Daimler: automatisierte Dokumentation im Entwicklungsprozess

18.02.2010, 6:55 Uhr

Die Radio Frequency IDentification-Technik, kurz RFID, macht bei Daimler eine transparente und automatisierte Dokumentation möglich. Dank des so genannten “gläsernen Prototypen” ist diese Dokumentation künftig immer automatisch auf dem aktuellen Stand. So lassen sich die Erprobungsmaßnahmen und deren Qualitätsstand deutlich besser planen, durchführen und transparenter auswerten.

Die systematische und intensive Fahrzeugerprobung ist eine der umfangreichsten Maßnahmen, die Mercedes-Benz im Entwicklungsprozess ergreift, um eine höchstmögliche Fahrzeugqualität zu gewährleisten. So hat als aktuellstes Beispiel für diesen Qualitätssicherungsprozess die neue E-Klasse mit über 36 Millionen Testkilometern das umfangreichste Erprobungsprogramm hinter sich, das ein Mercedes-Benz-Pkw jemals absolviert hat.

Den aktuellen Bauzustand der dabei eingesetzten Erprobungsfahrzeuge zu dokumentieren war bisher aufgrund laufender Konstruktionsoptimierungen, verschiedener Versionsstände der verbauten Teile und Komponenten sowie fortlaufender Verbesserungsmaßnahmen sehr aufwändig.

glŠserner Prototyp

Dieser GLK ist mit on-board RFID-Technik ausgerüstet und kann jederzeit und an jedem Ort 130 in ihm verbaute Teile selbst über installierte Antennen und Reader identifizieren und das Ergebnis über WLAN mit dem Dokumentationssystem abgleichen. Die manuelle Erfassung durch Handheldgeräte sowie die externe Erfassung durch ein RFID-Gate sind dabei auch möglich.

Weltweit erstmalig haben die Forscher bei ihren Tests ein Fahrzeug mit on-board RFID-Technik ausgerüstet. Dieser Mercedes-Benz GLK kann jederzeit und an jedem Ort 130 in ihm verbaute Teile selbst über installierte Antennen und Reader identifizieren und das Ergebnis mit dem Dokumentations-system abgleichen.

Zielsetzung des neuen Verfahrens ist es, die verbauten Teilestände exakt und vollständig automatisiert zu dokumentieren. Das steigert die Erprobungseffizienz, erkennt und vermeidet damit manuelle Fehler wie beispielsweise einen unbemerkten unkorrekten Einbau von Teilen und erhöht die Qualität des gesamten Erprobungsprozesses. “Der “gläserne Prototyp” kann den Erstaufbau der Erprobungsfahrzeuge sowie deren Umbauten jederzeit, sofort und an jedem Ort dokumentieren, mit den zentralen Dokumentationssystemen abgleichen und wenn notwendig korrigieren”, erklärt Projektleiter und Mitarbeiter der Daimler-Forschung Michael Patocka.

Die Daimler-Forscher haben nachgewiesen, dass der “gläserne Prototyp” technisch umsetzbar ist und sich in die bisherigen Prozesse und Systeme integrieren lässt. Die ersten Ergebnisse waren dabei so vielversprechend, dass mit dem schrittweisen Einsatz im Prototypenbau der künftigen Mercedes-Benz ML-Klasse begonnen wurde. Weitere Baureihen werden in den kommenden Jahren folgen.

Die Daimler AG setzt die RFID-Technologie jedoch nicht nur im Prototypenbau ein, sondern auch bei ihren Serienprozessen. Im Konsortialprojekt “Smart Flow” generiert Daimler zusammen mit weiteren Automobilherstellern, Lieferanten, Logistik- und IT-Unternehmen sowie wissenschaftlichen Einrichtungen industrieweite Standards für den Einsatz von RFID in der Automobilindustrie. Dr. Peyman Merat, Leiter der Forschungsabteilung Digitale Produktion: “Mit den Projekten “gläserner Prototyp” und “Smart Flow” können wir erhebliche Potentiale in Entwicklung, Logistik und Produktion erschließen. Es geht uns um weltweite Transparenz zur optimalen Steuerung des Materialflusses.” Dazu standardisieren die Unternehmen die Transponder- und Erfassungstechnik, die Kennzeichnung der Teile, die Auftragssteuerung sowie die Integration in die IT.

 

 

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