Forum Graz 2011: ElringKlinger setzt auf einen globalen Fertigungsverbund

21.10.2011, 9:43 Uhr

Den zweiten Kongresstag in Graz startet ElringKlinger-Chef Dr. Stefan Wolf. Er beleuchtet die globale Fahrzeug-Produktion aus Sicht der Zulieferer und zeigt den Lösungsweg, den sein Unternehmen geht.

Stefan Wolf

Stefan Wolf: "Durch die starken Investitionen der Vorjahre und unsere Kompetenzen in der Entwicklung verfügen wir über eine volle Produkt-Pipeline, um langfristig profitabel zu wachsen."

Der Zylinderkopfdichtungs- und Abschirmsysteme-Spezialist mit einem Jahresumsatz 2010 von 796 Millionen Euro soll laut seinem Chef Dr. Stefan Wolf alle zehn Jahre seinen Umsatz profitabel verdoppeln. D. h. Wolf will jedes Jahr um mindestens fünf bis sieben Prozent zulegen, um gesund zu wachsen. Dazu werden auch Zukäufe getätigt, zuletzt im Bereich der Abgasnachbehandlung.

Die 5.600 ElringKlinger-Mitarbeiter sind heute in allen wesentlichen Märkten vertreten. Laut Wolf sind mittelfristig nur noch Investments für neue Standorte in Indonesien und Russland geplant.

2011 sind rund eine Milliarde Euro Umsatz möglich. Die EBIT-Marge des Unternehmens lag 2010 bei 13,4 Prozent, andere Zulieferer erreichen im Schnitt 5,8 Prozent. Für 2011 sind 15 bis 16 Prozent EBIT-Marge von ElringKlinger angestrebt. Ziel sei es laut Dr. Wolf, zehn Prozent über der restlichen Zulieferbranche zu bleiben. Man vergleiche die Daten von über 200 anderen Lieferanten. Das gute, hohe Ergebnis schaffe zwar bei OEM-Kunden mitunter Begehrlichkeiten. Aber Dr. Wolf bestätigt, das Unternehmen liefere zu wettbewerbsfähigen Preisen und lasse sich geschaffene Vorteile über seinen globalen Fertigungsverbund nicht nehmen. Wer diese Vorteile erreicht, von dem könne nicht verlangt werden, dass er sich dafür betrafen lässt. Zumal, wenn er nicht teurer, oder sogar günstiger produziere als der Wettbewerb.

In der Vergangenheit haben sich die Kunden, die Autobauer, stetig globalisiert. Es gibt nun deutlich mehr Joint Ventures und Kooperationen. Deshalb gibt es für ElringKlinger als Zulieferer neue Herausforderungen: Denn mehr Weltplattformen bedeuten auch mehr Weltmotoren, d. h. weniger verschiedene Aufträge, diese dafür aber mit ggf. größeren Volumen. Da müsse man sich als Zulieferer viel mehr anstrengen, um im Spiel zu bleiben, wie Dr. Wolf meint. Die Zahl baugleicher Teile nimmt deutlich zu, Fahrzeugmodelle werden heute weltweit gefertigt, Produktionskosten weltweit verglichen, und häufiger werden heutzutage Fertigungen verlagert als in der Vergangenheit.

Diesen Trends müssen Zulieferer als global agierende Dienstleister für die Fahrzeugbauer folgen. Soll heißen, es gilt zu globalisieren, den Kunden in alle wichtigen Märkte zu folgen bzw. bereits da zu sein. Zudem bedeutet es hohe Investments und Flexibilisierung sowie eine Internationalisierung des eigenen Managements. ElringKlinger baute seit Beginn der 1990er-Jahre verstärkt einen globalen Fertigungsverbund auf (Fusion Elring GmbH und Klinger GmbH 1994, Elring: Spanien, China, Korea, Japan, Südafrika; Klinger: England, Italien, Mexiko; USA 1995, Brasilien 1997, Kanada 2001, Indien 2007, Schweiz 2008, China (2. Standort) 2008, Türkei 2009, Schweiz (2. Standort) 2011).

Seine Firma setzt dabei, so Dr. Wolf, auf gleiche Maschinen und Anlagen weltweit, gleiche Abläufe und Fertigungsverfahren weltweit, gleiche Werkzeugtechnologien und global geltende Qualitätsstandards. Produktion ist damit weltweit schnell verschiebbar. Das komme gut an bei den Kunden, die diese Flexibilität immer öfter erwarten. Darin sieht Dr. Wolf auch einen der wesentlichen Vorteile seines Fertigungsverbundes: Weitere sind Schnelligkeit bei der Reaktion, die Vielzahl der Handlungsalternativen, hohe Qualitätsstandards, Kundenzufriedenheit und eben Kostenvorteile.

ElringKlinger verzichtet dafür konsequent auf die Bildung von Joint Ventures (Ausnahmen: Südkorea und Japan), auch in Indien, deshalb sind auch in Indien gleiche Standards möglich. Dr. Wolf konstatiert: “Wenn ich als deutsches Unternehmen die Technologie mitbringe, dann sollen auch 100 Prozent der Erträge bei uns landen.” In Japan ist zwar mittlerweile auch der Maschinenpark durch Anlagen aus Deutschland ersetzt, aber in beiden Ländern komme man nicht um Kooperationen herum, um in den Märkten Fuß zu fassen.

Zudem setze ElringKlinger auf „Green-Field-Gründungen“ im Rahmen der Globalisierung, auf einen kontinuierlichen Maschinen- und Anlagentransfer vom Stammwerk in die Beteiligungen sowie ein zentrales Engineering-Team zur weltweiten Beteiligungsbetreuung. Über den globalenFertigungsverbund sei zudem eine Konkurrenz der Standorte, der Ausgleich von Währungsschwankungen, ein weltweiter Know-how-Transfer möglich. Er sei zugleich eine Keimzelle für den Aufbau neuer Produktlinien, wie Dr. Wolf bestätigt.

Zu den Inhalten der laufenden Referate folgen aktuelle, kurze Sondermeldungen im weiteren Tagesverlauf – exklusiv auf www.automobil-produktion.de

Andreas Gottwald

 

 

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