Trends 2011 – Bosch: Wesentliches Wachstum in den BRIC-Staaten

27.01.2011, 10:45 Uhr

Boschs Automotive-Chef Dr. Bernd Bohr stellt sich auf dauerhaft volatilere Märkte ein. Auf lange Sicht sieht er das wesentliche Wachstum auf den Kraftfahrzeugmärkten Asiens, insbesondere China und Indien, sowie in Südamerika und voraussichtlich auch in Russland stattfinden.

Zugleich hält er laut Trends-2011-Umfrage der AUTOMOBIL PRODUKTION am Standort Deutschland fest.

"Wir stellen uns auf dauerhaft volatilere Märkte ein", sagt Dr. Bernd Bohr, Vorsitzender des Bosch-Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik. - Bild: Bosch

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Dr. Bohr, Post-Automotive- und Post-Finanzkrise 2008/2009, wahrscheinlich die schwerste Zeit seit 1929 und dem Zweiten Weltkrieg, mit Blick in Ihre Auftragsbücher, wie positiv ging 2010 zu Ende, wie wird 2011 für Bosch?
Wir sind vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage haben wir die Kernmannschaft unter Nutzung der Flexibilisierungsinstrumente an Bord gehalten und unsere Investitionen in Forschung und Entwicklung kaum gekürzt. Das hat uns 2010 einen schnellen Neustart mit einer Wachstumsrate jenseits der 25 Prozent ermöglicht. Die Akquisition für neue Projekte – z. B. die Euro-6-Motorengeneration – verlief sehr erfreulich.

So haben wir eine gute Basis auch für Wachstum im Jahr 2011. Zugleich stellen wir uns auf dauerhaft volatilere Märkte ein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Prof. Sinn vom Ifo rechnet für Deutschland – nach der vorhergesagten Apokalypse noch vor knapp zwei Jahren – nun mit „biblischen sieben fetten Jahren“. Trifft das Ihrer Ansicht nach zu? Wenn nicht, warum nicht für Sie?
Bosch ist ein global aufgestelltes Unternehmen und ist mit mehr als 300 Tochter- und Regionalgesellschaften direkt in mehr als 60 Ländern vertreten – insofern spielt die Entwicklung des deutschen Marktes eine wichtige, aber keine entscheidende Rolle. Auf lange Sicht findet das wesentliche Wachstum auf den Kraftfahrzeugmärkten Asiens, insbesondere China und Indien sowie in Südamerika und voraussichtlich auch in Russland statt. Die etablierten Märkte hingegen – Nordamerika, Europa oder Japan – werden nach der Erholung vermutlich nur noch marginal wachsen.

Wir sind regional in allen Märkten vertreten und decken mit unserem Portfolio alle wichtigen Segmente ab. Damit können wir die vorhandenen Wachstumspotentiale voll ausschöpfen. Sollten die „sieben fetten Jahre“ von Prof. Sinn wahr werden, werden uns unsere Kunden sicherlich „helfen“ schlank zu bleiben.

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AUTOMOBIL PRODUKTION: Damoklesschwerter wie Rohstoffknappheit, Stichwort seltene Metalle, Währungs-Schwankungen/-Konflikte (Dollarschwäche/Eurostärke), der drohende Double Dip in den USA (verunsicherter Absatzmarkt) – welches sind Ihrer Ansicht nach die wahren Herausforderungen 2011 und darüber hinaus?
Nach der Überwindung der globalen Finanzkrise und der großen Anstrengungen zur Gewährleistung der Belieferung unserer Kunden vor dem Hintergrund außerordentlich gestiegener Abrufe rücken die brennenden Themen höhere Energieeffizienz, weniger CO2-Emissionen, Ressourcen- und Umweltschonung sowie Fahrzeugsicherheit wieder in den Vordergrund. Unser Produktportfolio enthält die erforderlichen Techniken, mit denen sich die zunehmenden Anforderungen der Automobilhersteller und die schärfer werdenden gesetzlichen Vorschriften erfüllen lassen.

Eine spezielle Herausforderung stellt die notwendige Entwicklung verschiedenster Techniken für die zunehmende Vielfalt alternativer Antriebskonzepte dar. Parallel zur Entwicklung der Komponenten des elektrischen Antriebsstranges werden wir die Potenziale von Verbrennungsmotor und Hybriden technologisch noch ausreizen. Gleichzeitig gilt es, das immer stärker steigende Gewicht der asiatischen Märkte in der Führungs- und Unternehmensstruktur richtig abzubilden.

 

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