Klangdesign von Elektroautos

03.11.2010, 6:01 Uhr

Bis Tempo 25 fährt ein Elektroauto beinahe geräuschlos. Die Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer liege auf der Hand; das Elektroauto der Zukunft brauche daher einen eigenen Sound – aber welchen?, fragt Audi in einer aktuellen Mitteilung. Die Ingolstädter zeigen anhand des e-tron, wie die Ingenieure am Thema Sound der “Quit Cars” arbeiten und welche Fragen es dabei zu beantworten gilt.

Weltweit setzen sich Blindenverbände dafür ein, den Quiet Cars einen eigenen Sound zu geben: Audi e-tron im Akustiklabor. (Bild: Audi)

„Wir sprechen von Quiet Cars, wenn ein Elektroauto im Geschwindigkeitsbereich zwischen 0 – 25 Stundenkilometern fährt“, erklärt Dr. Ralf Kunkel, Leiter Akustik der Audi AG. Bis zu dieser Geschwindigkeit fahren Elektroautos nahezu lautlos durch die Straßen. Danach treten Geräusche durch das Abrollen der Reifen und durch den Fahrtwind in den Vordergrund. Ein Elektroauto ist dann nicht mehr wesentlich leiser als ein konventionelles Fahrzeug. Die neue, besonders leise Art der Fortbewegung sei natürlich auch ein Erfolg, denn mit umweltfreundlichen Automobilen sollen nicht nur Emissionen, sondern auch die Lärmbelästigung reduziert werden. Doch Geschwindigkeit ohne die typischen Fahrgeräusche, die wie ein Signal wirken, birgt Risiken: Über das Gehör decken Verkehrsteilnehmer 360 Grad ihrer Umgebung ab – die Augen hingegen erfassen nur einen beschränkten Winkel. Menschen, die schlechter sehen oder abgelenkt sind, können ein Auto leicht übersehen. Weltweit setzen sich deshalb Blindenverbände dafür ein, den Quiet Cars einen eigenen Sound zu geben, in den USA und in Japan werden bereits entsprechende Vorgaben oder Gesetze vorbereitet.

Die Soundtechniker bei Audi haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Fußgänger auch in Zeiten der Elektromobilität zu schützen. „Zum Beispiel, indem wir Geräusche bei Elektroautos künstlich generieren“, so Kunkel. Derzeit forschen die Akustiker intensiv am Klangdesign des Audi e-tron. Es geht dabei nicht nur um die Sicherheit, sondern auch um die Frage: Wie soll der Audi der Zukunft klingen? „Es ist natürlich naheliegend, sich am vertrauten Geräusch eines Verbrennungsmotor zu orientieren“, sagt Christian Schüller, Leiter Markenentwicklung/Corporate Identity. „Andererseits wollen wir unterstreichen, dass es sich bei einem Elektro- oder Hybrid- Audi um ein innovatives Produkt handelt. Wir wollen unseren Vorsprung durch Technik auch im Zeitalter der Elektromobilität hörbar machen.“ Blätterrauschen, Vogelzwitschern oder schrille Töne wie bei Pistenraupen sind also keine Option. Aber: „Raumschiffgeräusche wie in Kinofilmen erinnern an Autos, unterscheiden sich gleichzeitig aber stark – ein durchaus interessanter Ansatz“, sagt Kunkel. Wie ein Flugzeug mit Stahltriebwerken oder ein Raumschiff aus einem Science Fiction-Film wird ein Audi jedoch so bald nicht klingen. „Aber: Es wird in jedem Fall neu und ungewöhnlich. Der Audi RSQ aus dem Hollywoodfilm ‚I, Robot’ zeigt, wie ein Audi in Zukunft klingen könnte.“

 

 

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