Autobauer: Absatzriesen 2009
15.02.2010
Bei den größten Automobilherstellern weltweit gab es 2009 krisenbedingt massive Einbrüche. An der Spitze bleibt vorerst der japanische Toyota-Konzern vor GM und Europas Nummer eins, der Volkswagen-Gruppe. Ein aktuelleres Update der Übersicht finden Sie hier!
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Die US-Hersteller und die japanischen OEMs litten massiv unter den Nachfragerückgangen 2009 in den Staaten um über 21 Prozent sowie auch im Land der aufgehenden Sonne um über neun Prozent.
Hyundai/Kia überholt Ford
Außer dem südkoreanischen Produzenten Hyundai mit Tochtermarke Kia konnten nur noch Volkswagen und Suzuki den eigenen weltweiten Absatz 2009 absolut steigern. Als eine Folge hat die südkoreanische Hyundai/Kia-Gruppe Ford von Platz fünf verdrängt. Die Südkoreaner sind mit einem Absatzwachstum von über 14 Prozent auf fast 4,76 Millionen Autos die größten Krisengewinnler unter den Top 15 im weltweiten Automobilmarkt.
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VW-Konzern wieder vor Renault-Nissan-Lada
Die drittplatzierten Wolfsburger konnten mit aktuell 6,29 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen auch ihren Abstand zur Renault-Nissan-Allianz ein wenig ausbauen. VW kam auf plus 1,1 Prozent; weltweit erreichte allein die Kernmarke Volkswagen Pkw ein Wachstum von 7,8 Prozent auf 3,95 Millionen Einheiten.
Die französisch-japanische Gruppe bediente sich 2009 eines kleinen Tricks: Renault zählte erstmals auch die 417.457 abgesetzten Lada-Einheiten mit, die Franzosen halten 25 Prozent und eine Aktie am Lada-Hersteller AvtoVAZ, zählen in ihrer Absatzbilanz die russischen Fahrzeuge aber komplett. Renault allein kam 2009 global auf einen Absatz von 2,309 Millionen Einheiten, minus 3,1 Prozent, Nissan auf weitere 3,358 Millionen Fahrzeuge, minus 9,4 Prozent im Vorjahresvergleich.
Die Allianz wurde bereits im Vorjahr beim weltweiten Absatz von Volkswagen überflügelt. Durch die erstmalige, komplette Zählung der Ladas ist der Rückstand zu VW deshalb nur um 65.000 auf nun 205.000 Autos gewachsen.
Hyundai/Kia legt global fast überall zu, VW und Suzuki gewinnen regional
Hyundai/Kia, Volkswagen und Suzuki profitierten aufgrund ihrer Modellpolitik – wenn auch unterschiedlich stark – von staatlichen Subentionen in verschiedenen Automärkten. Die Zuwächse bei den Gewinnern verteilen sich jedoch regional recht unterschiedlich:
Die Hyundai/Kia-Gruppe konnte 2009 im über ein Fünftel gesunkenen US-Markt den eigenen Fahrzeug-Absatz um fast neun Prozent auf 735.127 Autos steigern. Die USA (Gesamtmarkt 2009: minus 21 Prozent auf 10,43 Millionen Einheiten) sind der zweitwichtigste Auslandsmarkt der beiden koreanischen Marken zusammengenommen sowie deren drittwichtigster Einzelmarkt nach Korea und China. Zuhause setzten die Südkoreaner allein mit der Kernmarke 701.469 Hyundai ab, 23 Prozent über Vorjahr. Kia kam in Südkorea auf 412.752 Einheiten, plus 30,4 Prozent. Damit kommen beide in der Heimat gemeinsam auf einen Absatz von 1,114 Millionen Einheiten.
