AUTOMOBIL FORUM Graz: Schaeffler entwickelt Radnaben-Motoren

28.10.2010, 15:04 Uhr

Über die Hybrid- und Elektro-Strategie der Herzogenauracher anhand von Beispielen wie dem eDifferential und dem eWheel Drive spricht auf dem Grazer FORUM Bernd Gombert, Leiter Mechatronik bei der Schaeffler-Gruppe.

“Echte Innovation lässt sich nicht aufhalten”, ist Gombert überzeugt. Der Leiter Mechatronik bei der Schaeffler-Gruppe zeigte heute auf dem AUTOMOBIL FORUM Graz, wohin die Reise für den Herzogenauracher Konzern in technologischer bzw. mechatronischer Hinsicht hingeht.

Bernd Gombert, Leiter Mechatronik bei der Schaeffler-Gruppe

Von den rein mechanischen Kugellager-Anwendungen über mechanische und elektromechanische Module ist Schaeffler mittlerweile verstärkt in Richtung elektromechatronischer Systeme unterwegs. Elektrische Antriebe, intelligente, das heißt etwa mit Sensorik bestückte Lager sind dabei beispielsweise relevante Wege in die Verkehrszukunft, die nicht nur im Auto sondern auch in Zügen, Stichwort Radreifen, stattfinden wird.

Schaeffler bereitet sich intensiv auf künftige CO2-Grenzen, insbesondere für Automobile, vor. Dabei geht man mehrgleisig vor: Weiterentwickelte Verbrennung als konventionelle Antriebstechnik und auch deren verbesserte Abgasnachbehandlung gehören genauso dazu wie die Getriebe- und Antriebselektrifizierung.

“Wir kommen vom Verbrenner”, so Gombert. Aber das Geschäft werde in den nächsten 20, 30 Jahren “ausphasen” in Richtung Elektromobil. Das geht zunächst über Hybidantriebsvarianten mit Zentralantrieb und 2-Ganggetriebe bis hin zu Achsantrieben und radnahen Antrieben (eWheel Drive und eDifferenzial). Im Hinblick auf E-Mobility stehen für Schaeffler die Leistungs-, Steuerungs- und Regeleinheiten sowie Elektromotoren im Fokus.

eWheel und eDifferenzial

Laut Gombert habe Schaeffler etwa beim hauseigenen eWheel, Felgen-Elektromotoren verbaut in einem Versuchsträger auf Opel-Corsa-Basis, “komplett gepackaged”. Das heißt, dies sind keine klassischen Radnabenmotoren mehr, sondern radintegrierte Antriebsmodule mit hoher Integrationsdichte, zu denen nun auch Wasserkühlung, die Leistungselektronik und Controller, der E-Motor sowie die Reibungsbremse als auch die passenden Lager und Dichtungen gehören. Die werden im harten Alltagseinsatz des Versuchsträgers extrem gefordert.

Der Trend zu größeren Raddurchmessern könnte den Einsatz von radintegrierten Motoren künftig begünstigen. Trotz aller Optimierung der mechatronischen Komponenten entstehen hier aber auch Verlustleistungen, die eine Kühlung nötig machen.

Bei einer weiteren Innovation, dem elektrischen Differenzial von Schaeffler, ist laut Gombert die Möglichkeit zum Torque Vectoring, also die aktive Beeinflussung des Gierwinkels von Kraftfahrzeugen, integriert worden. Weitere essentielle Vorteile sind zudem 30 Prozent weniger Gewicht, 70 Prozent weniger axialer Raum des Differenzials und deutlich weniger Reibung in den Hauptkugellagern. Dieser kompakte Antriebsstrang wurde möglich, weil bei den Entwicklungen zum Stirnraddifferential sehr früh die Idee umgesetzt wurde, das Differenzial koaxial zum E-Motor anzuordnen. Es vereint in sich den Achsantrieb mit einer intelligenten Querverteilung der Momente, bei Einsatz an beiden Achsen sei zudem eine zusätzliche Verteilung der Momente in Fahrtlängsrichtung realisierbar.

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Andreas Gottwald

 

 

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