Mondial in Paris: Großes Kino der französischen OEMs

01.10.2010, 12:05 Uhr

Elegante Limousinen, üppige Kombis und ganz viel Strom: Die französischen Hersteller zeigen auf dem Pariser Salon Mut zur Größe. Und es sind nicht nur die Autos, die eine Menge fürs Auge bieten.

Einen Franzosen kann man mit vielen Dingen hinter dem Ofen hervorlocken: Mit einem guten Glas Wein, mit einer hübschen Dame und sogar mit einem zünftigen Generalstreik. Aber mit einem Auto? Das wird schwierig. Unsere Nachbarn pflegen ein eher pragmatisches Verhältnis zu ihrem fahrbaren Untersatz. Das sieht man schon an den unzähligen Dellen und Scharten, die selbst Neuwagen nach kurzer Zeit im Pariser Verkehrsgetümmel als Kriegsverletzung davontragen. Mit dem Roller kommt man im Stop-and-Go-Verkehr ohnehin schneller voran, und die Lust an dicken Schlitten ist auch politisch nicht gewollt: Eine strenge CO2-Besteuerung macht große Autos teuer und Kleinwagen attraktiv.

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Umso verwunderlicher ist, dass beim diesjährigen Pariser Salon Kleinwagen bei den französischen Herstellern kaum eine Rolle spielen. Stadtflitzer sieht man vor allem als Elektroauto: Peugeot zeigt den Ion, Citroën dessen Schwestermodell C-Zero, Renault präsentiert seinen stromernden Winzling Twizy Z.E. Ansonsten geht es bei der Heimatmesse der Franzosen ein paar Nummern üppiger zu. Der Star der Messe ist der Peugeot 508, der sowohl als Limousine als auch als Kombi eine gute Figur macht. Die ruhig gezeichnete Karosserie und der dezent geschmückte Kühlergrill versprühen eine unaufdringliche Eleganz, und trotzdem wirkt der breite und niedrige Wagen kraftvoll und selbstbewusst. Seit dem 504 hat Peugeot keine so schicke Limousine mehr auf die Räder gestellt.

Auch bei Renault hat man Großes vor. Die 4,89 Meter lange Limousine Latitude überragt den Laguna um 20 Zentimeter. Ein sportlich eleganter Look, ausgewogene Proportionen mit Stufenheck und jede Menge Platz für Beine und Gepäck sollen die Kundschaft überzeugen. Bei der ersten Sitzprobe allerdings zeigte sich der repräsentative Franzose beim Raumgefühl im Fond eher durchschnittlich, was an der wenig beeindruckenden Kopffreiheit liegt. Beim Laguna hat Renault das Frontdesgin überarbeitet. Ein neues Dieselaggregat rundet die Motorenpalette nach unten ab und drückt den Durchschnittsverbrauch auf 4,7 Liter pro 100 Kilometer. Auch den Espace hat Renault geliftet, da muss man aber schon zweimal hingucken. Neue Scheinwerfer und eine gestraffte Motorenpalette können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Familienvan schon seit sieben Jahren auf dem Markt ist.

Citroën startet einen Generalangriff auf die Golf-Klasse. Der neue C4 präsentiert sich gefälliger als seine Vorgänger, ist sparsam und gut ausgestattet. Sein extravaganter Bruder hört auf den Namen DS4, hat eine imposante Panorama-Windschutzscheibe und versenkte Griffe an den hinteren Türen, so dass er auf den ersten Blick wie ein Coupé erscheint. Nicht für den Boulevard, sondern für die Rennpiste gedacht ist der Citroën DS3 Racing. Die Leistung des 1,6 Liter großen Benzinmotors wurde von 156 auf 207 Pferdestärken angehoben. Sportfahrwerk und eine extrabreite Spur vorn wie hinten sollen die neu gewonnene Kraft auf die Straße bringen.

Wie sich Renault, Peugeot und Citroën die automobile Zukunft vorstellen, zeigen Studien. Peugeot präsentiert den HR1 mit elektrischen Flügeltüren und Hybridantrieb. Der Elektromotor wird aber nicht wie von anderen Peugeot-Hybriden gewohnt mit einem Dieselaggregat kombiniert, sondern mit einem Dreizylinder-Benziner. Das Dach besteht aus elektrochromem Glas. Durch eine leichte elektrische Spannung wird die Lichtdurchlässigkeit des Spezialglases verändert und der Innenraum abgedunkelt – alles schon mal dagewesen, aber immer noch effektvoll. Renault zeigt den roten Elektro-Renner DeZir, der freilich kaum Aussicht auf eine Serienfertigung haben dürfte.

Die originellste Studie kann Citroën beisteuern. Das Show Car Lacoste wurde gemeinsam mit dem gleichnamigen Modelabel entwickelt. Das skurrile Spaßmobil sieht wie ein überdimensionierter Golfwagen aus, hat keine Türen und erfordert beim Einsteigen von den ganz in weiß gekleideten Models, die als Passagiere posieren, abenteuerliche Verrenkungen.

Wie es sich für eine Heimatmesse gehört, lassen sich die „Big Three“ der französischen Autobauer auch bei der Gestaltung ihrer Stände nicht lumpen. Am meisten hat sich Peugeot ins Zeug gelegt. Der 508 wird vor einer Wasserwand präsentiert, eine große Brücke mit einem darauf geparkten Oldtimer-Coupé gewährt den Besuchern imposante Ausblicke in die Haupthalle der Messe. In einer Ausstellung zeigt Peugeot, was das traditionsreiche Unternehmen außer Automobilen in den letzten 200 Jahren sonst noch so alles produziert hat – von der Pfeffermühle über Mixer bis hin zu Fahrrädern und Rollern.

Noch mehr Historie gibt es in der Halle 8 zu bestaunen. Eine Sonderausstellung versammelt selten zu sehende Oldtimer, darunter den Peugeot 404 Diesel-Weltrekordwagen aus dem Jahr 1965, einen historischen Citroën-Transporter oder den Renault 5 Maxi Turbo als Rallye-Boliden.

Sebastian Viehmann, press-inform

 

 

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