Wirtschaftskrise belastet Bosch schwer

01.02.2010

Laut den vorgestellten vorläufigen Zahlen der Stuttgarter ist der Umsatz 2009 um rund 16 Prozent auf 38 Milliarden Euro gefallen, der Konzern-Verlust vor Steuern wird sich im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr auf drei bis vier Prozent, also auf bis zu 1,5 Milliarden Euro belaufen. Der Umsatz des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik fiel mit 21,7 Milliarden Euro um 18 Prozent unter dem Wert des Vorjahres.

Sieht Hoffnungszeichen für 2010: Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. - Bild: Bosch

Sieht Hoffnungszeichen für 2010: Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. - Bild: Bosch

Die globale Wirtschaftskrise hat die Entwicklung der Bosch-Gruppe schwer belastet. Ohne Restrukturierungen und Sonderabschreibungen sei das operative Ergebnis seit Herbst 2009 zwar ausgeglichen gewesen, so Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Genaue Werte liegen aufgrund der laufenden Jahresabschlussarbeiten aber noch nicht vor. Mit den aktuell präsentierten Zahlen  erfüllte Bosch die selbstgesteckten Ziele weitgehend. Das Unternehmen hatte zuletzt ein Umsatzminus von 15 Prozent und einen Verlust von bis zu 3 Prozent der Einnahmen prognostiziert.

Auch 2010 werde ein schwieriges Jahr, es sei jedoch eine Erholung spürbar. Fehrenbach sieht durchaus Chancen, dass in diesem Jahr mehr als die Hälfte des Umsatzverlustes aus 2009 kompensiert werden kann. Für Prognosen zur Ertragsentwicklung sei es allerdings noch zu früh. „Wir kämpfen 2010 um eine schwarze Null“, betonte Fehrenbach. Einen konkreteren Ausblick kündigte der Bosch-Chef für die Bilanz-Pressekonferenz am 21. April an.

Der Nachfrageeinbruch, der 2009 die meisten wichtigen Fahrzeugmärkte belastete, spiegelt sich in der Entwicklung des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik wider. Der Umsatz lag mit 21,7 Milliarden Euro um 18 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Allerdings ist seit Jahresmitte 2009 eine Erholung feststellbar. Dieser Trend wird sich voraussichtlich 2010 fortsetzen.

Indischer Bosch-Standort Bangalore: Hochdruckpumpen-Fertigung für Common-Rail-Dieseleinspritzsysteme. - Bild: Bosch

Indischer Bosch-Standort Bangalore: Hochdruckpumpen-Fertigung für Common-Rail-Dieseleinspritzsysteme. - Bild: Bosch

Neben dem Wachstum in den asiatischen Schwellenländern China und Indien wird vor allem die Fahrzeugproduktion in Nordamerika wieder deutlich an Dynamik gewinnen. Auch für Europa wird eine Erholung erwartet. In Deutschland dürfte die Produktion für Autos und Nutzfahrzeuge trotz der auslaufenden Abwrackprämie leicht zulegen.

Den weltweiten Trend will Bosch nutzen und den Umsatz in der Kraftfahrzeugtechnik 2010 um mindestens zehn Prozent steigern. Der Unternehmensbereich muss allerdings insgesamt gut 30 Prozent wachsen, um wieder auf das Niveau von 2007 zurückzukehren. Dieses Ziel soll bis 2012 erreicht sein.

Den Unternehmensbereich Industrietechnik belastet vor allem die anhaltend schwierige Lage im Maschinenbau. Der Umsatz ging um 24 Prozent auf rund 5,1 Milliarden Euro zurück. Insgesamt wird für 2010 in der Industrietechnik mit einer langsamen Erholung des Geschäfts gerechnet.

Wachstumschancen sieht Bosch auch für den Unternehmensbereich Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik, der nicht ganz so heftig von der Wirtschaftskrise erfasst worden ist. Im Geschäftsjahr 2009 lag der Umsatz bei 11,3 Milliarden Euro und damit fünf Prozent unter Vorjahr.

Spagat zwischen Sparen und Zukunftssicherung

Die Bosch-Gruppe reagierte auf den Umsatzeinbruch mit konsequenten Sparmaßnahmen auf allen Ebenen, um den Verlust zu begrenzen und die finanzielle Stabilität vor dem Hintergrund des unsicheren Finanzmarktes zu sichern. Dadurch konnte zum Jahresende ein positiver Free Cash Flow erzielt werden: Die Investitionen von 1,9 Milliarden Euro konnten aus dem laufenden Geschäft erwirtschaftet werden. Auch die Nettofinanzposition blieb im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert.