Die US-Marktschwäche der Wolfsburger verhinderte zumindest einen massiven Rückgang, den die meisten anderen Wettbewerber in den USA erlitten (US-Absatz der Marke VW: 213.454 Autos, minus 4,3 Prozent gegenüber 2008; Audi: 82.716 Einheiten, minus 5,7 Prozent im Vorjahresvergleich). Auf ihrem zweitgrößten Einzelmarkt Deutschland setzten die Marken des VW-Konzerns insgesamt 1,24 Millionen Fahrzeuge ab (plus 17,5 Prozent). Im drittgrößten VW-Markt Brasilien erzielte der Konzern ein Auslieferungswachstum von 8,7 Prozent auf 688.300 Einheiten. VW kam in Europa mit plus 0,7 Prozent auf 3,063 Millionen Einheiten.
Hyundai und VW profitierten beide besonders vom Wachstum in China. VW steigerte in China, dem größten Einzelmarkt des Konzerns, die Auslieferungen um 36,7 Prozent von 1,03 im Jahr 2008 auf aktuell 1,40 Millionen Einheiten. Hyundai konnte im Nachbarland allein als Kernmarke mit 570.300 Einheiten um 94 Prozent an Absatz gewinnen und ist mittlerweile viertgrößter Anbieter in der Volksrepublik. Kia in China erreichte zusätzlich 256.732 verkaufte Einheiten, ein 69,9-prozentiges Plus gegenüber 2008. Gemeinsam erzielte die koreanische Gruppe 2009 einen Absatz in China von 827.032 Einheiten. Am meisten konnte übrigens der gebutelte GM-Konzern mit seinen Joint Ventures im Reich der Mitte absetzen, über 1,826 Millionen Einheiten, ein Zuwachs um fast 67 Prozent.
Suzuki verlor massiv bei den Verkäufen in den USA (minus 54 Prozent auf rund 39.000 Einheiten) sowie im Heimatmarkt Japan (minus acht Prozent auf 617.229 Einheiten). Die Japaner legten zudem in Indien über das Joint Venture Maruti Suzuki um 27 Prozent auf 966.000 Autos oder auch in Deutschland mit über 59.000 Autos um fast 61 Prozent weiter zu. In Europa blieb der Auto- und Motorradbauer 2009 mit plus 0,6 Prozent bei gut 250.000 abgesetzte Autos stabil.
Hyundai musste zumindest als Marke nur im krisengeschüttelten russischen Automarkt eine verringerte Nachfrage hinnehmen.
Honda verliert, BMW vor Chrysler, Premium lief schlecht
Die PSA-Gruppe rückt im Welt-Ranking näher an Honda heran, obwohl die Franzosen selbst nicht zulegen konnten. Japans Nummer zwei litt 2009 – wie Toyota auch – überproportional an den Absatzrückgängen im US- und Heimatmarkt. Chryslers brutale Verluste im 2009 krisengeschüttelten US-Heimatmarkt bei gleichzeitig sehr schwacher Präsenz in den Märkten außerhalb Nordamerikas führten dazu, dass der ehemalige Daimler-Partner beim Absatz sogar von der BMW Group überholt werden konnte. Dabei haben die Münchener selbst in den USA über 20 Prozent an Absatz verloren und – genau wie Daimler/Mercedes – kaum von Abwrackprämien zuhause in Deutschland oder anderen Märkten Europas profitieren können. Beide Premium-Anbieter haben 2009 in Europa jeweils über 13 Prozent bei ihren Verkäufen gegenüber 2008 verloren. Daimler hat zusätzlich aufgrund der massiven Rückgänge im Lkw-Geschäft noch stärker an Absatz eingebüßt als die Wettbewerber aus München.
Gemischte Aussichten bei wachsendem Weltmarkt
Zumindest das internationale Pkw-Geschäft hat sich 2009 deutlich besser entwickelt als erwartet. Für die Neuzulassungen von Personenkraftwagen wurde noch zu Beginn des abgelaufenen Jahres ein weltweiter Einbruch von 15 bis 20 Prozent prognostiziert. Auf vielen Auslandsmärkten sorgten jedoch staatliche Anreize, meist in Form von Steuervergünstigungen und Abwrackprämien, für eine Belebung des Neuwagengeschäfts, so dass der Pkw-Absatz im Gesamtjahr lediglich um drei Prozent rückläufig war. Insbesondere der chinesische Markt, der 2009 einen regelrechten Absatzboom verzeichnete, verhinderte einen stärkeren Rückgang der weltweiten Pkw-Verkäufe.
