Hyundai will dauerhaft unter die Top-Fünf-Autohersteller in Europa
Von beschaulich zu gefährlich: Hyundai eilt von Verkaufsrekord zu Verkaufsrekord und wird wohl langfristig ein Wörtchen beim Duell Volkswagen/Toyota mitreden. Allan Rushforth, Vize-Europa-Chef bei Hyundai, kündigt deshalb ehrgeizige Ziele der koreanischen Marke nicht nur in Europa an.

Allan Rushforth, Senior Vice President Hyundai Motor Europe.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Mister Rushforth, der Hyundai-Chef erwartet, dass ‚2011 ein außergewöhnliches Jahr wird‘. Was meint er damit?
Allan Rushforth: Wir werden dieses und übrigens auch nächstes Jahr fünf neue Modelle auf den Markt bringen. Außerdem werden wir dieses Jahr unseren globalen Wachstumskurs fortsetzen. Immerhin haben wir mittlerweile einen Marktanteil weltweit von fünf Prozent.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie wollen Sie diesen Aufschwung durchhalten?
Wir agieren global. Mittlerweile produzieren wir mehr Autos außerhalb Koreas als innerhalb. Wir haben gerade eine neue Fabrik in Sankt Petersburg eröffnet und haben mit dem Bau einer weiteren in Brasilien, Südamerika begonnen. Trotzdem werden wir vermutlich nicht genug Autos produzieren können, um die Nachfrage befriedigen zu können. Das zeigt, dass unser Wachstum nicht nur an eine Region wie zum Beispiel China gekoppelt ist.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Das ist doch nicht die ganze Wahrheit …
Wir haben unsere Kosten wirklich im Griff. Weil wir unsere Kapazitäten richtig einsetzen. Zum Beispiel bauen wir kleine Autos nicht in Westeuropa, sondern in Indien. Dort liegt auch das Kompetenz-Zentrum für diese Modelle. Wir gehen davon aus, dass dieses Jahr alle Märkte bis auf Europa weiter wachsen. Und wir wollen dabei sein.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Was heißt das konkret?
Wir wollen weltweit die Profitabilität unserer Marke erhöhen. Das wird von Markt zu Markt natürlich unterschiedlich sein. Das bedeutet aber nicht, dass wir Wachstum um jeden Preis wollen. Uns geht es vor allem um eine substantielle gesunde Geschäftsentwicklung. In Genf haben wir ja nicht nur neue Autos, sondern auch unsere neue Strategie vorgestellt.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie erwähnten die Profitabilität. Sie wollen auch die Qualität weiter verbessern. Das kostet Geld. Wie wollen Sie die Gewinnspanne erhöhen?
Der Schlüssel dazu ist die Stückzahl. Deswegen müssen wir vor allem in Europa den Bekanntheitsgrad erhöhen. Momentan identifizieren nur 20 Prozent der Menschen in Europa Hyundai spontan als Auto-Hersteller. Bei Toyota ist der Wert mehr als doppelt so hoch. Stellen Sie sich vor, welche Umsatzsteigerung wir hätten, wenn wir diesen Wert nur um beispielsweise drei Prozent erhöhen könnten.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Immerhin ist Hyundai Sponsor der Fußball-Weltmeisterschaft. Das sollte doch genug Aufmerksamkeit bringen …
Das ist auch so. Jetzt geht es aber auch um die Werte, die man mit Hyundai assoziiert. Das sind Werte wie Qualität, Preis-Leistungs-Verhältnis und so weiter. Das animiert die Leute zum Kauf. Ein i30 zum Beispiel ist genauso groß, wie ein Audi A3, wiegt genauso viel, hat eine ähnliche Motorenpalette, identische Emissionswerte und kostet deutlich weniger. Da geht es um die Marke. Das ist doch heutzutage die entscheidende Frage: Wie beeinflusse ich das Marken-Profil positiv.

Premiere in Genf: Hyundai stellt den neuen i40 vor. - Bild: Jürgen Wolff
AUTOMOBIL PRODUKTION: Also wollen Sie in Europa als Konkurrent zu Audi auftreten? Immerhin lancieren Sie ja im Herbst eine Hyundai–Premium-Marke …
So wollen wir das Markenbewusstsein schärfen, indem wir zeigen, dass wir durchaus in der Lage sind, Premium-Autos zu bauen. Wir denken da gar nicht an die Verkaufszahlen – wir wären glücklich, wenn wir in diesem Jahr 100 Equus absetzten – sondern setzen auf die technische Strahlkraft der New–Premium Linie.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie wird die heißen?
Der Name der Premium-Linie wird Genesis sein. Sie dürfen das nicht als separate Marke betrachten. müssen das aber als eine Art Tochtermarke sehen. Deswegen wird immer Hyundai im Namen auftauchen – also Hyundai Genesis. Wir werden auch den Vertrieb über ausgewählte Händler laufen lassen.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Was sind Ihre operativen Ziele?
Weltweit haben wir einen Marktanteil von knapp über fünf Prozent. In Europa sind es 2,6 Prozent. Also gibt es noch Platz für Verbesserungen. Unsere Marke hat bisher zwei Entwicklungs-Phasen durchgemacht. Am Anfang haben wir günstige Autos verkauft. Ab 1999 konzentrierten wir uns darauf, die Qualität unserer Fahrzeuge zu verbessern. Jetzt geht es darum, dass Merkmale, wie Qualität und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis auch im Bewusstsein der Menschen ankommen. Genau da setzt die neue Markenstrategie an. Deswegen werden wir am Auftritt unserer Händler und der Corporate Identity feilen.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie schaut das genau aus?
Wir reden hier von ganz grundlegenden Elementen des Corporate Design, wie Showrooms, Gebäude und Möbel. Ein weiterer Punkt sind die Prozesse. Da sind die deutschen Hersteller besonders gut. Da geht es eben auch um die Menschen, dass zum Beispiel ein Mechaniker seine Kunden kennt.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Wird sich die Händler-Struktur ändern?
Wir haben noch ein paar weiße Flecken auf unserer Händler-Landkarte. Die müssen wir schließen. Aber wir müssen die Kandidaten besonders gut aussuchen.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Momentan haben Sie etwa 2500 Händler in Europa wie viel sollen es denn letztendlich sein?
Wir haben 3000 im Auge. Allerdings wollen wir organisch wachsen, indem wir den guten Händlern mehr Einfluss und Möglichkeiten geben. Außerdem wollen wir Händler anderer Marken für uns gewinnen.
AUTOMOBIL PRODUKTION: Wann soll die Umstrukturierung beendet sein?
Bis 2015 sollten wir das hinbekommen.







