Pyrrhus-Sieg für Porsche

06.04.2010, 8:04 Uhr

Die österlichen Nachrichten aus den USA dürften bei Porsche mit einem lachenden und einem weinenden Auge aufgenommen worden sein. Der „Financial Times Deutschland“ zufolge, wird der Sportwagenbauer zwar nicht als Nischenhersteller eingestuft, hat aber ein Jahr länger Zeit, den Flotten-Verbrauchs-Grenzwert von rund sieben Litern pro 100 Kilometer zu erreichen.

Porsche hat in den USA eine Schonfrist zur Erreichung der Verbrauchswerte eingeräumt bekommen. (Bild: Porsche)

Wie die „Financial Times Deutschland“ berichtet, muss der Sportwagen-Hersteller die strengen Zielwerte erst ein Jahr später als große Rivalen erreichen, erhält aber keinen dauerhaften Sonderstatus.

Die Vorgaben, die am 1. April offiziell vorgelegt wurden, liegen im Durchschnitt der gesamten Industrie bei umgerechnet knapp sieben Litern auf 100 Kilometer. Sie gelten für den Zeitraum 2012 bis 2016 und entsprechen einer Reduktion um rund ein Drittel gegenüber dem jetzigen Durchschnittsverbrauch. Porsche hatte bis zuletzt gegen das Gesetz gekämpft und davor gewarnt, das US-Geschäft unter den neuen Vorgaben nicht mehr fortsetzen zu können.

Die Grenzwerte werden für jeden Hersteller nach dem Radstand seiner Fahrzeuge berechnet. Da Porsche vor allem kleine Sportwagen mit großen Motoren baut, sieht sich der Konzern nicht in der Lage, die gleichen Verbrauchswerte zu erreichen wie Kleinwagen am Massenmarkt. Porsche müsste den Durchschnittsverbrauch bis 2016 sogar auf unter sechs Liter drücken, hatte Cheflobbyist Stephan Schläfli während der Verhandlungen im Februar vorgerechnet. “Um diesen Wert zu erreichen, müssten wir den Verbrauch Jahr für Jahr um rund zehn Prozent senken. Das ist technisch unmöglich.”

In der Periode 2012 bis 2016 darf Porsche nun 25 Prozent mehr verbrauchen als die Massenhersteller. Dies gilt ebenso für die direkten Rivalen Aston Martin und Lamborghini. Zudem bekommen die Sportwagenbauer nun bis 2017 Zeit, um die Zielwerte zu erreichen, die für die Großen bereits ab 2016 gelten. “Danach”, heißt es im Gesetz, “läuft die Ausnahmeregelung aus. Alle Hersteller müssen dann unabhängig von ihrer Größe dieselben CO2- Standards erfüllen.” Die bisherige Option, sich durch niedrige Strafzahlungen freizukaufen, soll wegfallen.   Porsche Cayenne Hybrid Ob das eine Jahr Aufschub für Porsche ausreicht, um die Grenzwerte für 2017 zu erreichen, gilt in der Branche als zweifelhaft. Um den hohen Verbrauch der Sportwagen auszugleichen, muss Porsche die Modellpalette umstellen – und deutlich mehr Diesel-Hybridfahrzeuge verkaufen. Als erstes Modell präsentierte der Konzern am Wochenende auf der New Yorker Automesse den Geländewagen Cayenne S Hybrid mit 333 PS. “Wir werden alles tun, um die Vorgaben zu erreichen”, sagte ein Porsche-Sprecher am Montag in New York. “Weitere Hybridmodelle werden folgen.” Branchenweit müssen die Autobauer in den kommenden Jahren Milliarden in sparsamere Motoren investieren, um die neuen Verbrauchsvorschriften einhalten zu können. “Die Industrie kann mit den Grenzwerten leben”, sagte eine Sprecherin des US-Branchenverbands Auto Alliance, dem auch die deutschen Konzerne angehören. “Das gilt auch für Nischenhersteller wie Porsche.”

Die Zusatzbelastung der Hersteller beziffert der Verband auf insgesamt 51,5 Mrd. $ bis 2016. Der Neupreis dürfte damit um mehr als 1000 $ pro Auto steigen. Nach Berechnungen der Regierung führt der geringere Verbrauch aber über die gesamte Lebenszeit der Neuwagen zu Einsparungen von 3000 $ an der Tankstelle. Wie attraktiv der Kauf eines sparsameren Autos tatsächlich sein wird, hängt dann vom Spritpreis ab.

Im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens hatte die Auto Alliance eine entscheidende Rolle gespielt. Kritiker sehen vor allem die US-Hersteller und die Asiaten als Profiteure der Regelung. Große Pickups, die vor allem von GM, Ford , Chrysler und den Japanern gebaut werden, dürfen auch in Zukunft deutlich mehr verbrauchen.

 
 

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