Werke zurückverlagert.

S-Klasse-Ferigung im Werk Sindelfingen, Einbau des Panoramadaches: Die nächste Generation wird auch vor Ort gebaut, die C-Klasse-Umfänge hingegen werden verlagert. - Bild: Daimler
Der Vorstand und der Gesamtbetriebsrat der Daimler AG haben sich auf die Details des Personalkonzepts für den Standort Sindelfingen im Zusammenhang mit der Neuordnung des weltweiten Mercedes-Benz Produktionsnetzwerks geeinigt. Ab 2014 wird die Produktion der C-Klasse im Werk Bremen gebündelt und zusätzlich für den lokalen Markt in den USA gefertigt. Die betroffenen Sindelfinger Mitarbeiter werden die nächste Generation der E- und der S-Klasse in Sindelfingen mit produzieren, somit könne laut Daimler auf betriebsbedingte Kündigungen am Standort bis 31. Dezember 2019 verzichtet werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind damit für die rund 37.000 Mitarbeiter in Daimlers größtem Werk bis Ende 2019 ausgeschlossen. Die bisherige Vereinbarung läuft Ende 2011 aus. “Wir sind froh, dass wir trotz der aus unserer Sicht falschen Entscheidung des Vorstands die Arbeitsplätze in Sindelfingen über einen so langen Zeitraum sichern konnten”, erklärte der Betriebsratschef Erich Klemm.
Gleichzeitig bekennen sich Vorstand und Betriebsrat nachdrücklich zu einer kontinuierlichen Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit und einer Steigerung der Effizienz im Werk. Im Rahmen des Personalkonzepts “Sifi 2020″ haben Vorstand und Betriebsrat deshalb die Details der alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten für die in 2014 von dem Wegfall der C-Klasse Produktion betroffenen Mitarbeiter festgelegt: Wie angekündigt, wird die Montage des Premium-Roadsters SL von Bremen nach Sindelfingen verlagert. Hierdurch werde bereits ein großer Teil der Beschäftigung kompensiert, heißt es aus der Stuttgarter Konzernzentrale.
Zusätzlich werden durch verschiedene Maßnahmen rund 2.000 neue Arbeitsplätze definiert, die auch den unterschiedlichen Qualifikationen der Mitarbeiter Rechnung tragen. Das Unternehmen wird im Werk Sindelfingen unter anderem die Fertigungstiefe erhöhen, neue Technologien ins Werk holen sowie Beschäftigungsmöglichkeiten in Forschung- und Entwicklung schaffen.
Die beschlossenen Maßnahmen umfassen laut Pressemitteilung des Unternehmens unter anderem “zusätzliche Montage-Umfänge beim Einbau von Hybridantrieben oder dem Aufbau von Erprobungsfahrzeugen sowie eine Erhöhung der Mitarbeiter im Betriebsmittelbau zur internen Fertigung von Werkzeugen. Hinsichtlich neuer Technologien werden beispielsweise die Aktivitäten rund um das Thema ‘Leichtbau am Standort Sindelfingen konzentriert”.
Schlechte Nachrichten für Lieferanten wie Johnson Controls und Magna

S-Klasse-Produktion in Sindelfingen, Kabelbaumverlegung: Beschäftigungsgarantie für die 37.000 Beschäftigten des Werkes bis Ende 2019 verlängert - einige Lieferantenaufträge sollen dafür künftig inhouse erledigt werden. - Bild: Daimler
Dies könnten schlechte Nachrichten für die Zulieferer von Daimler sein: Denn als Entschädigung für den Abzug der C-Klasse-Produktion aus Sindelfingen will der Automobilkonzern laut Informationen von Dow Jones Newswires bislang großteils fremdvergebene Aufgaben wieder zurückholen, um die eigenen Mitarbeiter auszulasten, wie der Betriebsrat am Donnerstag in Sindelfingen bei Stuttgart mitteilte.
Die rund 1.800 Beschäftigten, die nach dem Abzug der C-Klasse-Fertigung ohne Arbeit dastünden, sollen ab 2014 die gepanzerte Version des Geländewagens G-Klasse bauen, wie der Betriebsrat erklärte. Bislang macht das der österreichische Zulieferer Magna. Darüber hinaus sollen die Sindelfinger zusätzliche Werkzeuge und sämtliche Sitze für die im Stammwerk gebauten Modelle herstellen, die zum Teil bisher Johnson Controls fertigt. Management und Betriebsrat seien zudem auf der Suche nach weiteren Projekten, die wieder zurückgeholt werden sollen.
Daimler hatte Anfang Dezember ungeachtet des heftigen Protestes der Belegschaft beschlossen, sein absatzstärkstes Modell künftig nicht mehr im Stammwerk Sindelfingen, sondern ab 2014 in Bremen und den USA vom Band rollen zu lassen. Mit der Verlagerung der Produktion in die USA will der DAX-Konzern näher an seine Kunden rücken und unabhängiger von Währungsschwankungen werden.
Damit habe der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche die erhitzten Gemüter der Belegschaft etwas beruhigt, berichtet die Nachrichtenagentur. Zetsche, dessen Vertrag Ende kommenden Jahres ausläuft und schon zu Jahresbeginn verlängert werden soll, ist auf das Wohlwollen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat angewiesen. Klemm ist stellvertretender Vorsitzender des Kontrollgremiums.




