Der Mensch macht’s – 5. Automotive Lean Production Kongress in Ingolstadt
Der beste Strategieplan nützt nichts, wenn die Menschen im Unternehmen nicht an die Idee der schlanken, effizienten Fabrik glauben, sie mittragen und umsetzen. Das war ein zentrales Fazit des 5. Automotive Lean Production-Kongresses bei Audi in Ingolstadt.
Knapp 170 Teilnehmer zählte der diesjährige Kongress ‘Automotive Lean Production’, eine 2006 gestartete, gemeinsame Initiative von AUTOMOBIL PRODUKTION und der Starnberger Beratungsgesellschaft Agamus Consult. Höhepunkt wie in jedem Jahr: Die Auszeichnung der ‘Bestperformer’ der gleichnamigen Studie mit dem ‘Automotive Lean Production Awards’, Gastgeber der Tagung war in diesem Jahr der Vorjahressieger in der Kategorie ‘OEM’, das Audi-Werk Ingolstadt und die dortige A3-Montage.

Peter Kössler, Leiter Audi-Werk Ingolstadt, eröffnete den Automotive Lean Production Kongress. - Foto: Gudrun Muschalla
Der bayerische Automobilhersteller beweist Kontinuität und Nachhaltigkeit beim Thema Lean. Auch in diesem Jahr blieb der Award in der OEM-Kategorie in Ingolstadt – als Auszeichnung für die A4/A5/Q5-Fertigung am Standort. “Wir erzeugen Begeisterung für Audi”, nach diesem Leitspruch arbeitet das Werk unter der Leitung von Peter Kössler. Audi produziert aktuell an der Kapazitätsgrenze, 2010 wird das Unternehmen einen neuen Produktionsrekord einfahren. Immer mehr Modelle, immer mehr Neuanläufe in immer kürzeren Zeitabständen – für Kössler nur zu bewerkstelligen, wenn alle Experten, von der Entwicklung bis zum Fertigungsfachmann am Band, eng und effizient vernetzt zusammenarbeiten. In seiner Eröffnungsrede zum Kongress zollte Kössler seiner Mannschaft viel Lob, denn “der kontinuierliche Verbesserungsprozess wird bei uns von den Mitarbeitern erdacht und umgesetzt.” Permanente Optimierung der Ergonomie der Arbeitsplätze, Reduzierung der Zeitspreizungen und die Gewährleistung sicherer Prozesse nannte er als wichtige Stichworte dazu.
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Fotostrecke starten: Klicken Sie auf ein Bild (16 Bilder)Doch Audi denkt noch weiter: Der demografische Wandel und der steigende Altersdurchschnitt der Mitarbeiter beschäftigen den Konzern. Bis 2015 wird ein Drittel der Mitarbeiter über 50 Jahre alt sein. Um hier heute schon die Weichen zu stellen, werden beispielsweise Ergonomieanforderungen aus der Produktion in die Entwicklung künftiger Modelle eingebracht. Kössler setzt auf das Know-how seiner erfahrenen Mitarbeiter – aktuell und erst recht in der Zukunft, denn: “Die Jungen rennen schneller, aber die Älteren kennen die Abkürzungen.”

Key-Note-Referent Dr. Reinhard Meschkat, Leiter Produktion Brose Fahrzeugteile: Stabile, schlanke Abläufe brauchen Standards. - Foto: Gudrun Muschalla
Dass das Gedankengut “Der Mensch macht’s” auch bei den Zulieferern längst angekommen ist, zeigte Dr. Reinhard Meschkat, in der Geschäftsführung von Brose Fahrzeugteile für die Produktion verantwortlich, in seinem Key-Note-Vortrag auf. Das Coburger Familienunternehmen arbeitet nach dem positiven Fehlerprinzip, heißt: Wer Fehler findet, auch bei sich selbst, wird belohnt. Der Kreativität der Mitarbeiter wird in mit Werkzeugen und Materialien speziell eingerichteten “Ideen-Räumen” Platz gegeben, wo Ideen sofort umgesetzt werden können. Eine ‘schlanke’ Organisation und Lean-Prozesse sind bei Brose nicht nur in der Fertigung, sondern auch in der Qualitätssicherung, im Einkauf und beim Anlaufmanagement implementiert.
Fünf Kategorien, fünf Sieger
2010 ließen folgende Unternehmen beziehungsweise Werkseinheiten im internationalen Benchmark den Wettbewerb hinter sich und wurden als Bestperformer der Studie ‘Automotive Lean Production Study 2010′ ausgezeichnet:
- Kategorie OEM: Audi A4/A5/Q5-Fertigung, Ingolstadt
- Kategorie Internationaler Mittelstand: Schmitz Cargobull AG, Werk Vreden
- Kategorie Nationaler Mittelstand: Progress-Werk Oberkirch AG, Werk Oberkirch
- Kategorie Internationaler Konzern: Magna Mirrors, Werk Slovteca, Slovakei
- Special Award ‘Exzellentes Gesamtsystem’: BMW AG, Leichtmetallgießerei Landshut

Dr. Werner Geiger, Geschäftsführer Agamus Consult, zog ein Fazit nach fünf Jahren Automotive Lean Production – Study & Award. - Foto: Gudrun Muschalla







