Trends 2011 – ZF: Beim Umsatz stärker wachsen als der Branchendurchschnitt

03.02.2011, 11:10 Uhr

Im Rahmen unserer Trends-2011-Umfrage der AUTOMOBIL PRODUKTION sprachen wir auch mit ZF-Chef Hans-Georg Härter, der für die kommenden Jahre gute Wachstumsperspektiven und viele Marktchancen, aber auch Marktrisiken sieht.

Sieht für die kommenden Jahre gute Wachstumsperspektiven und viele Marktchancen, aber auch Marktrisiken: ZF-Chef Hans-Georg Härter. - Bild: ZF

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Härter, Post-Automotive- und Post-Finanzkrise 2008/2009, wahrscheinlich die schwerste Zeit seit 1929 und dem Zweiten Weltkrieg, mit Blick in Ihre Auftragsbücher, wie positiv ging 2010 zu Ende, wie wird 2011 für ZF?
Das Jahr 2010 war für ZF überaus erfolgreich – und vor allem überraschend erfolgreich. Dass wir eine so steile, v-förmige Entwicklung sehen, hätte niemand gedacht. Wir schreiben wieder deutlich schwarze Zahlen. Das Jahr 2011 wird für ZF erfolgreich. Wir planen, beim Umsatz stärker zu wachsen als der Branchendurchschnitt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Prof. Sinn vom Ifo rechnet für Deutschland – nach der vorhergesagten Apokalypse noch vor knapp zwei Jahren – nun mit „biblischen sieben fetten Jahren“. Trifft das Ihrer Ansicht nach zu? Wenn nicht, warum nicht für Sie?
Wir sehen für die kommenden Jahre gute Wachstumsperspektiven und viele Marktchancen, aber auch Marktrisiken. Die Regulierung der internationalen Finanzmärkte ist allen Beteuerungen von vor Jahresfrist zum Trotz noch nicht ernsthaft angegangen worden. Hier ist nach wie vor jederzeit ein Rückschlag oder sogar eine neue Weltfinanzkrise möglich. Auch die Stabilität der Finanzmärkte in der Europäischen Union ist keineswegs sicher, Stichwort Griechenland und Irland. Wie viel Schwung die Wachstumslokomotiven Asien und Südamerika in den kommenden Jahren behalten können, vermag ich auch nicht zu beurteilen. Kurzum: Das nächste Jahr wird mutmaßlich recht gut und auch die weiteren Aussichten sind positiv – aber 7 Jahre in die Zukunft sehen kann ich nicht.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Damoklesschwerter wie Rohstoffknappheit, Stichwort seltene Metalle, Währungs-Schwankungen/-Konflikte (Dollarschwäche/Eurostärke), der drohende Double Dip in den USA (verunsicherter Absatzmarkt) – welches sind Ihrer Ansicht nach die wahren Herausforderungen 2011 und darüber hinaus?
Zu den wesentlichen Herausforderungen zählt nach wie vor die Rohstoffversorgung. Stahl und Aluminium haben sich im Laufe dieses Jahres im Schnitt um ein Drittel verteuert, Naturkautschuk sogar um 80 Prozent. Bei Stahl und Aluminium ist unsere Versorgung abgesichert, während es bei bestimmten Granulaten schon jetzt problematisch ist, unsere Produktion mit ausreichenden Mengen zu versorgen. Die Beschaffungszeiten haben sich verlängert und die Lage ist insgesamt sehr angespannt. In Einzelfällen müssen wir mit Task Forces die Versorgung durch unsere Lieferanten sichern – bisher mit Erfolg. Sicherlich wird uns dieses Thema auch in den nächsten Jahren noch beschäftigen. Auch der wachsende Preisdruck durch die Fahrzeughersteller stellt uns zunehmend vor Herausforderungen, die wir meistern müssen.

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AUTOMOBIL PRODUKTION: Stichworte Leichtbau/Downsizing, Integration mobiler (internetbasierter) Technologien/Dienste, E-Mobilität/Hybridisierung bei Fahrzeugen/Materialien: Welche Trends im Automobilbau werden Ihr Produktportfolio mittelfristig wie verändern? Und was will Ihr Kunde?
Die Antriebskonfiguration wird diversifizieren. Neben konventionellen Antrieb werden sich Hybridantriebe durchsetzen; auch das Elektroauto wird eine ernstzunehmende Nische besetzen. ZF wird dem Rechnung tragen: einerseits durch Weiterentwicklung der Getriebe und Antriebskomponenten für verbrennungsmotorischen Antrieb, andererseits durch weiteren Ausbau der Hybridtechnologie. Hier sind wir ja seit 2008 mit einem eigenen Werk für Elektromotoren für Hybridantriebe sehr gut aufgestellt; auch mit Elektromotorischen Antrieben beschäftigen wir uns intensiv.

Bei konventionellen (und Hybridgetrieben) wird sich der Trend zur Automatisierung weiter verstärken; Getriebe werden eine höhere Spreizung und damit eine höhere Gangzahl (als 5 oder 6) aufweisen müssen. Zum Thema Leichtbau bzw. neue Materialien: einerseits ist das Selbstzweck, um das Fahrzeuggewicht insgesamt zu senken, andererseits vor allem für Elektrofahrzeuge von großer Bedeutung. ZF setzt hier auf neue Materialien wie beispielsweise faserverstärkte Kunststoffe und auf eine Funktionsintegration zur Reduzierung des Gewichts. Eine Herausforderung bei der Verwendung von neuen Materialien besteht in einer gesicherten Serienfertigung.

 

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