Common-Rail-Injektor-Fertigung am Standort Wuxi, China. - Bild: Bosch

Common-Rail-Injektor-Fertigung am Standort Wuxi, China. - Bild: Bosch

Trotz aller Sparmaßnahmen hielt Bosch an wichtigen Zukunftsprojekten fest. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung blieben mit 3,8 Milliarden Euro fast auf dem Niveau des Vorjahres. Wichtige Vorleistungen unter anderem zur Verbesserung der Energieeffizienz der Verbrennungsmotoren oder der Entwicklung elektrischer Antriebe wurden dabei erhöht. Auch der Ausbau der Photovoltaik-Aktivitäten und der Präsenz auf wichtigen Wachstumsmärkten wie China und Indien wurde fortgesetzt.

In Asien-Pazifik ging im Gesamtjahr der Umsatz in lokalen Währungen um rund sieben Prozent zurück, lag aber im vierten Quartal bereits um 18 Prozent über Vorjahr. Aber auch in den anderen Regionen der Welt hat sich die Lage seit dem vergangenen Sommer entspannt. Allerdings hat das erste Halbjahr die Gesamtentwicklung derart belastet, dass Bosch in Europa (minus 19 Prozent) sowie Nordamerika und Lateinamerika (jeweils minus 14 Prozent) mit deutlichen Umsatzrückgängen das Gesamtjahr abgeschlossen hat.

Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung

Den ganz überwiegenden Teil der Unterauslastung durch den Umsatzeinbruch fing Bosch über Arbeitszeitverkürzungen ab. Derzeit sind weltweit 80 000 Mitarbeiter von Arbeitszeitverkürzungen betroffen, davon rund 55 000 in Deutschland.

Ein wichtiges Prinzip sei es für Bosch, die Kernmannschaft so weit wie möglich zusammenzuhalten, ohne allerdings notwendigen strukturellen Anpassungen auszuweichen, erklärte Fehrenbach. So trennte sich Bosch im vergangenen Jahr von wesentlichen Aktivitäten im Autoradiogeschäft sowie von den nordamerikanischen Bremsenaktivitäten. Die Zahl der Mitarbeiter ging 2009 um rund 11 000 oder vier Prozent auf 271 000 zurück.

Prognose 2010

Für die Entwicklung der Weltwirtschaft ist die Bosch-Gruppe „verhalten optimistisch“. Ohne dass die laufende Expansion noch deutlich zulegen muss, erwartet Fehrenbach für 2010 ein Wachstum der Weltwirtschaft von gut drei Prozent. Damit werde auf globaler Ebene der Rückgang von 2009 von rund zwei Prozent mehr als ausgeglichen. Für Deutschland geht Bosch von einem Wachstum von gut zwei Prozent aus, gegenüber einem Rückgang von fünf Prozent im Vorjahr. Der größte Schwung werde von den Schwellenländern mit rund sechs Prozent ausgehen, doch auch in Nordamerika rechnet Bosch mit einer Erholung der Wirtschaft und einem Wachstum um rund 2,5 Prozent.

Stichworte zu dieser Meldung: - -
 

Anzeige

 

Weitere aktuelle Meldungen

Illustration

ContiTech eröffnet Standort in China

Mit einer feierlichen Eröffnungszeremonie hat die ContiTech AG, Hannover, in Changshu (Provinz Jiangsu), 100 Kilometer nordwestlich von Shanghai, ihren neuen modernen Entwicklungs-, Produktions-,Vertriebs- und Verwaltungsstandort in Betrieb genommen (Foto).
Gemeinsam mit Wang Xiang, Sekretär der Chinesischen Kommunistischen Partei (CPC) in Changshu, schnitt Heinz-Gerhard Wente, CEO der ContiTech AG, das Eröffnungsband durch. Damit ist ein wesentlicher [...]

Illustration

Audi treibt die Batterieentwicklung voran

Audi investiert jedes Jahr rund zwei Milliarden Euro in Entwicklungsprojekte und arbeitet mit Hochdruck an der Zukunft der Mobilität. In einem eigens gegründeten Projekthaus entwickelt das Unternehmen ein integriertes Konzept für elektrische Antriebe im Auto. Um in der Entwicklung voran zu kommen, bündelte der Ingolstädter Autobauer seine Aktivitäten rief das Projekthaus ins Leben.
Das Projekthaus e-performance [...]

