Trends 2011 – Stürmer/IHS: Hohe Nachfragevolumen helfen nur, wenn sie gute Margen einbringen
Anders als die meisten Analysten meint Christoph Stürmer, dass 2011 für die Automobilindustrie ein weiteres Jahr extremer Anspannung werde. Über Trends, die Aussichten der Automobilbranche für 2011 und darüber hinaus sprach AUTOMOBIL PRODUKTION im Rahmen der redaktionseigenen Trends-2011-Befragung mit dem Research Director OEM Strategy, IHS Automotive – Global Insight in Frankfurt am Main.

"Die Automobilindustrie selbst wird sich 2011nach jedem Euro Umsatz und Kapital strecken müssen, da die Branche bei extremem Wettbewerb einem tiefen Umbruch unterworfen ist", sagt Christoph Stürmer, Research Director OEM Strategy bei IHS Automotive - Global Insight (Deutschland). - Bild: IHS
AUTOMOBIL PRODUKTION: Post-Automotive- und Post-Finanzkrise 2008/2009, wahrscheinlich die schwerste Zeit seit 1929 und dem Zweiten Weltkrieg, wie wird 2011 für die Unternehmen der Automobilbranche (OEMs/Erstausrüster)?
2011 wird für die Automobilindustrie ein weiteres Jahr extremer Anspannung: einerseits müssen sehr hohe Volumen und hohe Volatilität der Märkte verarbeitet werden, anderseits bestehen hohe Investitionsanforderungen in neue Technologien für die etablierten Märkte, und in neue Kapazitäten für Wachstumsmärkte.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Prof. Sinn vom Ifo rechnet für Deutschland – nach der vorhergesagten Apokalypse noch vor knapp zwei Jahren – nun mit „biblischen sieben fetten Jahren“. Trifft das Ihrer Ansicht nach zu? Wenn nicht, warum nicht für Sie?
Volkswirtschaftlich mag das richtig sein, denn die hohen Investitionen der Automobilindustrie werden einen guten Beitrag zum Wachstum in Deutschland leisten; die hohe internationale Nachfrage wird der Handelsbilanz guttun. Die Automobilindustrie selbst wird sich aber nach jedem Euro Umsatz und Kapital strecken müssen, da die Branche bei extremem Wettbewerb einem tiefen Umbruch unterworfen ist. Die zu erwartendene hohen Nachfragevolumen werden dabei nur helfen, wenn sie auch gute Margen einbringen.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Damoklesschwerter wie Rohstoffknappheit, Stichwort seltene Metalle, Währungs-Schwankungen/-Konflikte (Dollarschwäche/Eurostärke), der drohende Double Dip in den USA (verunsicherter Absatzmarkt) – welches sind Ihrer Ansicht nach die wahren Herausforderungen 2011 und darüber hinaus?
Die Automobilindustrie ist in einen „Wettbewerb der Geschäftsmodelle“ eingetreten: wer kann am besten mit hoher Unsicherheit, hohen Investitionsanforderungen, und gleichzeitig knappem Kapital umgehen? Wer schafft es am besten, trotz massiver Globalisierung die spezifischen Stärken des eigenen Unternehmens überall umzusetzen? Wer hat die schnellste Entscheidungs- und die klarste Umsetzungskultur?
AUTOMOBIL PRODUKTION: Stichworte Leichtbau/Downsizing, Integration mobiler (internetbasierter) Technologien/Dienste, E-Mobilität/Hybridisierung bei Fahrzeugen/Materialien: Welche Trends im Automobilbau werden die Branche mittelfristig wie verändern? Und was will der Kunde?
Der Kunde will grundsätzlich an seinem eigenen Verhalten möglichst wenig verändern – das heißt, er fordert volle Verfügbarkeit der allerneuesten Technologien zu Preisen, die nicht höher sind als die etablierten Standardfeatures. Zudem liegt das Auto im Schnittpunkt von Investitionsgut, Lifestyle-Gadget, und unabdingbarem Funktionsmittel; diese widersprüchlichen Anforderungen können weder von einem Produkt noch von einem Hersteller allein komplett abgedeckt werden. Die Diversifizierung der Produkte und Technologien wird also massiv fortschreiten, aber die Eigentums- und Nutzungsmodelle werden sich nur sehr langsam ändern.








