Getrag: weitere Kostensenkungen und Kapazitätsanpassungen

11.03.2010, 12:25 Uhr

Die Getrag KG, Teil der Getrag Group Transmissions, sieht sich aufgrund des anhaltend schwachen Marktumfeldes in Europa gezwungen, zusätzliche Maß­nahmen zur Kostensenkung und Kapazitäts­anpassung zu ergreifen.

Die sich nur langsam erholenden Absatzvolumina bei Getrieben und Achsen und die stagnierende Nachfrage bei anderen Produktgruppen wirken sich negativ auf die Bilanz des Untergruppenbacher Unternehmens aus. Mihir Kotecha, Vorsitzender der Geschäftsführung der Getrag Group, erklärte im Rahmen von Mitarbeiterversammlungen am Dienstag: „Die Produktionszahlen sowie die Entwicklungserlöse in Europa werden das Niveau von 2007 auf lange Sicht nicht mehr erreichen. Dadurch bestehen Überkapazitäten in unseren Standorten, die zu enormen Kostenbelastungen führen. Diese Kosten sind im Rennen um eine gute Marktposition hinderlich bis gefährlich und müssen im Interesse des gesamten Unternehmens reduziert werden.“ Kotecha betonte jedoch, dass sich die Aus­wirkungen des schwachen Marktumfeldes nur auf Europa beziehen: „Unsere Tochter- und Gemein­schaftsunternehmen in Asien und auf dem amerikanischen Kontinent tragen durch hohe Abrufzahlen positiv zum Unternehmensergebnis bei.“

Die Geschäftsführung von Getrag hat ein Lösungskonzept erarbeitet, das in den nächsten Wochen mit dem Betriebsrat und der IG Metall diskutiert und abgestimmt werden soll. „Wir legen sehr großen Wert darauf, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen, die der Situation, aber auch unserer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern Rechnung trägt“, sagte Martin Günter, Personalleiter der Getrag Group.

Die geplanten Maßnahmen betreffen vor allem die Getrag Standorte in Ludwigsburg, Neuenstein, Untergruppenbach und Bad Windsheim. So kann der Standort Ludwigsburg nach einem Rückgang bei den für 2010 ursprünglich geplanten Abrufzahlen um fast die Hälfte auf Dauer nicht mehr gehalten werden. Die Planung sieht vor, die Produktion in Ludwigsburg mit derzeit 90 Mitarbeitern spätestens zum 31.12.2011 aufzugeben.

In Neuenstein ist Getrag ebenfalls mit weiter gesunkenen Abrufzahlen konfrontiert und kann zudem in einigen Produktsparten nicht mehr kostendeckend arbeiten. Daher soll das Werk laut Planung umstrukturiert, das Produktportfolio umgestaltet und Kosten durch den Abbau von Überkapazitäten gesenkt werden. In Bad Windsheim, Zulieferwerk von Neuenstein und Rosenberg, ergeben sich durch die Situation in Neuenstein ebenfalls Anpassungsnotwendigkeiten. Dem Standort Untergruppenbach, unter anderem Sitz der Entwicklungs­zentrale der Gruppe, machen deutliche Rückgänge bei den Entwicklungsaufträgen zu schaffen. Insgesamt könnten innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre in Deutschland bis zu 698 Stellen wegfallen.

Die Mitarbeiter wurden heute in Betriebsversammlungen über den Stand der Dinge und die geplanten Lösungsansätze informiert. Die Tarifparteien werden dazu jetzt in Verhandlungen treten. Mit einem Ergebnis wird im April gerechnet.

„Wir haben ein sehr gutes Produktportfolio und unsere weltweiten Aktivitäten entwickeln sich positiv. Wenn wir jetzt die richtigen Schritte in Deutschland tun, auch wenn diese uns allen schwer fallen, steht einer positiven Entwicklung von Getrag nichts im Wege“, betonte Mihir Kotecha abschließend. Für das Jahr 2010 plant die Getrag Corporate Group weltweit mit einer schwarzen Null als Ergebnis.

 
 

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