Trends 2011 – Prof. Bratzel: Wer keine Visionen hat, sollte einen Arzt aufsuchen
Im Rahmen unserer Trends-2011-Umfrage der AUTOMOBIL PRODUKTION sprachen wir auch mit Prof. Dr. Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Mangement (CAM) an der Bergisch Gladbacher Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW). Er sieht künftige Mega-Trends hinsichtlich Energieeffizienz, Umwelt, demographischen Wandel sowie der internetbasierten Vernetzung des Autos und meint, dass auch für Lieferanten strategische Ziele überlebenswichtig sind.

"2011 könnte nach Absatz zum historisch besten Jahr für die globale Automobilindustrie werden", ist Prof. Dr. Stefan Bratzel, Leiter des CAM an der FH Bergisch Gladbach, überzeugt. - Bild: CAM
Wir gehen von einem sehr guten Jahr aus. 2011 könnte nach Absatz zum historisch besten Jahr für die globale Automobilindustrie werden. Auch profitieren Hersteller und Zulieferer noch von den z. T. enormen Einsparungen in 2009, so dass auch hinsichtlich der Renditen ein sehr gutes Jahr zu erwarten ist.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Prof. Sinn vom Ifo rechnet für Deutschland – nach der vorhergesagten Apokalypse noch vor knapp zwei Jahren – nun mit „biblischen sieben fetten Jahren“. Trifft das Ihrer Ansicht nach zu? Wenn nicht, warum nicht für Sie?
Nein, einfache – auch biblische – Zyklen geben die derzeitige Situation nur unzureichend wieder. Vielmehr ist die Automobilindustrie von schwer abschätzbaren Diskontinuitäten geprägt, die kontinuierliche Entwicklungen in kurzer Zeit ins Gegenteil drehen. Der Erfolg der Branche ist derzeit z. B. in hohem Maße vom chinesischen Markt beeinflusst. Veränderungen in diesem Markt, etwa auf politischer Ebene, können die Branche ebenso erschüttern wie die Finanzkrise in 2008/2009.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Damoklesschwerter wie Rohstoffknappheit, Stichwort seltene Metalle, Währungs-Schwankungen/-Konflikte (Dollarschwäche/Eurostärke), der drohende Double Dip in den USA (verunsicherter Absatzmarkt) – welches sind Ihrer Ansicht nach die wahren Herausforderungen 2011 und darüber hinaus?
Das Interessante ist, dass es derzeit eine ganze Reihe von Herausforderungen gibt: Hersteller und Zulieferer müssen mit einer stattlichen Zahl von „zusätzlichen Bällen jonglieren“, um erfolgreich zu sein. Mittelfristig sehe ich insbesondere das Management des technologischen Paradigmenwechsels hin zur Elektrifizierung des Antriebs für die etablierte Automobilindustrie als größte strukturelle Herausforderung. Dabei muss eine Balance gefunden werden zwischen der weiteren Optimierung der konventionellen Antriebe, die noch viele Jahre das Rückgrat der Erträge bilden werden, und ein Strukturwandel hin zu neuen, alternativen Technologien, mit denen auch in Zukunft Geld verdient werden kann.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Stichworte Leichtbau/Downsizing, Integration mobiler (internetbasierter) Technologien/Dienste, E-Mobilität/Hybridisierung bei Fahrzeugen/Materialien: Welche Trends im Automobilbau werden die Branche mittelfristig wie verändern? Und was will der Kunde?
Als Mega-Trends sehen wir vor allem Energieeffizienz und Umwelt, der demographische Wandel sowie die internetbasierte „Vernetzung“ des Autos. Davon abgeleitete Trends werden die Automobilität in den nächsten 20 Jahren prägen bzw. teilweise paradigmatisch verändern.








