Der Automobilbranche droht die Stagnation

14.08.2011, 19:45 Uhr

Einem Medienbericht zufolge müssen sich die derzeit von Sonderschichten und Rekordzahlen verwöhnten Automobilhersteller schon 2012 wieder auf härtere Zeiten einstellen.

BMW Verschiffung USA

Noch brummen die Automärkte, doch schon heute zeichnet sich eine Abkühlung ab. - Bild: BMW

In Zeiten boomender Automärkte klingt die vom “Handelsblatt” vorab veröffentlichten Studie des CAR-Centers Automotive Research der Uni Duisburg-Essen beinahe wie Schwarzmalerei. Das Institut revidiert die Prognose für den Welt-Pkw-Markt für das kommende Jahr angesichts der wachsenden Konjunkturrisiken nun erstmals deutlich nach unten.

Aufgrund der Instabilität der Finanzmärkte und der zu erwartenden Rückgänge im Wirtschaftswachstum in wichtigen Märkten „muss im Jahr 2012 mit einer deutlichen Abkühlung der weltweiten Automobilkonjunktur gerechnet werden“, lautet die Prognose des Duisburger Instituts um Prof. Ferdinand Dudenhöffer.

Prof. Ferdinand Dudenhöffer

Ferdinand Dudenhöffer: "2012 muss mit einer deutlichen Abkühlung der weltweiten Automobilkonjunktur gerechnet werden." - Bild: CAR

Die Konjunkturdelle wird 2012 kommen

Der Welt-Pkw-Markt würde nach Jahren des Wachstums nächstes Jahr nur noch bei etwa 60 Millionen stagnieren, heißt es in der Studie. Vor fünf Monaten hatte das CAR Center noch ein deutliches Plus von mehr als fünf Millionen Pkw prognostiziert.

Zwar sehen die Experten die Autoindustrie mittel- und langfristig weiter auf einem Wachstumspfad, doch für das kommende Jahr droht den Herstellern damit eine Atempause. Angesichts der Naturkatastrophe in Japan, der Unruhen in Nordafrika, die Schuldenkrise in Griechenland und Italien, der Rezessionsangst in den USA, den steigenden Rohstoffpreisen und den deutlichen Schwankungen an der Börse sieht sich der Weltmarkt mit Unsicherheitsfaktoren konfrontiert, die 2012 in der erfolgsverwöhnten Autoindustrie ihre Spuren hinterlassen werden.

Von einem Einbruch ist die Branche noch weit entfernt, doch von zweistelligen Zuwachsraten weltweit müssen sich die Hersteller offensichtlich vorerst verabschieden. „Bei der Wachstumsdynamik sind wir auf dem konjunkturellen Höhepunkt oder haben ihn bereits überschritten“, urteilt Deutsche-Bank-Analyst Eric Heymann.

Auch die deutschen Autobauer richten sich bereits auf schwierigere Zeiten ein. “Die Märkte werden volatiler”, warnte BMW-Konzernchef Norbert Reithofer bei der Vorlage der Rekordquartalszahlen vor wenigen Tagen. “Die hohen Ebit-Margen werden wir mit Sicherheit nicht fortschreiben können”, fügte Finanzchef Friedrich Eichiner hinzu. Der Gipfel des Wachstums ist überschritten, das ist die Botschaft aus den Unternehmen.

Europas größter Autobauer Volkswagen profitiert von einer robusten Aufstellung: Die Deutschen dominieren ihren Heimatmarkt mit einem Anteil von mehr als einem Drittel, liegen in den Schwellenländern China und Brasilien bei den Pkws vorn und machen in den USA Boden gut – alles Automärkte, für die eine aktuelle Studie von Barclays Capital weiteren Zuwachs erwartet.

Wachstum schwächt sich bereits ab

Zwar werde sich im Jahr 2011 noch ein neuer absoluter Verkaufsrekord im Weltautomobilmarkt einstellen, sagt Ferdinand Dudenhöffer voraus. Der größere Teil der Zuwächse sei allerdings bereits im ersten Halbjahr erwirtschaftet worden. Den Beweis dafür liefern derzeit alle Hersteller und überbieten sich monatlich mit immer neuen Rekordwerten bei Absatz und Umsatz. Doch im Juli musste Porsche den ersten Rückgang im Monatsvergleich vermelden. Es kühlt sich also langsam ab.

Erst nach 2012 werde der Weltautomobilmarkt wieder auf einen neuen, niedrigeren Wachstumspfad einschwenken, so der Duisburger Experte.

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Handelsblatt/kru

 

 

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