Trends 2011 – Fehrer: Investieren und Wettbewerbsfähigkeit sichern

02.02.2011, 14:05 Uhr

Dr. Bernd Welzel, CEO und Sprecher der Geschäftsführung bei der F.S. Fehrer Automotive GmbH, erwartet im Rahmen unserer Trends-2011-Umfrage für das Kitzinger Unternehmen zum Jahresende 2011 ein Erreichen des Vorkrisenniveaus.

"Für das Jahr 2011 bleibt der Ausblick erfreulich", wagt Fehrer-CEO Dr. Bernd Welzel eine Prognose. - Bild: Fehrer

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Dr. Bernd Welzel, Post-Automotive- und Post-Finanzkrise 2008/2009, wahrscheinlich die schwerste Zeit seit 1929 und dem Zweiten Weltkrieg, mit Blick in Ihre Auftragsbücher, wie positiv ging 2010 zu Ende, wie wird 2011 für Fehrer?
Wie rasch die Nachfrage nach deutschen Automobilen der Premiumklasse wieder anzog, hat alle überrascht. Unsere zu Jahresbeginn prognostizierte Umsatzerwartung für 2010 wurde um über zehn Prozent übertroffen. Für das Jahr 2011 bleibt der Ausblick erfreulich. Die Wachstumsraten werden auf ein moderates Maß zurückkehren und die Geschäftsentwicklung zum Ende des kommenden Jahres das Vorkrisenniveau wieder erreichen..

AUTOMOBIL PRODUKTION: Prof. Sinn vom Ifo rechnet für Deutschland – nach der vorhergesagten Apokalypse noch vor knapp zwei Jahren – nun mit „biblischen sieben fetten Jahren“. Trifft das Ihrer Ansicht nach zu? Wenn nicht, warum nicht für Sie?
In einem globalen, schnelllebigen und sehr eng vernetzten Wirtschaftssystem, wie wir es heute vorfinden, sind Aussagen über langfristige Entwicklungen nur noch sehr schwer zu treffen. Regional ausgelöste Krisen können in rasantem Tempo auf alle vernetzten Märkte übergreifen, was uns die jüngste Geschichte lehrte. Die „sieben fetten Jahre“ setzen voraus, dass die derzeit politischen Gegebenheiten sowie die Entwicklung auf den internationalen Kapitalmärkten stabil und berechenbar bleiben. Dies gilt insbesondere für den asiatischen Raum, da ja in der Automobilindustrie eventuelle „sieben fette Jahre“ ein Fortsetzen der Marktentwicklungen in China und Indien voraussetzen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Damoklesschwerter wie Rohstoffknappheit, Stichwort seltene Metalle, Währungs-Schwankungen/-Konflikte (Dollarschwäche/Eurostärke), der drohende Double Dip in den USA (verunsicherter Absatzmarkt) – welches sind Ihrer Ansicht nach die wahren Herausforderungen 2011 und darüber hinaus?
Als Familienunternehmen ist es unsere größte Herausforderung trotz der stetig steigenden Forderungen unserer Kunden, der Rohmaterialpreisentwicklung und des zunehmend schärferen Preisdrucks genügend finanzielle Mittel bereit zu stellen, um durch Investitionen in neue Produkte und Märkte die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern und somit die Unabhängigkeit wahren zu können. Diese Unabhängigkeit und das selbstbestimmte Handeln der mittelständischen Automobilzulieferer haben maßgeblich zum Erfolg der deutschen Automobilindustrie beigetragen. Die OEMs sollten sich nicht durch kurzfristiges Preisdenken der Sorte „Geiz ist geil“ den mittelständischen Innovationsast absägen, auf dem sie gerade nach der Krise sitzen.

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AUTOMOBIL PRODUKTION: Stichworte Leichtbau/Downsizing, Integration mobiler (internetbasierter) Technologien/Dienste, E-Mobilität/Hybridisierung bei Fahrzeugen/Materialien: Welche Trends im Automobilbau werden Ihr Produktportfolio mittelfristig wie verändern? Und was will Ihr Kunde?

Das Thema „Gewichtseinsparung“ im Fahrzeugbau wird im Rahmen der CO2-Diskussionen eine bedeutende Rolle spielen. Um Bauraum zu gewinnen und Gewicht zu optimieren, geht der Trend im Fahrzeugsitzbereich eindeutig hin zu dünnen Polsterauflagen, ohne jedoch bestehenden Komfortansprüche und Dauergebrauchseigenschaften zu beeinträchtigen. Diese Anforderung erfordert neue Schaumstoffrezepturen oder Altnernativmaterialien, die trotz geringer Polsterhöhe alle geforderten Eigenschaften langfristig erfüllen.

Im Fahrzeuginnenraum wird in Zukunft ein Höchstmaß an Variabilität gefordert. Auch hier bieten wir heute schon innovative Leichtbaulösungen in Sandwichbauweise und aus faserverstärkten Materialien, die wir weiter ausbauen wollen.

Der Elektromobilität wird mittel- und langfristig eine besondere Bedeutung zukommen. Die Gewichtsoptimierung der Fahrzeuge, auch im Karosseriebereich, steht auch hier an erster Stelle. Dadurch eröffnen sich neue Anwendungsgebiete für die von Fehrer entwickelten Leichtbaulösungen aus faserverstärkten Kunststoffen als Alternative zu bestehenden Stahl-. oder Metalllösungen.

Die Reduzierung des Gewichts, ohne dass der Fahrkomfort und die Sicherheit darunter leiden und zusätzlich Raumvolumen hinzugewonnen werden kann, ist eines der Potentiale, die Fehrer auch in Zukunft nutzen wird.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Fokus Deutschland: Ingenieur- resp. Fachkräftemangel, Alterung der Gesellschaft und Rente mit 67, drohende Lohnkostensteigerungen, fehlgeleitete Kundenerwartungen an künftige Elektromobilität, wie schlimm ist es wirklich?
Langfristig müssen wir uns genau so viel Gedanken um die Produkte wie um das Personal der Zukunft machen. Dem zunehmenden Fachkräftemangel begegnen wir mit der Förderung des Nachwuchses aus den eigenen Reihen in zukunftsträchtigen Berufsbildern, die wir für den Erfolg der Fehrer-Gruppe benötigen. Internationaler Austausch spielt hierbei eine wichtige Rolle, um der Globalisierung auch in Zukunft Rechnung tragen zu können. Ziel ist es, Potenzialträgern Perspektiven im eigenen Unternehmen aufzuzeigen und andererseits frühzeitig die Nachfolge für bewährte Fach- und Führungskräfte zu sichern.

Die Alterung der Gesellschaft können wir als Unternehmen nicht umkehren, sondern diese als Chance verstehen, mit einer ausgewogenen Altersstruktur der Belegschaft, die langjährige Praxiserfahrung älterer Mitarbeiter mit neuem Wissen der jüngeren Generation zu kombinieren, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

 

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