Volkswagen muss selbstbewusste Lkw-Bauer versöhnen

01.08.2011, 14:06 Uhr

Neue Geschwister in der Wolfsburger Familie: MAN und Scania sind zwei Konkurrenten, denen es nicht an Selbstbewusstsein fehlt.

MAN Lkw breit

Welcher der stolzen Traditionskonzerne im Schwerlastgeschäft demnächst den Hut aufhat und ob VW diese Rolle überhaupt vergibt, bleibt unklar. - Bild: MAN

Beide Lastwagenbauer stehen derzeit glänzend da, die Nachfrage wächst nach den Einbrüchen der Krise wieder kräftig. Doch während die Schweden bereits zur großen Volkswagen-Familie gehören, steht MAN dieser Weg noch bevor.

Pachta-Reyhofen

Pachta-Reyhofen: MAN und Scania werden sich bei der Entwicklung von markenrelevanten Teilen weiter unterscheiden und "getrennt marschieren". - Bild: MAN

Sobald die EU ihren Segen gegeben hat, halten die Wolfsburger knapp 56 Prozent an MAN. Und so dürfte es am Donnerstag für MAN-Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen wohl die letzte Halbjahres-Pressekonferenz an der Spitze eines eigenständigen Unternehmens gewesen sein. Unter dem Dach von VW werden sich die Rivalen nach einigen Rangeleien in der Vergangenheit künftig vertragen müssen – wohl keine leichte Aufgabe.

Wie genau am Ende die von VW so lange gewünschte Lkw-Allianz unter Wolfsburger Führung aussieht, ist noch nicht bekannt. Für Pachta-Reyhofen ist die Rollenverteilung allerdings klar. So werden sich MAN und Scania bei der Entwicklung von markenrelevanten Teilen weiter unterscheiden und “getrennt marschieren”. Schenken werden sich Pachta-Reyhofen und sein schwedischer Kollege Leif Östling wohl nichts. “Wir werden weiter als Wettbewerber im Markt auftreten”, sagt Pachta-Reyhofen und betont das Selbstbewusstsein der Münchner – mit hervorragenden Halbjahreszahlen und guten Aussichten im Rücken.

Welcher der stolzen Traditionskonzerne im Schwerlastgeschäft demnächst den Hut aufhat und ob VW diese Rolle überhaupt vergibt, bleibt unklar. VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch wollte nach der Vorlage der jüngsten Konzernzahlen jedenfalls noch nicht aus der Deckung kommen. “Wir freuen uns sehr über das Ergebnis unseres Übernahmeangebots”, sagt er. Man habe ein Verhältnis der “engen Koordination” mit den Wettbewerbshütern. In der zweiten Jahreshälfte soll deren Entscheidung kommen. Zu den künftigen Strukturen wollen sich die Wolfsburger aber vorerst nicht äußern.

Da sind ja noch die VW-Nutzfahrzeuge…

Dabei hat der VW-Konzern mit Jochem Heizmann längst einen Vorstand, der das Nutzfahrzeuggeschäft verantworten soll. Offen ist, wie genau das später aussehen wird. Und ebenso offen bleibt die Frage, wie die bestehende Nutzfahrzeug-Marke der Wolfsburger – deren Produkte bei den Lastwagenbauern auch mal ein wenig herablassend als “Bäckerwagen” abgetan werden – in das Konzept eingefügt wird. Klar ist bislang nur: MAN wird zunächst die Marke Nummer elf im VW-Reich und mit seiner Dieselmotoren-Sparte und allen Standorten erhalten bleiben.

Leif Östling

Auch in Zukunft werden sich Schenken werden sich Scania-Chef Leif Östling (Bild) und sein Kollege Pachta-Reyhofen von MAN wohl nichts schenken. - Bild: SKF

Analysten warten weitere Planungen ab

“Man wird mit den genauen Planungen abwarten, bis man das Go aus Brüssel bekommt”, schätzt auch der Analyst Marc-René Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg. “Danach wird man sich angucken, wie die Realisierung der Synergien vonstattengehen kann – auch in Abhängigkeit davon, wie gut MAN und Scania zusammenarbeiten.” Wie hoch die möglichen Einsparungen sein werden, will Pachta-Reyhofen nicht schätzen. Vor allem bei der “vorwettbewerblichen” Forschung und Entwicklung werde MAN eng mit Scania kooperieren. Aber auch im Baukasten von VW könnten sich die Lastwagenbauer bedienen – etwa bei Assistenzsystemen aus normalen Autos, die MAN und Scania so viel billiger bekämen.

Am Ende wird viel davon abhängen, wie sich der Ton zwischen Schweden und Bayern entwickelt, auf der Ebene des Vorstands ebenso wie auf der Arbeitsebene, dort vor allem bei den Ingenieuren. “Je reibungsloser es läuft, desto eher kann man partnerschaftliche Strukturen fahren”, betont Autoexperte Tonn. Wenn die Konflikte hinter den Kulissen allerdings anhalten sollten, müsse es “eine klare Führung geben, die bestimmt, wo es lang geht”.

Für Volkswagen bleibt das Lkw-Geschäft wohl erst einmal eine durchaus heikle Baustelle, denn VW muss auch die Balance zwischen leichten und schweren Nutzfahrzeugen neu austarieren. “Die Rolle der eigenen Nutzfahrzeuge darf nicht zu eingeschränkt bleiben, weil sie eine große Nähe zum Pkw-Geschäft haben”, gibt Tonn zu bedenken.

Scania Lkw breit

Bild: Scania

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dpa-AFX/kru

 

 

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