BMW führt im deutschen Oberklasse-Dreikampf

02.08.2011, 21:27 Uhr

Norbert Reithofer macht sich nicht viel aus markigen Worten und lautem Eigenlob. Doch so viele Rekorde bricht auch BMW nicht jeden Tag.

BMW i8

Unternehmen Zukunft: Die beiden Konzeptstudien i3 und i8 sind wichtige Eckpfeiler in den Plänen der Münchener, im Bereich alternativer Antriebe zu wachsen und den rigideren Emissionsvorschriften der Zukunft Rechnung zu tragen. - Bild: BMW

Umsatz, Gewinn, Absatz, Rendite – der Münchner Autobauer steht im zweiten Jahr nach der Krise so gut da, dass die ebenfalls glänzenden Zahlen der beiden Erzrivalen Daimler und Audi fast ein wenig blass leuchten.

Norbert Reithofer

Norbert Reithofer: "Wir sind auf einem guten Weg, auch 2011 der weltweit führende Premiumhersteller zu bleiben." - Bild: BMW

Wettstreit ist kein Selbstläufer

“Wir sind auf einem guten Weg, auch 2011 der weltweit führende Premiumhersteller zu bleiben”, sagt Reithofer am Dienstag in München.

Fast nebenbei macht er damit klar, was an den drögen Zahlen in Geschäftsberichten selten so deutlich abzulesen war, wie nach dem ersten Halbjahr: BMW hat Daimler und Audi abgehängt und bleibt auf Sicht das Maß der Dinge.

Doch der Wettstreit der drei deutschen Nobelmarken ist beileibe kein Selbstläufer. Das weiß auch Reithofer. Er verfolgt eine klare, seit langem ausgetüftelte Strategie. Der kräftige Aufschwung nach der Krise hat geholfen, doch die Bayern haben ihre Hausaufgaben gemacht, Kosten gesenkt, Prozesse vereinfacht, eine funktionierende Kompaktwagenstrategie und Kooperationen bei Einkauf oder Motorenbau etabliert.

Jetzt erntet Reithofer die Früchte der Strategie “Number One”. Doch Risiken gibt es genug, und in Stuttgart und Ingolstadt will man BMW nicht kampflos davonfahren lassen – im Gegenteil.

Rupert Stadler Audi

Rupert Stadler: "2014, ein Jahr früher als zunächst geplant, soll die Marke von 1,5 Millionen verkaufter Autos fallen." - Bild: Audi

Langfristig an BMW vorbeiziehen

Vor allem bei der VW-Tochter Audi dürften die BMW-Zahlen den Ehrgeiz noch einmal anheizen. Konzernchef Rupert Stadler hatte im vergangenen Jahr bei der überraschend guten Bilanz des Krisenjahres 2009 das Ziel bekräftigt, selbst an die Spitze stürmen zu wollen. Die Zeiten, sagte Stadler damals, hätten sich geändert. “Wir sind nicht mehr Jäger, wir sind die Gejagten.”

Noch immer will Audi langfristig an BMW vorbeiziehen, doch beim Zeitplan hält man sich in Ingolstadt mittlerweile eher bedeckt. Soviel ist klar: 2014, ein Jahr früher als zunächst geplant, soll die Marke von 1,5 Millionen verkaufter Autos fallen. Die wird BMW bereits in diesem Jahr wohl deutlich überbieten.

Stuttgarter wollen auf die Pole

Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche hat noch einige Pfeile im Köcher. “Wir fahren noch nicht im höchsten Gang. Wir können noch mehr”, sagte der Manager jüngst. Seinen Mitarbeitern machte er kurz darauf klar, was er erwartet: “Auf Dauer können und werden wir uns nicht mit einem guten zweiten oder gar dritten Platz zufrieden geben”, schrieb er der Belegschaft.

Dr. Zetsche

Dieter Zetsche: "Wir sind Daimler - wir wollen ganz nach vorn." - Bild: Daimler

Große Hoffnungen lasten auf der Kompaktwagenfamilie, die der eher altbackenen A- und B-Klasse folgen soll. Dank Produktion in Ungarn und gleicher Bauteile sollen die Neuen Gewinnbringer werden. “Wir sind Daimler – wir wollen ganz nach vorn”, erinnerte Zetsche im Jahr des 125-jährigen Jubiläums. “Und wenn es dafür etwas braucht, was wir noch nicht haben, dann werden wir es angehen und aufbauen.”

Nach den schmerzhaften Milliardenverlusten in der Krise weiß Zetsche, dass gute Zahlen hart erarbeitet werden müssen – und die Umstände das Geschäft noch erschweren können. Schon vor einigen Wochen deutete er auf “einige Wolken am blauen Himmel”.

Weltweite Schuldenkrisen als Unsicherheitsfaktor

Sorgen bereitet den Automanagern vor allem die Unsicherheit der Finanzmärkte angesichts der Schuldenkrisen in Europa und den USA oder der Naturkatastrophe in Japan. Auch auf den China-Boom will sich langfristig keiner alleine stützen. Deshalb strebe man ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Märkten an, wiederholt BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner bei jeder Gelegenheit.

Auch Reithofer und Stadler wissen um die Gefahren. Die tiefen Einschnitte der Krise sind nicht lange her, auch wenn der Boom der Autoindustrie die tristen Zahlen rasch vergessen ließ. Wachsende Rohstoffkosten und das teure Rennen um möglichst umweltfreundliche Technik machen das Geschäft ebenfalls nicht einfacher.

Und so bleibt BMW lieber weiter vorsichtig: So soll am Jahresende die für Anleger wichtige Umsatzrendite zweistellig ausfallen. Bescheiden, wenn man bedenkt, dass es im ersten Halbjahr schon satte 13,3 Prozent waren. Audi schaffte ebenfalls starke 11,8 Prozent. Bronze geht an die Autosparte von Daimler mit 10,0 – was durchaus auch als solide gilt. Ob die Verteilung so bleibt, wird sich zeigen.

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dpa-AFX/kru

 

 

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