Zetsche verteidigt C-Klasse-Entscheidung
Die massiven Proteste der Beschäftigten haben den Daimlerchef Dieter Zetsche auf den Plan gerufen. Der Vorstandschef will im Stammwerk Sindelfingen 2.000 Jobs schaffen: “Niemand im Werk Sindelfingen wird durch die Entscheidung zur C-Klasse seine Arbeit verlieren.” Der Betriebsrat fordert weiterhin den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2020.
Daimler-Chef Dieter Zetsche hat jüngst versucht, die Beschäftigten im Werk Sindelfingen nach der Entscheidung zur Verlagerung der C-Klasse in die USA und nach Bremen zu besänftigen, wie Handelsblatt und FAZ berichten. „Niemand im Werk Sindelfingen wird durch die Verlagerung der C-Klasse seine Arbeit verlieren”, sagte Zetsche und stellte den Mitarbeitern auf einer von zwei Betriebsversammlungen vor gut 15.000 Mitarbeitern im größten Mercedes-Werk damit quasi eine Beschäftigungsgarantie aus. Der Vorstand der AG habe die Entscheidung erst getroffen, nachdem klar war, dass die Beschäftigung im Werk Sindelfingen gesichert sei, so Zetsche weiter.
Der Vorstandvorsitzende betonte die Bedeutung des Standorts als wichtigstes Werk von Mercedes-Benz Cars. “Ich weiß um die Tradition dieses Standorts – und den Stolz. Ich teile ihn”, sagte Zetsche. Generell werde der Produktionsstandort Sindelfingen verlässlich gesichert. Dazu gab Zetsche eine verbindliche Zusage: “Die nächste Generation der E-und S-Klasse wird definitiv hier in Sindelfingen gebaut.” Die Mitarbeiter, die zu mehrere Tausend gekommen waren, reagierten am Montag zurückhaltend auf die Versprechen.
Danach ging er auf die vorgesehenen Maßnahmen zur Schaffung attraktiver Beschäftigungsmöglichkeiten im Werk Sindelfingen ein. Neben der beschlossenen Montage des Premium-Roadsters SL ab 2014 werde man Aufgaben aus bisher ausgelagerten Arbeitsumfängen ins Werk zurückholen sowie Tätigkeiten im Planungs- und Entwicklungsumfeld des Werkes bieten. Insgesamt könnten so rund 2.000 Arbeitsplätze in Sindelfingen alternativ angeboten werden – “also mehr als die 1.800, die notwendig wären, um alle Kollegen in Beschäftigung zu halten”, betonte er.
Als Beispiele für alternative Beschäftigungsmöglichkeiten nannte der Daimler-Chef zusätzliche Montageumfänge beim Einbau von Hybridantrieben, den Ausbau der Sitzfertigung am Standort sowie Arbeitsplätze im Bereich Entwicklung und Technologie.
Nun fordert der Betriebsrat konkrete und verbindliche Zusagen zur Beschäftigungssicherung. Der Kündigungsschutz solle bis 2020 verlängert werden, so die Aufforderung der Abeitnehmervertreter. Sie rechnen damit, dass ab 2014 bis zu 3.000 Daimler-Mitarbeiter arbeitslos werden, selbst wenn die SL-Roadster-Montage vom Mercedes-Benz-Werk Bremen nach Sindelfingen verlagert werde. Die Verhandlungen des Betriebsrates mit der Unternehmensleitung laufen seit Dienstag. Noch für den heutigen Mittwoch ist eine weitere Betriebsversammlung angesetzt.
„Wir brauchen das schriftlich, verbindlich und klar”, sagte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm. Er fordert den Vorstand zudem auf, bis 2020 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Zetsche war bei der Betriebsversammlung mit Buhrufen und einem Pfeifkonzert empfangen worden.
Klemm sagte noch einmal, dass er die Entscheidung einer Verlagerung der C-Klasse für falsch hält. Bereits am Freitag hatten 15.000 Beschäftigte gegen den Beschluss demonstriert. Das Misstrauen gegenüber dem Vorstand sitzt bei den Beschäftigten tief. Zwar rechnete Zetsche vor, insgesamt entstünden 200 Jobs mehr, als durch die Verlagerung der C-Klasse nach Bremen und ins US-Werk Tuscaloosa verlorengingen. Doch wie genau diese Jobs aussehen sollen, bleibt unklar.
„Sindelfingen bleibt auch künftig unser wichtigstes Werk und der Dreh- und Angelpunkt für die zweite Erfindung des Automobils”, rief Zetsche den Beschäftigten zu. Der Vorstandschef verteidigte die Entscheidung bezüglich der C-Klasse: „Jede fünfte C-Klasse weltweit verkaufen wir bereits heute in den USA – und es hat unabweisbare Vorteile, wenn wir ab 2014 auch jede fünfte C-Klasse dort produzieren.”
Zetsche weiter: „Wir rücken näher an den Kunden. Wir senken unsere Kosten für Transport und Logistik. Zusätzlich haben wir kein Währungsrisiko mehr.” Auch wenn man nicht wissen könne wie der Dollar sich bis 2014 entwickeln würde, betonte Zetsche die Wichtigkeit, diese Ungewissheit auszuschalten: „Nicht der ist also ‚Spekulant’, der in den USA produziert, sondern der, der es nicht tut.”
Neben der Montage des Sportwagens SL werde Daimler weitere Aufgaben nach Sindelfingen ziehen, kündigte Zetsche an. Dabei gehe es unter anderem um den Bau von Vorrichtungen und Werkzeuge, die Montage der Hybridantriebe und die Sitzfertigung für weitere Modelle. Zudem sollten Arbeitskräfte aus der Produktion für eine Tätigkeit „im Planungs- und Entwicklungsumfeld” qualifiziert werden. Insgesamt 2.000 Jobs würden neu geschaffen, 1.800 gehen durch die Verlagerung verloren.






