Volkswagen als Meister des viralen Marketings?
VW-Chef Martin Winterkorn, bewaffnet mit Stablampe und Maßband, nimmt ein Modell des gefürchteten koreanischen Konkurrenten Hyundai genau unter die Lupe. Und fühlt sich scheinbar unbeobachtet.

Martin Winterkorn auf Inspektionstour - eine auf den ersten Blick schwer zu erkennende Form des viralen Marketings à la Volkswagen? - Bild: Youtube
Auf den ersten Blick ist es eines dieser klassischen Handy-Videos, die irgendein Unbekannter ins Netz gestellt hat. Wackelige, schlecht ausgeleuchtete Bilder, dumpfer Ton. Ort: der Hyundai-Messestand bei der Frankfurter IAA Mitte September. Immer im Bild: Volkswagens oberster Lenker und Qualitätsfanatiker Martin Winterkorn, der den Golf-Rivalen i30 mit Taschenlampe und Zentimetermaß inspiziert. Zu sehen in einem Youtube-Spot.
Wir können es nicht, die Koreaner schon…
Vier Minuten Wackel-Sequenzen und ein VW-Boss, der zusehends ungemütlicher wird. Als er das Hyundai-Lenkrad in der Höhe verstellt, wird er sauer. “Bischoff, da scheppert nix”, sagt er zum Golf-Designer Klaus Bischoff, der neben ihm sitzt. “BMW kann’s nicht. Wir können’s nicht.” Ja, warum können es dann die Koreaner? Auch Bischoff weiß nicht weiter. Ja, da habe man auch mal eine gute Lösung gehabt, aber die sei zu teuer gewesen.
Mehr als 1,2 Millionen Mal wurde dieser Vierminüter schon geladen. Doch was passiert hier eigentlich? War das eine grandiose Werbung für Hyundai? Oder ging es einfach nur darum, Szenen aus dem Alltag des peniblen Technikfanatikers Martin Winterkorn einer Öffentlichkeit zu zeigen?
Möglich wäre noch eine dritte Option: Das Winterkorn-Video als geschickt in Szene gesetzte Botschaft. Eine auf den ersten Blick schwer zu erkennende Form des viralen Marketings à la Volkswagen. Gedreht nicht etwa von einem zufällig anwesenden Messebesucher, sondern von einem VW-Mitarbeiter auf Geheiß des Konzerns? Wer ist Sidacla?
Vitales Marketing der “besonderen Art”
Bestätigen will VW nicht, dass es sich um virales Marketing handelt. Dementieren aber auch nicht. Stattdessen heißt es sybillinisch: “Es gibt viele Wege, den hohen Qualitätsanspruch bei VW unter Beweis zu stellen.”
Einer davon: Virales Marketing, jene subtile Art, hintergründige Botschaften in sozialen Netzwerken zu platzieren. Auftritte im Internet, die erst mal mehr Fragen aufwerfen als zu beantworten – und gerade deshalb schnell die Runde machen.
Das muss allerdings nicht heißen, dass es sich bei Winterkorns Autoinspektion insgesamt nur um eine einzige Inszenierung handelt. Der technikverliebte Vorstandschef wirkt jedenfalls sehr authentisch. Und bekannt ist auch, dass die starken Koreaner dem VW-Oberen schon länger ein Dorn im Auge sind.
Hyundai sieht Video als Auszeichnung
Bei den Koreanern freut man sich über den Erfolg des IAA-Videos. “Es ist eine Auszeichnung für uns”, heißt es bei Hyundai Deutschland. Allerdings sei man “sehr überrascht” gewesen, als Winterkorn und seine Leute zur Stippvisite kamen. Und noch überraschter, als das Ganze dann auch noch bei Youtube zu sehen war.
Die kurzfristige und kurzweilige Aufmerksamkeit der Netzgemeinde war Europas größtem Autobauer jedenfalls sicher.
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SZ/Thomas Fromm/kru






