Drängler aus Detroit: Warum GM ein Problem mit Opel hat

12.06.2011, 15:55 Uhr

Neue heile GM-Welt, alte Sorgen bei Opel. Zwei Jahre nach der Insolvenz erstrahlt der US-Autokonzern General Motors in neuem Glanz.

GM Flagge

Die Verkäufe boomen, die Gewinne sprudeln, es herrscht Aufbruchstimmung - wenn da nur die deutsche Tochter Opel mit ihren anhaltenden Verlusten nicht wäre. Seit langem ist GM unzufrieden mit der Entwicklung bei Opel, nun haben Verkaufsgerüchte die Opelaner aufgeschreckt. - Bild: dpa

Ein Dementi aus Detroit kam bislang nicht, GM lässt die Spekulationen laufen – weil bereits ein Angebot für Opel vorliegt? Nach einem “Welt”-Bericht hat der chinesische Autobauer BAIC seine Fühler ausgestreckt mit dem Ziel, Opel zu übernehmen. Hält sich GM diese Option also offen? Opel-Betriebsräte wettern, durch die Verkaufsgerüchte werde der Ruf des Autobauers beschädigt.

Daniel Akerson

Daniel Akerson: Wir müssen gewinnen. Und wir wollen das Europageschäft nachhaltig profitabel machen. - Bild: GM

Die Manager in der gläsernen Konzernzentrale in Detroit reden öffentlich nur ungerne über Opel und deren britische Schwestermarke Vauxhall. Denn viel Positives gibt es aus geschäftlicher Sicht kaum zu sagen über den deutschen Autobauer. Zwar steigt der Absatz, im vergangenen Jahr aber stand ein Verlust von rund 1,8 Milliarden Dollar im Europageschäft. In der gleichen Zeit haben die GM-Werker im Rest der Welt satte 8,8 Milliarden Dollar verdient.

“Wir müssen gewinnen”, lautet die Parole von Konzernchef Daniel Akerson. Im Interview mit der Lokalzeitung “Detroit News” zählte er vor einer Woche die Ziele auf, die er sich für seine Amtszeit gesetzt hat – darunter: “Ich will das Europageschäft nachhaltig profitabel machen.”

Der Absolvent der Navy-Akademie und langjährige Telekommunikations-Manager steht im Ruf, zuzupacken. Er schreckt dabei auch vor unbequemen Entscheidungen nicht zurück. Das hat schon so mancher altgediente Manager in der GM-Zentrale zu spüren bekommen. “Du kannst nicht um fünf ausstempeln und nach Hause gehen. Und das war die Kultur hier”, klagte Akerson.

In den USA haben er und sein Vorgänger Ed Whitacre nach der Insolvenz 2009 rigoros aufgeräumt. Nun scheint sich das Management verstärkt Europa zuzuwenden. An die Werke müsse man noch einmal ran, sagte Akerson der Lokalzeitung: “Wir werden sie nicht schließen, aber wir müssen sie verkleinern.”

Von Verkaufen war da keine Rede. Und doch halten Branchenkenner das Szenario für durchaus denkbar. Denn Akerson und Opel scheinen nicht zusammen zu passen. Der 62-jährige will schnell Resultate sehen. Opel aber wandelt sich aus GM-Sicht nur im Schneckentempo: Die Verhandlungen über einen Arbeitsplatzabbau zogen sich über Monate hin, immer wieder schießt der mächtige Betriebsrat quer, und mit Gewinnen ist erst im kommenden Jahr zu rechnen.

In der Krise werden Baustellen geschlossen

Dan Akerson

Akerson und Opel scheinen nicht zusammen zu passen. Der GM-Chef will schnell Resultate sehen. Opel aber wandelt sich aus seiner nur im Schneckentempo. - Bild: GM

Bei GM in Detroit herrscht ein anderes Tempo: Am 1. Juni 2009 schlittert der Autokoloss in die Insolvenz. Die US-Regierung springt mit 50 Milliarden Dollar in die Bresche, und schon am 10. Juli gelingt GM der Neustart, befreit von alten Schulden und überzähligen Mitarbeitern. Nacheinander werden die unrentablen Marken Saturn, Pontiac, Hummer und Saab abgestoßen. Alles geht Schlag auf Schlag, Kritik kommt kaum auf, es geht schließlich ums nackte Überleben.

Das GM-Management geht eine Baustelle nach der anderen an – nur an Opel beißen sich die Konzernoberen die Zähne aus. 2009 will GM die Tochter schon einmal verkaufen und macht erst im letzten Moment einen Rückzieher – nicht weil die Manager plötzlich ihr Herz für Opel entdeckt haben, sondern weil sie auf das technologische Know-how nicht verzichten wollen. Später verlangt GM deutsche Staatshilfen für die Sanierung von Opel; nach massiven Widerständen in der Politik gibt Detroit aber entnervt auf und zahlt selbst.

Nun wächst der Druck auf Opel. Da spielt es auch keine Rolle, dass ein Teil der Probleme von GM selbst zu verantworten sind: Die Konzernmanager haben Opel über Jahrzehnte den Zugang zu Boom-Märkten wie China verwehrt, und dann haben sie mit Daewoo und später Chevrolet auch noch einen Billigrivalen direkt vor Opels Haustür aufgebaut.

Akerson gehört seit 2009 zu denen, die in Detroit mitentscheiden. Der 62-Jährige sitzt seit dem Neustart von GM im Verwaltungsrat, dem obersten Konzerngremium, seit September vergangenen Jahres ist er GM-Chef. Nach eigener Aussage will Akerson diesen Job drei bis vier Jahre machen – Opel hat nicht viel Zeit, sich zu beweisen.

dpa-AFX/kru

 

 

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