Daimler und RenaultNissan bauen Kooperation aus

14.09.2011, 13:59 Uhr

Der Stuttgarter Autobauer Daimler und die französisch-japanische RenaultNissan-Allianz erweitern nach ersten Erfolgen ihre Zusammenarbeit.

Carlos Ghosn und Dieter Zetsche

Carlos Ghosn plant einen neuen Kompaktwagen auf Basis der B-Klasse von Mercedes-Benz. - Bild: Daimler

Eine Produktion im neuen Werk in Ungarn schloss der Daimler-Chef aus. “Die dortigen Kapazitäten brauchen wir für unsere eigenen geplanten fünf Varianten”, sagte Zetsche. Daimler zeigt auf der IAA die neue B-Klasse, die noch zum Jahresende auf den Markt kommt. Im Frühjahr 2012 soll die neue A-Klasse folgen.

Beide Manager lobten die im April 2010 geschlossene Partnerschaft, durch die Entwicklungs- und Produktionskosten gespart werden sollen. Die Teams zeigten viel Motivation und Offenheit, sagte Ghosn. Infiniti wird ab 2013 auch mit Mercedes-Motoren beliefert. Die geplante Stückzahl bezifferte Zetsche auf eine hohe fünfstellige Zahl. Der Daimler-Chef sagte, es gebe derzeit keine Pläne, die Überkreuzbeteiligung von 3,1 Prozent mit RenaultNissan zu erhöhen. Dieser Schritt sollte damals vor allem auch ein Signal nach innen sein, um die Ernsthaftigkeit der Zusammenarbeit zu betonen. “Mancher stuft frühere Partnerschaften von Daimler nicht als Erfolg ein”, sagte Zetsche und spielte damit indirekt auf die gescheiterte Ehe mit dem US-Hersteller Chrysler an. “Wir haben daraus gelernt.”

RenaultNissan verbaut Batterien für Elektroautos von Evonik

Ghosn bestätigte, dass RenaultNissan künftig Batterien für Elektroautos aus Daimlers Gemeinschaftsunternehmen mit Evonik beziehen wird. Gespräche dazu hatte es schon seit rund einem Jahr gegeben. Eines der Flaschenhälse sei die Verfügbarkeit der Batterien, sagte Ghosn. “Wir könnten mehr Fahrzeuge vom Nissan Leaf produzieren, wenn wir mehr Batterien geliefert bekommen.” Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber hatte mehrfach erklärt, größere Stückzahlen ermöglichten, die Kosten pro hergestellten Akku zu senken. Die Lithium-Ionen-Batterien werden auch in der nächsten Generation des E-Smarts eingesetzt. Neben der Reichweite gilt vor allem der hohe Preis der Batterien als Stolperstein bei der Masseneinführung von batteriebetriebenen Elektro-Autos.

Ausgangspunkt der deutsch-französisch-japanischen Partnerschaft war die Neuauflage eines Viersitzers für Daimler-Stadtwagenmarke Smart. Der Viersitzer entsteht auf Basis des Renault Twingo und soll 2014 auf den Markt kommen. Darüber hinaus wird die Mercedes-Modellpalette um einen Stadtlieferwagen auf Basis des Renault Kangoo erweitert. Renault liefert auch kleinere Motoren, die im Verlauf des nächsten Jahres in der neuen Kompaktwagenfamilie eingeführt werden. “Mercedes-Benz hat sehr hohe Ansprüche”, sagte Ghosn. “Wir haben alle Qualitätsprüfungen im Zeitplan geschafft.”

Weitere Felder der Zusammenarbeit denkbar

Es seien auch künftig weitere Felder der Zusammenarbeit denkbar, betonten beide Manager. “Es darf über alles geredet werden”, sagte Zetsche. “Es gibt keine heiligen Kühe”, sagte Ghosn. Die vorgeschlagenen Projekte würden ausführlich geprüft und dann entschieden. Als Beispiel nannte Ghosn Oberklasse-Module von Mercedes-Benz, die für Infiniti interessant sein könnten. Am wichtigsten sei, Überschneidungen bei Investitionen und Technologien zu vermeiden, sagte Ghosn. Gemeinsam verfügten die beiden Unternehmen wahrscheinlich über den größten Etat für Forschung und Entwicklung der Autoindustrie. Laut Angaben aus dem April 2010 rechnen beide Unternehmen durch die Zusammenarbeit mit jeweils zwei Milliarden Euro Kosteneinsparungen in fünf Jahren.

Renault und Nissan bilden seit 1999 ein Bündnis und sind durch eine maßgebliche Kapitalverflechtung verbandelt. Renault hält gut 43 Prozent an Nissan, umgekehrt besitzt Nissan 15 Prozent an Renault. Die Unternehmen haben mit Ghosn den selben Chef und teilen sich Märkte und Kosten. Zum Erfolg der Kooperationen von RenaultNissan sagte Ghosn: “Das Ziel muss immer der beiderseitige Nutzen sein.” Der Manager kündigte an, über die Fortschritte der Zusammenarbeit mit Daimler würde nun regelmäßig auf den abwechselnden Automessen in Frankfurt und Paris berichtet./dct/nmu

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dpa/Dow Jones Newswires/kru

 

 

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