Automobilindustrie: Auf Rekordjahr 2011 folgt Bremsmanöver
Die Automobilindustrie in Deutschland wird 2011 mit einigen neuen Rekorden abschließen: Mit knapp sechs Millionen Einheiten dürften hierzulande mehr Pkw produziert werden als jemals zuvor.

Quelle: Statistisches Bundesamt
Auch die Pkw-Exporte klettern mit einem Plus von rund sechs Prozent im laufenden Jahr auf ein neues Allzeithoch: Dabei zeigt sich die Nachfrage von außerhalb der Eurozone besonders dynamisch. Im bisherigen Jahresverlauf führten die deutschen Autobauer ohnehin nur noch knapp ein Drittel der Autos ins Euroland aus.
Erholung im Inlandsmarkt
Der Inlandsmarkt erholt sich 2011 von den starken Rückgängen der Nachfrage nach dem Ende der Abwrackprämie: 2011 dürften etwa 10 Prozent mehr neue Pkw zugelassen werden als im Vorjahr. Damit würde das absolute Niveau knapp unter dem Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2008 liegen. Schließlich entwickelt sich auch die Nutzfahrzeugkonjunktur im laufenden Jahr sehr erfreulich.
Die positive Entwicklung spiegelt sich im Produktionsindex der deutschen Automobilindustrie wider, der die Fertigung der Kfz-Zulieferer sowie das qualitative Wachstum der Branche einschließt: Er dürfte 2011 um real etwa 14 Prozent zulegen (2010: +25,3 Prozent) – und damit ebenfalls einen Rekordwert erreichen.
Deutsche Marken erfreuen sich großer Beliebheit
Die Gründe hierfür liegen vor allem in der weltweit großen Beliebtheit deutscher Marken: In allen wichtigen Automärkten konnten deutsche Hersteller ihren Marktanteil halten oder ausbauen. Dies wurde durch die Anfang 2011 noch sehr gute gesamtwirtschaftliche Lage in vielen Ländern begleitet.

Quelle: ifo Institut
Zudem wurde die Pkw-Nachfrage in einigen Ländern (z.B. China, Russland) noch bis ins erste Halbjahr 2011 hinein durch staatliche Programme gestützt; schon 2010 wurde das Exportwachstum der Branche durch Subventionen in einigen Staaten stimuliert.
Moderater Zuwachs erst wieder ab Mitte 2012
Die deutsche Automobilindustrie befindet sich derzeit auf ihrem konjunkturellen Höhepunkt. Die inländische Produktion in der Branche tendierte bis zuletzt nach oben, der Wachstumspfad flachte in den letzten Monaten jedoch ab; dies gilt auch für die Auftragseingänge. Für den Rest von 2011 und die ersten Monate von 2012 rechnen wir tendenziell mit einer „Seitwärtsbewegung“ bei der Produktion.
Ab dem 2. Halbjahr 2012 könnte die Fertigung in Deutschland wieder moderat zulegen, wenn sich die gesamtwirtschaftliche Situation bessert. Insgesamt wird das Wachstum der Automobilindustrie in Deutschland 2012 dann deutlich geringer ausfallen als 2011: Wir rechnen mit einem realen Plus von 2 Prozent, wobei wir einen statistischen Überhang von etwa 1 Prozent unterstellen. Das Risiko eines Rückfalls in die Rezession schätzen wir derzeit als sehr gering ein.
Wichtige Exportmärkte entwickeln sich schwächer
Die wesentliche Ursache für die geringere Dynamik liegt in der schwächeren Entwicklung wichtiger Exportmärkte. So könnte die Pkw-Nachfrage in den USA im nächsten Jahr u.a. aufgrund der anhaltenden Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt sinken. In Russland wird die Nachfrage 2012 wahrscheinlich zurückgehen, weil das staatliche Subventionsprogramm Mitte 2011 ausgelaufen ist.

Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research
Aus dem gleichen Grund dürfte sich in China das Wachstum des Pkw-Absatzes abschwächen. Schließlich dürfte auch die Nachfrage nach Nutzfahrzeugen 2012 in vielen Ländern schrumpfen, wenn auch von hohem Niveau. Allerdings dürfte die Pkw-Nachfrage in Westeuropa im kommenden Jahr zumindest nicht weiter sinken. Und im wichtigen deutschen Markt ist ein leichtes Plus bei den Pkw-Neuzulassungen möglich.
Unternehmen sehen Lage nach wie vor positiv
Das erwartete geringere Produktionswachstum in der Branche deckt sich auch mit den Geschäftserwartungen, die zuletzt erstmals seit Mitte 2009 wieder in den negativen Bereich gerutscht sind. Die Lage in der deutschen Automobilindustrie beurteilen die Unternehmen aber nach wie vor äußert positiv.
Deutsche Bank Research/kru






