Renault-Nissan & Daimler: Kooperation vereinbart

09.04.2010, 7:04 Uhr

Franzosen, Japaner und Deutsche planen die Zusammenarbeit bei der nächsten Generation des Smart fortwo und Renault Twingo, einschließlich Varianten mit Elektroantrieb, sowie die Erweiterung der Smart- und Twingo-Produktfamilien. Zudem planen die Stuttgarter mit den französisch-japanischen Allianzpartnern eine umfangreiche gemeinsame Nutzung von Antriebskomponenten sowie die Entwicklung künftiger Projekte für Pkw und Nutzfahrzeuge.

Die Renault-Nissan Allianz und die Daimler AG haben jetzt eine weitreichende strategische Kooperation vereinbart, die beiden Unternehmen schnell Vorteile aus einer Reihe von konkreten Projekten und der gemeinsamen Nutzung von „Best Practices“-Ansätzen erschließen soll. Darüber hinaus haben beide Unternehmensgruppen auch eine gegenseitige Kapitalbeteiligung vereinbart: die Renault-Nissan-Allianz erhält einen Anteil von 3,1 Prozent an Daimler, und Daimler erhält einen Anteil von 3,1 Prozent an Renault und von 3,1 Prozent an Nissan. Die strategische Kooperation wird durch die Renault-Nissan B.V. – stellvertretend für die Allianz – und die Daimler AG durch ein neues ‘Cooperation Committee’ gesteuert, in dem alle beteiligten Partner vertreten sein werden. Das ‘Committee’ wird gemeinsam von Carlos Ghosn und Dieter Zetsche geleitet und sich aus leitenden Führungskräften der Unternehmen zusammensetzen. Details der vereinbarten Kooperation sind:

  • Die gemeinsame Nutzung und Entwicklung von Diesel- und Benzinmotoren aus der Renault-Nissan-Allianz, Einsatz im neuen Smart und Renault Twingo sowie nach entsprechender Anpassung an Mercedes-Benz-Anforderungen in der künftigen Generation der Premium-Kompaktwagen,
  • die Nutzung von Benzin- und Dieselmotoren von Daimler durch Infiniti, der Luxusmarke von Nissan, inklusive der Möglichkeit einer weiteren Zusammenarbeit in diesem Bereich,
  • die Nutzung von Dieselmotoren und Getrieben aus der Renault-Nissan Allianz im Mercedes-Benz Vito,
  • Zusammenarbeit im Bereich leichter Nutzfahrzeuge,
  • weitere Synergien durch gezielte Erschließung gemeinsamer Einkaufsmöglichkeiten, den Austausch zu führenden operativen Prozessen sowie das Teilen von ‘Best Practices’-Ansätzen zwischen den Partnern.

Kooperation perferkt gemacht: Carlos Ghosn, Chairman und CEO der Renault-Nissan-Allianz, und Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche nach der Vertragsunterzeichnung Anfang April 2010. - Bild: Daimler

Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter von Mercedes-Benz Cars, erläuterte dazu: “Daimler und Renault-Nissan verbinden in zahlreichen Feldern gemeinsame Interessen, die eine vielversprechende Grundlage für eine erfolgreiche, strategisch sinnvolle Kooperation bilden. Diese basiert auf einer Reihe konkreter und attraktiver Projektvereinbarungen. Unsere Kompetenzen sind dabei sehr komplementär.” Er ergänzte: “Wir stärken mit dieser Kooperation schnell und nachhaltig unsere Wettbewerbsfähigkeit im Klein- und Kompaktwagensegment und reduzieren zudem unsere CO2-Emissionen. Dabei wissen wir, dass wir auch bei gemeinsamen Architekturen jeweils unterschiedliche und markentypische Produkte entstehen lassen können. Die Markenidentitäten bleiben unberührt.”

Carlos Ghosn, Vorstandsvorsitzender und CEO der Renault-Nissan Allianz, erklärte: “Die Renault-Nissan Allianz hat Erfahrung mit der erfolgreichen Zusammenarbeit innerhalb von Kooperationen und diese Erfahrungen hilft uns enorm, heute und mehr noch morgen im globalen Wettbewerb der Automobilindustrie zu bestehen. Durch die heutige Vereinbarung bauen wir unsere strategische Zusammenarbeit aus und erzielen durch den Ausbau und die gemeinsame Stärkung unserer Produktangebote nachhaltige Vorteile für die Renault-Nissan Allianz und Daimler. Wir nutzen alle gemeinsamen Ressourcen noch effizienter, um die innovativen Technologien zu entwickeln, die im kommenden Jahrzehnt unerlässlich sind.”

Basierend auf umfangreichen und konstruktiven Gesprächen wurden konkrete Projekte vereinbart, die nun umgehend umgesetzt werden sollen. Hierbei handelt es sich im Einzelnen um:

Eine neue, gemeinsame Architektur für Kleinwagen

Nachfolger soll gemeinsam mit Renault und Nissan entwickelt werden. - Bild: Smart

Die nächste Generation des smart fortwo, ein neuer Viersitzer der Marke smart und der nächste Renault Twingo werden auf Basis einer gemeinsamen Architektur entwickelt. Jedes Fahrzeug wird sich hinsichtlich seiner Produktgestaltung klar voneinander differenzieren. Die Entwicklungsarbeit dieser neuen Architektur wird auf dem einzigartigen Heckantriebskonzept der aktuellen Smart-Modelle aufbauen.

