Stabile Beschäftigung und höherer Umsatz

05.05.2011, 9:30 Uhr

Die mutige Strategie der deutschen Zulieferer, in der Krise die Stammbelegschaften an Bord zu halten, hat sich als richtig erwiesen.

Matthias Wissmann

Matthias Wissmann: Mutige Strategie der Zulieferer hat sich ausgezahlt. - Bild: VDA



„So liegt der Beschäftigungsstand der deutschen Automobilzulieferer
mit über 285.000 Mitarbeitern derzeit wieder auf dem Niveau des Jahres 2009. Gleichzeitig konnten die Zulieferer allerdings ihren Umsatz erheblich steigern: um 24 Prozent auf knapp 62 Milliarden Euro im Jahr 2010.

Auch in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres erreichten diese Unternehmen ein Umsatzwachstum von rund einem Viertel. Erfreulich ist zudem, dass das Wachstum sowohl im Inland – plus 19 Prozent – als auch auf den internationalen Märkten – plus 34 Prozent – erfolgt“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf dem 11. VDA-Mittelstandstag in Gravenbruch.

Nach den Erfahrungen der Finanzkrise seien die Unternehmen der deutschen Automobilindustrie im aktuellen Aufschwung noch umsichtiger geworden. Alle seien sich bewusst: „Eine anhaltend positive weltwirtschaftliche Entwicklung ist keineswegs ausgemachte Sache. Die deutsche Automobilindustrie ist weltweit auf Wachstumskurs. Allerdings ist der Weg aus dem Tal heraus steinig und nicht ohne Risiken“, so Wissmann.

Besonders die explodierenden Rohstoffpreise bereiten vielen Betrieben Kopfschmerzen. So hat sich der Preis für Eisenerz innerhalb eines Jahres fast verdoppelt: Von 74 Euro/Tonne auf aktuell 140 Euro/Tonne. Innerhalb des gleichen Zeitraumes verteuerte sich eine Tonne Kautschuk um knapp 50 Prozent. Der Preis für eine Tonne Kupfer legte um knapp ein Viertel zu. „Hinzu kommt, dass der weltweite Ölpreis unter dem Einfluss der Unruhen in Nordafrika und den anhaltenden Spannungen auf der arabischen Halbinsel steht“, betonte Wissmann. Der VDA-Präsident wies auch auf den Inflationsdruck aufgrund der stark wachsenden Nachfrage aus Ländern wie China oder Indien und der konjunkturellen Erholung in den Industrieländern hin.

Angesichts der Entwicklung an den Rohstoffmärkten sowie den steigenden Anforderungen ihrer Kunden sei die Zulieferindustrie gefordert, flexibel zu reagieren. Faire Gespräche sowie eine vertrauensvolle und langfristig angelegte Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette seien wichtige Voraussetzungen für den gemeinsamen Erfolg von Herstellern und Zulieferern. Der VDA stelle dabei die Plattform für den gegenseitigen Austausch dar, unterstrich Wissmann.

Im Zusammenhang mit der Energiedebatte betonte Wissmann: „Der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Umstellung des Energiemixes können nicht über Nacht von statten gehen. Vielmehr werden die notwendigen Investitionen in neue Energiequellen und in die Infrastruktur erhebliche Kosten verursachen, die finanziert werden müssen. Schon heute aber gehört der deutsche Strompreis zu den höchsten weltweit, nicht zuletzt durch staatliche Abgaben. Wir brauchen ein tragfähiges Konzept: Die Gewährleistung einer verlässlichen und bezahlbaren Energieversorgung ist ein immens wichtiger Faktor im harten internationalen Wettbewerb.“

Die Industrie stehe für fast 90 Prozent der deutschen Exporte. Zudem erfolgten in der Industrie über 90 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsausgaben der deutschen Wirtschaft. „Wie akut dieses Thema ist, zeigt die Entscheidung der SGL Carbon, die Produktion von Kohlefasern energiekostenbedingt nicht hierzulande, sondern in den USA anzusiedeln“, unterstrich Wissmann.

Insbesondere dürften steigende Energiekosten nicht dazu führen, dass den Unternehmen die finanziellen Mittel fehlten, um weiterhin auf hohem Niveau in Forschung und Entwicklung investieren zu können: „Dies ist der einzige Weg, um die Spitzentechnologien zu entwickeln, die uns helfen, den klimatischen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. Jede zusätzlich erhobene Abgabe, die den unternehmerischen Spielraum für diese FuE-Anstrengungen einschränkt, erweist der Umwelt einen Bärendienst“, sagte Wissmann.

Wie erfolgreich die deutschen Hersteller und Zulieferer beim Thema „nachhaltige Mobilität“ sind, zeigten objektive Zahlen: So sind aktuell mehr als 300 deutsche Pkw-Modelle im Angebot, die weniger als 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen; das entspricht einem Verbrauch von rund 5 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. „Zudem ist die deutsche Automobilindustrie bei der CO2-Effizienz führend: In zehn von zehn Fahrzeugsegmenten weisen die neu zugelassenen Pkw deutscher Marken im Durchschnitt geringere CO2-Werte als die Importeure auf“, sagte Wissmann.

Deutsche Hersteller und Zulieferer investierten pro Jahr rund 20 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, die Hälfte davon in Umwelttechnologien. „Es ist diese Innovationsdynamik, die die deutsche Automobilindustrie kennzeichnet – und sie weltweit so erfolgreich macht“, unterstrich Wissmann.

 

 

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