Illustration

Audi vor BMW und Mercedes

Nach den ersten zwei Monaten 2010 beim weltweiten Absatz liegen die Ingolstädter im Kernmarkenvergleich vor ihren Wettbewerbern aus München und Stuttgart.
Bei den Kernmarken Audi, BMW und Mercedes hat die Marke mit den vier Ringen in den ersten beiden Monaten 2010 mit insgesamt 153.700 ausgelieferten Einheiten einen Vorsprung vor BMW mit 148.112 Autos und den Trägern [...]

Illustration

Vincent Rambaud neuer Generaldirektor Marke Peugeot

Vincent Rambaud (51) wird ab 2. April neuer Generaldirektor von Peugeot. Rambaud, der zuvor Direktor des PSA-Konzerns für Lateinamerika war, ist Jean-Marc Gales, dem Vorstand der PSA-Marken Peugeot und Citroën, direkt unterstellt. 
Vincent Rambaud ist Absolvent der Ecole Polytechnique und ENSTA. Er ist beim PSA-Konzern seit 2002, wo er eine Führungsposition bei Panhard & Levassor und [...]

Illustration

Regenerative Energie bei Kemper

Kemper, Spezialist für Absaug- und Filteranlagen sowie Schneidtische für die Metallbearbeitung und Absaugsysteme für die Elektro- und Kfz-Industrie, versorgt das Werk im tschechischen Porící nad Sázavou nahe Prag mit selbsterzeugtem Strom und speist nicht verbrauchten in das öffentliche Netz ein. (Das Foto zeigt die Dachanlage auf der Fertigungshalle).
Der Anlagenbauer aus dem westfälischen Vreden hatte bereits [...]

Illustration

Opel auf dem Weg zum umweltfreundlichsten Volumenanbieter

Mit deutlich mehr Varianten sowie einem Fahrzeug unterhalb des aktuellen Corsa (Foto) will der Autobauer Opel auf Erfolgskurs gehen und zu einem der umweltfreundlichsten Volumenhersteller in Europa werden.
Opel werde sein Angebot an kleineren Fahrzeugen noch deutlich ausbauen, äußerte  Entwicklungschefin Rita Forst diesbezüglich am Sonntag gegenüber dem Handelsblatt. Neben einem neuen Kleinstwagen unterhalb des Corsa plane [...]

Illustration

Mercedes-Benz E-Klasse Cabriolet startet demnächst durch

Mit dem neuen Cabrio ergänzt Mercedes-Benz die E-Klasse-Familie um einen offenen Zweitürer. Zu den Neuheiten zählen unter anderem ein automatisches Windschott Aircap, eine weiterentwickelte Nackenheizung Airscarf sowie ein serienmäßiges Akustik-Verdeck. Die Auslieferung des neuen Modells startet am 27. März.
Binnen 20 Sekunden lässt sich das Verdeck vollautomatisch öffnen und schließen auch während der Fahrt bis [...]

AUTOMOBIL-PRODUKTION Newsletter

Mit dem Newsletter erhalten Sie wöchentlich aktuelle News, Berichte, Events und Interviews aus der Automobilbranche. Kostenlos!
 

Anzeige

AUTOMOBIL-PRODUKTION Titelthema

Derzeit gnadenlose IndustrieDerzeit gnadenlose Industrie
Das Geschäftsjahr 2009 würde nicht einfach werden, das stand schon im Januar fest: Umsatzverluste, unangepasste Kostenstrukturen und/ oder Schulden würden zu Firmenpleiten unter den Zulieferern führen. mehr...

 

21.  Autombilforum Stuttgart 18.-19. Mai 2010

21. Autombilforum Stuttgart 18.-19. Mai 2010
Das Automobil Forum, traditioneller Frühjahrstreff der Automotive-Experten, geht in die nächste Runde! Diskutieren Sie die Megatrends der Branche mit Topmanagern und Experten beim Automobil Forum mehr...

 

14. Internationales<br />Automobil - Forum GRAZ

14. Internationales
Automobil - Forum GRAZ

27. und 28. Oktober 2010 Grazer Congress mehr...

 

AUTOMOBIL-PRODUKTION Aktuelle Print Ausgabe

Ausgabe 4-2010Ausgabe 4-2010
Ménage à trois: Dreikampf im Premiumsegment - mit welchen Bandagen, Tricks und Kniffen die Wettbewerber Audi, BMW und Mercedes um die Vorherrschaft kämpfen mehr...

 

Anzeige

 

Anzeige