Die Markteinführungen der gemeinsam entwickelten Modelle sind ab 2013 vorgesehen. Das Smart-Werk in Hambach, Frankreich, wird die Produktionsstätte der Varianten mit zwei Sitzen, während das Renault-Werk in Novo Mesto, Slowenien, die jeweiligen Viersitzer fertigen wird. Bereits ab Markteinführung werden die gemeinsam entwickelten Fahrzeuge auch mit einem Elektroantrieb verfügbar sein.

Antriebsstrang

Der Fokus der Kooperation im Bereich des Antriebsstrangs liegt auf der gemeinsamen Nutzung von äußerst verbrauchsarmen Diesel- und Benzinmotoren durch die Renault-Nissan Allianz und Daimler.

Die Renault-Nissan-Allianz wird in diesem Zusammenhang aus ihrem Portfolio Benzin- und Dieselmotoren mit drei und vier Zylindern an Daimler liefern, die dann an die Mercedes-Benz typischen Anforderungen und Charakteristika angepasst werden. Das Ergebnis biete für beiden Seiten laut Unternehmensangaben Vorteile: Daimler kann Motoren aus der Renault-Nissan-Allianz nutzen und damit zusätzliche Absatzpotenziale für seine nächste Generation von Premium-Kompaktwagen erschließen. Gleichzeitig verbessert die Allianz die Auslastung ihrer Kapazitäten.

Daimler, Renault und Nissan wollen zudem bei zukünftigen Benzin- und Dieselmotoren zusammenarbeiten. Die Entscheidungen zu den entsprechenden Produktionswerken für die gemeinsam entwickelten neuen Motoren sind noch offen und werden zu einem späteren Zeitpunkt fallen, heißt es am Rande der Kooperationsvereinbarung. Gemeinsam erklärtes Ziel hierbei sei es, eine ausgeglichene Arbeitsteilung zwischen den Partnern zu erreichen, die für alle beteiligten Unternehmen Vorteile biete.

Daimler wird zudem Benzin- und Dieselmotoren aus seinem aktuellen Antriebsportfolio an Infiniti liefern. Dies beinhaltet Vier- und Sechszylinder-Motoren. Auch hierbei bieten sich für beide Seiten Vorteile: Infiniti kann auf Motoren von Daimler zurückgreifen, während Daimler eine weitere Verbesserung der Auslastung seiner Fertigungskapazitäten erreicht.

Die Zusammenarbeit im Bereich von Motoren wird auf einem technischen Konzept beruhen, das eine klare Wahrung und individuelle Ausprägung der jeweiligen Marken- und Produktidentitäten sicher stellt und gleichzeitig eine sehr wettbewerbsfähige Kostenstruktur bietet. Zum einen wird ein hoher Standardisierungsgrad bei nicht-markenrelevanten Komponenten signifikante Einsparpotenziale für beide Partner eröffnen. Zum anderen stellt der Einsatz von exklusiven und markenspezifischen Technologiepaketen sicher, dass die jeweiligen Ansprüche der betreffenden Marken erfüllt werden.

Das wesentliche Ziel ist die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Partner durch ein wesentlich höheres Volumen, das zu entsprechenden Skaleneffekten führt, sowie das Teilen von Entwicklungskosten.

Zusammenarbeit im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge

Die Unternehmen haben sich außerdem auf eine enge Kooperation im Segment der leichten Nutfahrzeuge geeinigt. Mercedes-Benz Vans wird in diesem Zusammenhang sein Portfolio ab 2012 um ein komplett neues Einstiegsmodell erweitern, das für den kommerziellen Einsatz vorgesehen ist. Die technische Basis dieses Stadtlieferwagens wird von Renault stammen, die Produktion des Fahrzeugs erfolgt im Renault-Werk in Maubeuge, Frankreich. Beide Seiten profitieren hierbei von einem zusätzlichen Absatzvolumen, einer verbesserten Kapazitätsauslastung sowie geteilten Investitionskosten. All dies führt zu einer Verbesserung der generellen Kostenstruktur.

Zusätzlich zu dieser Zusammenarbeit bei leichten Nutzfahrzeugen werden auch ausgewählte Antriebskomponenten ausgetauscht, um das Produktangebot und das Absatzvolumen im Bereich der mittelgroßen Nutzfahrzeuge auszubauen. Dies beinhaltet einen kleinen Dieselmotor und Getriebevarianten, die Daimler von Renault-Nissan für den Mercedes-Benz Vito beziehen wird. Diese zusätzliche Einstiegsmotorisierung erschließt zusätzliche Absatzpotenziale für Mercedes-Benz Vans und ermöglicht eine verbesserte Kapazitätsauslastung bei Renault.

Weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit

Erklärtes Ziel der beiden Unternehmensgruppen ist es, einen langfristigen Rahmen zu etablieren, der auch zukünftige Bereiche einer engen Kooperation zwischen Renault, Nissan and Daimler definiert. Beide Seiten werden nach Abschluss der Vereinbarung zur strategischen Kooperation und der Umsetzung der ersten wesentlichen Kooperationsprojekte weitere mögliche Felder für eine Zusammenarbeit identifizieren. Dies beinhaltet etwa die Prüfung der Möglichkeit, Module und Komponenten zwischen Infiniti und Mercedes-Benz Fahrzeugen gemeinsam zu nutzen oder auch eine regionale Kooperation in den USA, China und Japan zwischen Nissan, Infiniti und Daimler. Zudem wird geprüft werden, welche Chancen sich ergeben, Technologien im Zusammenhang mit Elektrofahrzeugen oder Batterien gemeinsam zwischen Renault, Nissan und Daimler zu entwickeln.

 
 

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