Opel macht Antwerpen dicht

21.01.2010, 15:28 Uhr

Opel beabsichtigt die Schließung des Werks Antwerpen. Die Produktion werde im Laufe des Jahres 2010 eingestellt, sagte Opel-Vorstandsvorsitzender Nick Reilly. Als möglichen Termin nannte der Manager die Jahresmitte. Insgesamt sollen 8.300 Stellen beim Unternehmen in Europa wegfallen. Weitere Werksschließungen seien aber aus heutiger Sicht des Managements nicht zu erwarten. Gewerkschaften und Belegschaft reagierten auf die Ankündigungen mit Empörung.

Opel-Fertigung im belgischen Antwerpen: Noch 2010 gehen hier voraussichtlich die Lichter aus. - Bild: Opel

Opel-Fertigung im belgischen Antwerpen: Noch 2010 gehen hier voraussichtlich die Lichter aus. - Bild: Opel

Um die Unternehmenszukunft schnell und nachhaltig zu sichern, hat Opel heute die Absicht mitgeteilt, im Laufe des Jahres 2010 die Produktionsstätte im belgischen Antwerpen zu schließen. “Wir sind uns der Tragweite bewusst, die diese Ankündigung für die Beschäftigten in Antwerpen und ihre Familien hat und wir fühlen mit ihnen” sagte Opel CEO Nick Reilly. “Viele haben ihr Arbeitsleben über Generationen dieser Fabrik gewidmet und haben hervorragende Arbeit geleistet, um Autos in bester Qualität zu produzieren. Es ist keine leichte Entscheidung, diese Ankündigung zu machen. Vielmehr ist es die harte Realität der derzeitigen Geschäftssituation.” Aber aus Unternehmenssicht sei dies ein notwendiger Schritt auf dem Weg zum Neuaufbau der Marke.

Die Wahl sei auf Antwerpen gefallen, da die dort produzierten Autos auch an anderen Standorten gefertigt werden könnten, so Reilly. In dem Werk werden verschiedene Modelle der Astra-Reihe – unter anderem der Dreitürer sowie das Cabriolet – gefertigt. 2009 wurden dort 88.873 Autos produziert. Derzeit arbeiten 2.600 Mitarbeiter in Antwerpen, das sind rund fünf Prozent der gesamten Opel/Vauxhall-Belegschaft in Europa. Der Standort steht schon seit längerer Zeit zur Disposition. Im Opel-Sanierungskonzept (“Viability Plan VI”) war von der Schließung des Standorts in der ersten Hälfte 2010 die Rede. Die Produktion des Astra soll demnach nach Bochum verlagert werden.

Insgesamt 8.300 Stellen bedroht

Die weltweite Wirtschaftskrise hat zu einem erheblichen Abschwung in der Automobilindustrie geführt. Der westeuropäische Fahrzeugmarkt wird im Jahr 2010 wahrscheinlich 1,5 Millionen Autos weniger umfassen als 2009 und rund vier Millionen Fahrzeuge weniger als auf seinem Höhepunkt im Jahr 2007, heißt es aus dem Unternehmen. Es sei nicht zu erwarten, dass der Markt in naher Zukunft – wenn überhaupt – zu diesem hohen Niveau zurückkehren wird – was zu einer erheblichen Überkapazität in der Industrie und insbesondere bei Opel führt.

Um die langfristige Existenz des Unternehmens zu sichern, muss Opel seine Kapazitäten insgesamt um rund 20 Prozent reduzieren. Um dieses Fünftel z uerreichen, sollen rund 8.300 Stellen abgebaut werden; etwa 4.000 davon in Deutschland. Für Opel und Vauxhall arbeiten aktuell europaweit rund 48.000 Menschen. Gut die Hälfte davon ist am Stammsitz in Rüsselsheim sowie den anderen deutschen Werken in Bochum, Eisenach und Kaiserslautern beschäftigt.

Die Arbeitnehmervertreter um den Konzernbetriebsratschef Klaus Franz hatten mehrfach klargemacht, Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen nicht hinzunehmen. Entsprechend empört reagierten sie nach Bekanntwerden der Schließungsabsicht. Der wahre Grund für die Entscheidung seien nicht Überkapazitäten sondern die geplante Verlagerung der Produktion, heißt es in einer Stellungnahme des Europäischen Opel-Arbeitnehmerforums (EEF). So solle der geplante kleine Geländewagen nicht – wie geplant und vertraglich vereinbart – in Antwerpen produziert werden, sondern aus Südkorea nach Europa kommen. Die Schließung von Antwerpen könnte somit neue Schwierigkeiten in den schon stockenden Verhandlungen zwischen dem Management und den Arbeitnehmervertretern mit sich bringen.

Der neue Opel-Chef Nick Reilly fordert von den Opelanern einen Sanierungsbeitrag von 265 Millionen Euro pro Jahr. Im Gegenzug verlangen die Beschäftigten neben dem Verzicht auf Entlassungen und Werksschließungen, an der neuen Gesellschaft beteiligt zu werden sowie eine stärkere Mitbestimmung durch eine Umwandlung der Adam Opel GmbH in eine Aktiengesellschaft (AG). Dementsprechend bekräftigen die Arbeitnehmer, im Falle der Schließung von Antwerpen keinen Beitrag zur Sanierung leisten zu wollen.

Werk Antwerpen: Aus nach 86 Jahren

Derzeit arbeiten 2.606 Mitarbeiter im Werk Antwerpen, das sind rund fünf Prozent der Opel/Vauxhall-Belegschaft in Europa. Sie fertigen die Modelle Astra Dreitürer, Astra TwinTop und Astra Caravan. In 2009 wurden dort 88.873 Opel Astra produziert, rund 96 Prozent der Produktion waren für den Export vorgesehen.

Gegründet wurde das Werk 1924 unter dem Namen General Motors Continental. Der erste Chevrolet wurde dort am 2. April 1925 gebaut. Antwerpen hat hauptsächlich verschiedene Opel-Modelle wie Manta, Ascona, Kadett, Vectra und Astra, aber auch Komponenten gebaut. Bis heute wurden dort mehr als 13 Millionen Pkw und Nutzfahrzeuge produziert.

 
 

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