Freudenberg: Umsatz 2009 um fast 17 Prozent rückläufig

14.04.2010, 12:07 Uhr

Krisenbedingt sind Umsatz und Ergebnis des Spezialisten für Dichtungs- und Schwingungstechnik, Vliesstoffe, Filter, Schmier- und Trennmittel im Jahr 2009 zurückgegangen, der Umsatz etwa sank um 16,8 Prozent oder 849,3 Millionen auf 4,201 Milliarden Euro. Erstmals seit 1952 haben die Weinheimer 2009 kein Geld verdient: Das EBIT-Ergebnis belief sich auf minus 161,6 Millionen Euro, gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 446,5 Millionen Euro aufgrund wegbrechender Umsätze und umgesetzter Restrukturierungsmaßnahmen. Dr. Peter Bettermann, Sprecher der Unternehmensleitung, rechnet für 2010 mit einer schrittweisen Erholung der wesentlichen Abnehmerbranchen, die allerdings mit erheblichen Schwankungen und Unsicherheiten verbunden sei.

Quelle: Freudenberg; Geschäftsjahr 2009

Das Weinheimer Familienunternehmen, das 2009 noch rund ein Drittel seiner Umsätze in der automobilen Erstausrüstung erzielte, musste insbesondere in der ersten Hälfte 2009 gravierende Umsatzrückgänge verkraften. Freudenberg war im Geschäftsjahr 2009 durch die Folgen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise vor extreme Herausforderungen gestellt. Um bis zu 40 Prozent brach der Umsatz mit den wichtigsten Abnehmerbranchen Automobilindustrie und Maschinenbau im Jahresdurchschnitt ein. Die Auswirkungen trafen alle Geschäftsfelder.

Dennoch konnten Liquidität gesichert und die Nettoverschuldung deutlich abgebaut werden, so dass “damit die finanzielle Situation der Unternehmens weiter gestärkt” wurde, wie Dr. Peter Bettermann, der Sprecher der Unternehmensleitung Freudenberg, auf der gestrigen Bilanzpressekonfernez in Weinheim erklärte.

Quelle: Freudenberg

Im dritten und vierten Quartal stabilisierte sich die Geschäftstätigkeit auf niedrigem Niveau. Der Umsatz ging gegenüber 2008 um 849,3 Millionen Euro oder 16,8 Prozent auf 4.200,8 Millionen Euro (2008: 5.050,1 Millionen Euro) zurück. Das Konzernergebnis lag mit minus 249,6 Millionen Euro um 425,9 Millionen Euro unter dem Vorjahr.

Durch konsequentes Cash Management konnte der Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit um 63,1 Millionen Euro oder 16,1 Prozent auf 456,1 Millionen Euro erhöht werden. Diese Steigerung resultiert laut Unternehmensangaben im Wesentlichen aus dem deutlich verbesserten Netto-Umlaufvermögen, insbesondere dem Rückgang der Vorräte im Berichtsjahr 2009. Der Free Cash Flow stieg um 252 Millionen Euro auf 260,9 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung ist im Vergleich zum Vorjahr um 252,6 Millionen Euro auf 431,2 Millionen Euro gesunken. Die Eigenkapitalquote beträgt aktuell 44,5 Prozent.

Erwartet für 2010 eine schrittweise Erholung der wesentlichen Abnehmerbranchen, die allerdings mit erheblichen Schwankungen und Unsicherheiten verbunden sei: Dr. Peter Bettermann, Sprecher der Unternehmensleitung Freudenberg. - Bild: Freudenberg

“Freudenberg rechnet für 2010 mit einer schrittweisen Erholung der wesentlichen Abnehmerbranchen, die allerdings mit erheblichen Schwankungen und Unsicherheiten verbunden ist”, so Dr. Peter Bettermann. Vor dem Hintergrund der Beschleunigung des Wachstumstempos in China, Indien und in Teilen Südamerikas, stellt sich das Unternehmen darauf ein, die sich ergebenden Chancen konsequent zu nutzen und seine gute Position in diesen Märkten weiter auszubauen. Auch das Wachstum in strategische Zielmärkte wie Öl und Gas, Medizintechnik, Luftfahrt und Schwerhydraulik soll weiter forciert werden. Der seit Jahren betriebene Geschäftsaufbau in den Regionen China, Indien und Brasilien trägt stabilisierend zum Umsatz bei. 2009 investierte die Unternehmensgruppe nahezu 30 Millionen Euro im Wachstumsmarkt Indien. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich diese Regionen deutlich besser entwickeln werden als die Märkte in Europa und USA.