Für 2010 zeichnet sich eine Belebung auf dem Welt-Pkw-Markt ab, zu der weiterhin die asiatischen Wachstumsmärkte, aber auch die USA beitragen werden. Es stellt sich aber auch die Frage, inwieweit das aktuelle Rückrufdebakel Toyotas (Gaspedalprobleme bei mehreren Modellen, Bremsprobleme des Prius) sowie das erwartete Wiederanziehen des gesamten US-Absatzmarktes auf möglicherweise 11,5 Millionen ‚light vehicles’ sich etwa auf den Spitzenreiter und seine Verfolger auswirken werden.
In Europa könnten die Märkte 2010 allerdings zusammen fast zwei Millionen Einheiten an Absatz verlieren. Dort wird insbesondere das Kleinwagen-Segment seine Zuwächse aus 2009 wieder abgeben. Dem Flotten – und Premiumgeschäft werden hingegen wieder Zuwächse vorausgesagt. In Westeuropa dürfte das Neuzulassungsvolumen aufgrund des Auslaufens der Incentives in einigen Ländern niedriger ausfallen. Für China, dem weltgrößten Absatzmarkt 2009, erwarten Branchenkenner ein weiteres Wachstum von mindestens fünf bis hin zu sehr optimistischen 20 Prozent, für Indien wird mit einem Plus von rund zehn Prozent gerechnet. Ob sich die Nachfrage in Osteuropa, Russland und Japan 2010 schon stabilisiert beziehungsweise gar erholt, bleibt aktuell mehr als fraglich.
Zum Verständnis der Tabelle:
- Mit den Minderheitsbeteiligungen von je rund 20 Prozent bei VW und Suzuki sowie Fiat und Chrysler werden weiterhin alle diese OEMs als separate Player gelistet.
- Es sind keine chinesischen Autobauer im Ranking, weil sog. ‚sales parents’ gezählt werden, um Dopplungen zu vermeiden. Das liegt daran, dass in China die Unternehmen in der Regel in Joint Ventures mit großen ausländischen OEMs produzieren. Chinas Nummer eins SAIC etwa fertigt mit Partnern wie VW, GM usw. und Chinas ältester und zweitgrößter Autobauer FAW beispielsweise mit VW und Toyota. SAIC baute 2009 rund 2,7 Millionen und FAW 1,9 Millionen Autos, aber eben unter dem Joint-Venture-Logo und auf Entwicklungs- und Produktionsbasis ihrer Hersteller-Partner. Um eine doppelte Zählung der abgesetzten/produzierten Fahrzeuge zu vermeiden, sind die Autos in China also dem Sales Parent, in der Regel dem ausländischen OEM zugerechnet. Chinesische Eigenmarken wie BYD und Chery, Brilliance oder Geely waren 2009 nach Absatz mit einer halben Million Einheiten respektive weniger noch zu klein. SAIC hatte im November 2009 das Ziel ausgegeben, den Absatz der eigenen Marken auf 180.000 Fahrzeuge in 2010 verdoppeln zu wollen. Als einer der wenigen chinesischen Hersteller konnte der Konzern auf dem Heimatmarkt auch im lukrativen Bereich für Mittel- und Oberklassewagen Fuß fassen, der bisher von GM, Toyota und anderen ausländischen Unternehmen dominiert wird. 2010 wollen die Chinesen ihre zugekaufte Marke Roewe, die auf der ehemaligen britischen und zwischenzeitlich BMW-Marke MG Rover basiert, dazu auch in Europa anbieten und am alten MG-Standort Longbridge fertigen.
Zur neueren Meldung: http://www.automobil-produktion.de/2010/04/neues-update-autobauer-absatzriesen-2009/
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