Conti wehrt sich gegen Schaeffler

22.12.2010, 7:19 Uhr

Da schien das Gröbste in dem Übernahme-Gezerre zwischen Continental und Schaeffler überstanden, doch nun scheinen längst überwunden geglaubte Gräben wieder aufzubrechen. Wie die “Financial Times Deutschland” berichtet, betrachten die Berater des Conti-Vorstands den Zusammenschluss mit Schaeffler als wirtschaftlich nicht sinnvoll. Eine Alternative haben sie auch schon parat. 

Die Berater des Continental-Vorstands betrachten die Fusion mit der Schaeffler-Gruppe als wirtschaftlich "nicht sinnvoll". (Bild: Continental)

Im Verhältnis zwischen dem Autozulieferer Continental und seinem Großaktionär Schaeffler laut der “Financial Times Deutschland” zeichnen sich neue Konfliktlinien ab. Berater des Conti-Vorstands sind zu dem Schluss gekommen, dass die angepeilte Fusion von Conti mit dem kleineren Rivalen aus Herzogenaurach wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Nach FTD-Informationen schlagen sie vor, dass stattdessen Schaeffler sein Automobilgeschäft in Conti einbringt und die Familie Schaeffler langfristig 35 Prozent an Conti hält. Der Conti-Vorstand hat diesen Plan diskutiert. Nach Informationen des “Manager Magazins” will die Conti-Spitze den Vorschlag der Berater umsetzen. Conti wies am Dienstag zurück, dass es solche Pläne gibt.

Die Diskussionen bei Conti stören das Bild der Harmonie, um das sich beide Konzerne in den vergangenen Monaten nach außen hin bemüht hatten. Schaeffler hatte betont, dass beide Gesellschaften sich auf das operative Geschäft konzentrierten, um möglichst kräftig vom Aufschwung der Automobilindustrie zu profitieren. Es gebe gemeinsame Projekte; an den Fusionsplänen werde ohne Zeitdruck weitergearbeitet. Dass am Conti-Stammsitz in Hannover nun auch andere Modelle durchgespielt werden, könnte alte Konflikte zwischen der Conti- und der Schaeffler-Führung wieder aufbrechen lassen.

Interesse an einem Teilrückzug von Schaeffler bei Conti wird vor allem den kreditgebenden Banken der Schaeffler-Gruppe nachgesagt, die seit der Conti-Übernahme in Milliardenhöhe verschuldet ist. Schaeffler könnte mit einem Verkauf von Conti-Aktien seinen Schuldenberg verringern. Da der Conti-Aktienkurs sich kräftig erholt hat und nun mit gut 60 Euro nahe an dem Wert von 63 Euro liegt, mit dem die Aktien in Schaefflers Bilanz stehen, könnte der Familienkonzern einen Teil der Aktien ohne Verluste über die Börse abgeben. Schaeffler hält direkt und über Banken 75 Prozent an Conti.

2008 hatte Schaeffler mit einer zunächst günstig erscheinenden feindlichen Übernahmeofferte nur 50 Prozent der Conti-Papiere einsammeln wollen, war aber im Zuge der Finanzkrise mit 90 Prozent der Anteile überschüttet worden. Seither sitzt der Familienkonzern auf 11 Mrd. Euro Schulden. Noch Anfang des Jahres hatte Schaeffler bei einer Conti-Kapitalerhöhung peinlich darauf geachtet, dass der eigene Anteil an dem Konzern nicht unter 75 Prozent fällt. Bisher hat Schaeffler keine Anstalten gemacht, von dieser Haltung abzurücken.

Im Conti-Vorstand gebe es die Erwartung, dass Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle mit Maria-Elisabeth Schaeffler den Plan der Berater bespricht, sagen Eingeweihte. Bisher gebe aus Herzogenaurach kein Signal, ob sich Schaeffler mit dem Plan anfreunden könnte oder nicht. Offiziell verlauten ließ Conti am Dienstag: “Unser Ziel ist unverändert eine mögliche Kombination der beiden Unternehmen, auf die wir uns vorbereiten. Einen konkreten, mit dem Großaktionär verabredeten Zeitplan gibt es dafür noch nicht.” Reitzle erklärte: “Ein 35-Prozent-Ziel als Anteil des Großaktionärs an Continental ist frei erfunden und niemals genannt worden.”

Schaeffler kommentierte die Vorgänge am Dienstag nicht. Die Eigentümerfamilie und Konzernchef Jürgen Geißinger haben wiederholt erklärt, dass sie einen Zusammenschluss beider Konzerne anstreben. Wie und wann das geschehen sollte, haben sie aber offengelassen. Dass die Familie Schaeffler an einem fusionierten Konzern keine Mehrheit hält, gilt aber als möglich. Als Vorbild dient die Kontrollminderheit der Familie Quandt bei BMW. Dass nun der Eindruck entsteht, in Hannover wird über die gemeinsame Zukunft entschieden, dürfte dem Großaktionär allerdings missfallen.

 

 

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