Zu den Restrukturierungsmaßnahmen in 2009 gehörten auch die Schließungen lokaler Niederlassungen sowie regionaler Lager. Aus dem Zentrallager bei Weinheim seien die Anfragen akuell sogar schneller zu bedienen, konstatierte etwa Jörg Sost, Mitglied der Unternehmensleitung, der auch den Bereich Dichtungs- und Schwingungstechnik verantwortet.  Darüber hinaus waren vier Werkschließungen in Europa (Ripaberarda/Italien, Ceperka/Tschechien, Macon/Frankreich und Lodz/Polen) und vier in den Vereinigten Staaten (Laconia und Franklin/NH, Scottsburg und Ligionier/IN) ebenso unvermeidbar wie der Verkauf von Unternehmensanteilen. Dies betraf vor allem den Automotive-Sektor  sowie den Bereich Maschinen- und Anlagenbau im Konzern.

Daneben wurde aber auch Personalabbau betrieben: Je nach Gesetzeslage im jeweiligen Land wurden laut Unternehmensangaben 2009 alle Möglichkeiten rascher und flexibler Anpassung der Kapazitäten an deutlich veränderte Nachfrageprofile genutzt. Neben dem Abbau von Urlaubs- und Zeitguthaben, Betriebsruhen und Betriebsferien in vielen Werken, wurden Zeit- und Leasingverträge mit über 4.000 Mitarbeitern nicht verlängert, Kurzarbeit wurde, wo immer möglich, umfassend genutzt. Aktuell sind weltweit noch rund 700 Mitarbeiter in Kurzarbeit, davon 315 in Deutschland. Im April 2009 waren es noch über 9.000 Beschäftigte gewesen.

Für das laufende Geschäftsjahr geht Freudenberg davon aus, dass bis Mitte des Jahres die meisten Kapazitätsanpassungen vollzogen sind. Die Aufwendungen dafür wurden 2009 ergebniswirksam zurückgestellt. Für 2010 seien aktuell zunächst keine weiteren Werkschließungen geplant, so Dr. Bettermann. neben den Ausgaben für Forschung und Entwicklung und möglichen Zukäufen sehe er aktuell keinen Anlass für größere Investitionen oder Großakquisitionen

Zum Jahresende beschäftige Freudenberg 32.142 Mitarbeiter, 596 weniger als am Stichtag 2008. Dieser nur moderate Rückgang der Mitarbeiterzahl resultiert aus einem Zugang von knapp 2.000 Mitarbeitern in Asien durch das regionale Wachstum und die Konsolidierung weiterer Gesellschaften der EagleBurgmann Gruppe, die den eigentlichen Personalabbau auf den ersten Blick nicht so dramatisch erscheinen läßt.

Die Unternehmensgruppe Freudenberg hatte 2009 insgesamt 170,9 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert. In diesem Bereich sind rund 1.900 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig. Regionaler Schwerpunkt mit 1.335 Mitarbeitern ist nach wie vor Deutschland. “Trotz Krise und striktem Kostenmanagement haben wir 2009 unsere Entwicklungs- und Innovationsanstrengungen konsequent fortgesetzt. Besonders in der Material- und in der Energieeffizienz sind wir erheblich vorangekommen und haben gute Erfolge und Einsparungen erzielt”, sagte Dr. Martin Stark, Mitglied der Unternehmensleitung. “Darüberhinaus zählen zu den gruppenweiten Forschungsschwerpunkten Mobilitätskonzepte der Zukunft, wie Elektro- und Hybridantriebe und Brennstoffzellenantriebe, aber auch erneuerbare Energien und die Medizintechnik.” Freudenberg sei mit seinen Batterieseparatoren, Dichtungs- und Schwingungslösungen, flexiblen Leiterplatten und Filterlösungen ein gefragter Entwicklungspartner. Diese Themen werden auch 2010 Schwerpunktthemen im Bereich FuE sein.

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