Trends 2011 – PwC: Autobranche glaubt an Standort Deutschland
AUTOMOBIL PRODUKTION sprach mit Felix Kuhnert von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, über die künftige Aussichten der deutschen Automobilbranche. Der Leiter von PwC Automotive Europa in Stuttgart sagt, dass laut einer PwC-eigenen Studie rund 90 Prozent der Unternehmen ein Umsatzplus erwarten, 70 Prozent auch eine nachhaltige Verbesserung ihrer Wirtschaftslage sehen. Das bedeute mehr Investitionen in den Standort Deutschland. Dennoch bleiben Kostendruck und Kapazitätsaufbau wesentliche Herausforderungen.

"Gut die Hälfte der Befragten in unserer Studie hält es für realistisch, dass in China langfristig bis zu 30 Millionen Pkw pro Jahr verkauft werden könnten", sagt Felix Kuhnert, Leiter PwC Automotive Europa. - Bild: PwC
Die deutsche Autoindustrie fährt nach eigener Einschätzung auch 2011 auf der Erfolgsspur. Fast neun von zehn Herstellern und Zulieferunternehmen rechnen laut unserer Studie ‘Konjunkturerwartungen
in der Automobilindustrie’ * im kommenden Jahr mit Umsatzsteigerungen, knapp jeder dritte Befragte erwartet sogar Zuwächse von mehr als 15 Prozent, wie aus der Befragung hervor geht. Der Optimismus stützt sich zum Großteil auf die schnelle Erholung der Absatzregionen.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Welcher Regionen genau?
Europa ist mit 96 Prozent der Befragten derzeit für die meisten Unternehmen nach wie vor die wichtigste Absatzregion, gefolgt von China mit 63 Prozent und Nordamerika mit 55 Prozent der Nennungen.
Langfristig sehen die meisten Unternehmen klar die BRIC-Regionen als Wachstumstreiber für die Automobilindustrie. Wobei Russland mit nur neun Prozent als Wackelkandidat gilt – es liegt weit abgeschlagen auf Rang sechs, hinter Indien mit 37 Prozent und Brasilien mit 32 Prozent. Einig sind sich die meisten bei China. Gut die Hälfte der Befragten, genau 55 Prozent, hält es für realistisch, dass dort langfristig bis zu 30 Millionen Pkw pro Jahr verkauft werden könnten. Dies wäre das Zehnfache des heutigen Absatzvolumens in Deutschland.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Können deutsche Unternehmen signifikant daran partizipieren?
Die Automobilmärkte der Schwellenländer werden für die deutsche Autoindustrie zweifellos weiter an Bedeutung gewinnen. Dies geht auch mit Verlagerungen von Produktionskapazitäten einher, Sorgen vor einem Exodus der Hersteller und Zulieferer vom Standort Deutschland sind jedoch unbegründet.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Warum?
Auch wenn die deutschen Hersteller 2010 erstmals mehr Fahrzeuge im Ausland produziert haben als im Inland, planen fast 70 Prozent der befragten Unternehmen verstärkte Investitionen am Standort Deutschland. Damit fährt die Branche eine Doppelstrategie: Um die vielfältigen Anforderungen wie die Optimierung der Verbrennungstechnologie, die Weiterentwicklung von Elektro- und Hybridantrieben und die Auffächerung der Produktpalette bewältigen zu können, brauchen die Hersteller eine breite und verlässliche Zulieferbasis in Deutschland.
Gleichzeitig sind Hersteller und Zulieferbetriebe in den Wachstumsmärkten präsent, wobei Kooperationen an Bedeutung gewinnen: Gut sechs von zehn Befragten setzen auf strategische Allianzen, knapp 40 Prozent suchen Joint-Venture-Partner in aufstrebenden Märkten. Eine (weitere) Verlagerung von Fertigungskapazitäten ist für knapp jeden dritten Befragten eine Option, während nur 13 Prozent verstärkt Forschungs- und Entwicklungsabteilung in den wichtigsten Auslandsmärkten ansiedeln wollen.








