Forum Graz 2011: Leichtbau-Revolutionen mit Carbonfasern

21.10.2011, 10:05 Uhr

Andreas Wüllner von SGL Automotive Carbon Fibers spricht über Herausforderungen und Zukunft eines revolutionären Leichtbaumaterials.

Andreas Wüllner

Andreas Wüllner: "Die Carbonfaserindustrie sei jung und stecke noch in einer Nische, wie Wüllner beschreibt. Hier herauszukommen sei die große Aufgabe."

Das Automobil Forum in Graz steht am heutigen Freitag unter dem Motto “Mobilität von Morgen”. Dem interessierten Publikum erläutert Andreas Wüllner, Geschäftsführer der SGL Automotive Carbon Fibers, wie ein OEM mit einem Zulieferer im Bereich Leichtbau zusammenarbeit.

Die Carbonfaserindustrie sei jung und stecke noch in einer Nische, wie Wüllner beschreibt. Hier herauszukommen sei die große Aufgabe, sagt der Maschinenbauer und Wirtschaftsingenieur. Der letzte große Zyklus sei durch die Luftfahrtindustrie getrieben. Das Automobil könne den Markt für Industriefasern (der 24k und 50k) aber dominieren.

Das JointVenture zwischen der BMW AG und SGL Carbon bearbeitet die Life-Zelle für BMWs neue Elektrofahrzeuggeneration (i3 und i8). Das Material zeichnet sich durch besondere Eigenschaften aus, zu denen etwa eine geringe Dichte bei extremer Zugfestigkeit zählen. Um dieses Produkt herzustellen, bedarf es der Beherrschung der gesamten Wertschöpfungskette, wie Wüllner betont. SGL bringe dazu Kompetenzen etwa bei der Precursor-Herstellung, den Fasern und Halbzeugen ein. Die Wertschöpfungskette erstreckt sich von Japan über die USA bis nach Deutschland: SGL stellt die Gelege her, die von Wackersdorf aus zu den BMW-Standorten Landshut und Leipzig geliefert und dort zu CFK-Bauteilen verarbeitet werden.

Enorme Investitionen notwendig

Doch die Carbonfaserherstellung bedarf enormer Investitionen. Daher müssen insbesondere die Liefersicherheit sowie die Preise klar definiert werden, sagt Wüllner. Für einige Bereiche seien Kooperationen notwendig, nur so könne gleichbleibende Qualität und Liefersicherheit abgebildet werden. Um BMW mit Carbonfasern und Halbzeugen beliefern zu können, habe man das JointVenture gegründet. Im Werk Moses Lake in USA seien beste Randbedingungen geboten. Die Werkseröffnung war am 1. September. Die erste Carbonfaser konnte nur 49 Wochen nach Baubeginn produziert werden. Die Herstellung der textilen Gelege (Halbzeuge) als nächster Schritt findet dann in Wackersdorf statt. Der Standort biete eine gute Infrastruktur und Zuliefererbasis in der Gegend. Das Recycling unverharzter Werkstoffe sei ein entscheidender Bestandteil der Prozesskette, was man dort abbilden könne.

G. Fuchslocher

 

 

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