Quo vadis Saab?

11.01.2010, 9:58 Uhr

Das Verwirrspiel um Saab nimmt kein Ende.  Wie das “Handelsblatt” berichtet, zieht der amerikanische Mutterkonzern GM auch eine Stilllegung des schwedischen Autobauers in Betracht.

Langsam wird es eng für Saab. Nun soll der amerikanische Mutterkonzern GM auch eine Liquidation des schwedischen Autoherstellers ins Auge fassen. (Bild: Saab)

Langsam wird es eng für Saab. Nun soll der amerikanische Mutterkonzern GM auch eine Liquidation des schwedischen Autoherstellers ins Auge fassen. (Bild: Saab)

Das Schicksal des schwer angeschlagenen schwedischen Autoherstellers Saab steht weiter in den Sternen. Dem “Handelsblatt” zufolge erwägt der amerikanische Mutterkonzern GM auch eine Liquidation des schwedischen Autobauers.

Zwar gab GM am Freitag die „geordnete Abwicklung” von Saab bekannt und benannte mit AlixPartners auch ein Unternehmen, dass sich auf die Liquidation von Firmen spezialisiert hat.

Gleichzeitig bestätigte GM aber in Detroit den Eingang von mehreren Übernahmeangeboten, die nun geprüft werden sollen. Neben dem niederländischen Sportwagenhersteller Spyker, der am Freitag ein drittes, verbessertes Übernahmeangebot vorlegte, erklärte auch die in Luxemburg registrierte Investmentfirma Genii Capital, sie wolle zusammen mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone den seit 20 Jahren verlustreichen schwedischen Autohersteller übernehmen.

Man werde am heutigen Montag etwa 2,8 Mrd. Kronen (umgerechnet 275 Mio. Euro) auf einem Konto platzieren, um GM eine sichere Finanzierung zu signalisieren. Ein weiteres Konsortium um den früheren stellvertretenden Ministerpräsidenten Schwedens, Jan Nygren, hat ebenfalls eine Offerte für Saab abgegeben. Dieses Konsortium soll vom ehemaligen Chef des deutschen LKW-Bauers MAN, Håkan Samuelsson, unterstützt werden. Nygren wollte das allerdings nicht bestätigen.

Ein GM-Sprecher erklärte am Wochenende, dass trotz des Abwicklungsbeschlusses alle Übernahmeangebote ernsthaft geprüft würden und ein Verkauf der schwedischen Traditionsmarke noch immer möglich sei.

Schwedische Gewerkschaftsvertreter bezeichneten das Vorgehen des US-Mutterkonzerns am Wochenende als „widersprüchlich und schockierend”. Man könne nicht auf der einen Seite den Abwicklungsprozess mit der Benennung eines Liquidators einleiten, andererseits aber weiter mit potenziellen Käufern verhandeln, sagte Paul Åkerlund, Vorsitzender der Metallgewerkschaft bei Saab.

Zur Verwirrung trugen am Wochenende auch Berichte bei, nach denen GM bereits an diesem Freitag die Montagewerkzeuge für den neuen Saab 9-5 nach China verschiffen will. Wie die schwedische Wirtschaftszeitung „Dagens Industri” von nicht näher bezeichneten Quellen erfahren haben will, plant GM mit den Werkzeugen ein Buick-Modell für den chinesischen Markt zu bauen. Derzeit sollen sich die Maschinen noch im Opel-Werk Rüsselsheim befinden. GM wollte die Angaben nicht kommentieren.

Schwedische Automobil-Analysten bezeichneten die Vorgehensweise von GM als „merkwürdig” und schlossen nicht aus, dass der US-Konzern von vornherein eine Stilllegung von Saab als beste Option angesehen habe. Gleichzeitig bezweifelten sie die Seriosität einiger der jetzt eingegangenen Übernahmeangebote. „Warum wartet Genii Capital bis zur letzten Minute mit ihrem Angebot, wenn sie doch Saab als so wertvoll ansehen?”, fragte ein Analyst.

Tatsächlich hatte GM vor mehr als einem Jahr den Verkauf von Saab beschlossen und das schwedische Unternehmen im Februar 2009 unter Zwangsverwaltung gestellt. Der schwedische Sportwagenhersteller Koenigsegg, der im Sommer zusammen mit dem chinesischen Autobauer BAIC ein Kaufangebot vorgelegt hatte, sprang im November überraschend ab. Seitdem sind immer wieder neue Interessenten aufgetaucht. GM lehnte die Angebote aber stets ab. Im Dezember beschloss der US-Konzern die Schließung von Saab, forderte aber etwaige Interessenten auf, Übernahmeangebote vorzulegen.

Trotz der völlig unklaren Situation will Saab am heutigen Montag nach einer einmonatigen Produktionspause die Montage des neuen Modells Saab 9-5 aufnehmen. Gleichzeitig ist ein Vertreter der schwedischen Regierung am Wochenende nach Detroit gereist, um mit der GM-Führung über das Schicksal von Saab und seinen rund 3 400 Mitarbeitern zu beraten.

 
 

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