2012 wird kein leichtes Automobiljahr werden
Die Negativmeldungen der Automobilindustrie häuften sich in den letzten Wochen und dürften Vorboten eines schwierigeren Geschäftsjahres 2012 sein.
Wir gehen davon aus, dass das Jahr 2012 kein leichtes für die Automobilindustrie wird. Rekorde bei den Ergebnisgrößen dürften dann der Vergangenheit angehören.
Auch wenn der Absatz noch leicht zulegen sollte, könnten der sich verschärfende Konkurrenzkampf und weiter steigende Rohstoffpreise die Margen belasten. Die gegenwärtigen Erweiterungen von Produktionskapazitäten können zudem schnell in Überkapazitäten umschlagen.
In der Erwartung eines schwierigeren Jahres 2012 stufen wir den Sektor “Automobile” von “Positiv” auf “Neutral” herunter.
Negativmeldungen der Autoindustrie häufen sich
Die letzten Monate waren recht stark von der Schuldenkrise gekennzeichnet, was sich in einer unübersichtlichen wirtschaftlichen Gemengelage widerspiegelt.
In der Automobilindustrie häuften sich in den letzten Wochen die Negativmeldungen. Die Tatsachen, dass die Lkw-Hersteller Volvo und Scania die Produktion drosseln und Peugeot/Citroen den Abbau mehrerer tausend Arbeitsplätze plant, dürften Vorboten eines schwierigeren Geschäftsjahres 2012 sein.

Opel-Chef Stracke rechnet für Europa mit einer "empfindlichen Abkühlung" des Automarktes und einem deutlichen Marktrückgang in 2012. - Bild: Opel
Daimler- und Opel-Chef mit reduzierten Erwartungen
Auch Daimler-Chef Zetsche sprach zuletzt von etwas reduzierten Erwartungen bzgl. des Lkw-Bereichs, wenngleich er nach wie vor “von einem nennenswert stärkeren Absatz in 2012 gegenüber 2011 weltweit” ausgeht. Opel-Chef Stracke verkündete Anfang November, dass er für Europa mit einer “empfindlichen Abkühlung” des Automarktes und einem deutlichen Marktrückgang in 2012 rechnet.
Europa 2012e: Minus drei bis sieben Prozent
Während der Pkw-Absatz in Europa von Januar bis Oktober 2011 bereits um 0,9 Prozent rückläufig war, rechnen wir für das Jahr 2012 mit einem weiteren Rückgang der Neuzulassungen in Europa in einer Spanne von drei bis sieben Prozent. Insbesondere in den von der Schuldenkrise gezeichneten südeuropäischen Ländern dürfte der Absatzrückgang erheblich werden.
Deutschland 2012e:Null bis minus vier Prozent
Der deutsche Markt, der bis einschließlich Oktober ein Plus von rund zehn Prozent verzeichnen konnte, wird unseres Erachtens nächstes Jahr stagnieren oder leicht rückläufig sein. Wir erwarten für 2012 einen Rückgang des deutschen Pkw-Marktes von null bis vier 4 Prozent.
USA 2012e: Plus ein bis fünf Prozent
Der US-Markt sollte dieses Jahr um rund acht bis zehn Prozent zulegen und im kommen-den Jahr auch noch für ein leichtes Plus von ein bis fünf Prozent gut sein, schließlich hinken die Amerikaner noch immer den Rekordabsatzzahlen der Jahre 1999 bis 2006 weit hinterher.
Japan 2012e: Nachholbedarf nach katastrophenbedingtem Einbruch plus acht bis 15 Prozent
Der japanische Markt dürfte insbesondere bedingt durch die Folgen der Tsunami- und Nuklearkatastrophe in diesem Jahr um 15 bis 20 Prozent einbrechen. Nachdem der Absatz in 2011 in Japan von Januar bis August in jedem Monat um zweistellige Prozentraten negativ war, zeigte sich der September mit einem Rückgang um 2,1 Prozent relativ stabil. Die nächsten Monate sollte zum Teil ein deutlich positives Wachstum zu erzielen sein. Für das Jahr 2012 rechnen wir aufgrund des enor-men Einbruchs in 2011 und des dadurch bedingten Nachholeffektes mit einem Plus des japanischen Automobilmarktes von acht bis 15 Prozent.
China 2012e: Plus drei bis sechs Prozent
Auf dem mittlerweile weltgrößten Auto-Absatzmarkt, China, sollte im laufenden Jahr lediglich ein Wachstum der Pkw-Neuzulassungen von fünf bis sieben Prozent möglich sein, nachdem in den vergangenen Jahren noch Wachstumsraten von 30 bis 50 Prozent pro Jahr nicht ungewöhnlich waren.
Aufgrund des nach wie vor riesigen Potenzials des chinesischen Marktes und seines rechnerischen Nachholbedarfes von mehr als 600 Millionen Autos (!) rechnen wir aber auch für das Jahr 2012 mit einem – gegenüber 2011 allerdings leicht reduzierten – Wachstum des Marktes in einer Range von drei bis sechs Prozent.
Weltmarkt 2012e: Plus ein bis drei Prozent
Der Weltmarkt, der in diesem Jahr noch ein Absatzplus von vier bis sechs Prozent erzielen dürfte, sollte im nächsten Jahr ein etwas geringeres Wachstum von ein bis drei Prozent erreichen. Haupttreiber hierfür sollten der weltgrößte Absatzmarkt China, die USA und Japan aufgrund des Einbruchs und des damit verbundenen Nachholbedarfs sein.
Herunterstufung des Sektors auf “Neutral”
Wir gehen davon aus, dass das Jahr 2012 kein leichtes für die Automobilindustrie wird. Rekorde bei den Ergebnisgrößen dürften dann der Vergangenheit angehören. Auch wenn der Absatz noch leicht zulegen sollte, könnten der sich verschärfende Konkurrenzkampf und weiter steigende Rohstoffpreise die Margen belasten.
Die gegenwärtigen Erweiterungen von Produktionskapazitäten können zudem schnell in Überkapazitäten umschlagen. In der Erwartung eines schwierigeren Jahres 2012 stufen wir den Sektor “Automobile” von “Positiv” auf “Neutral” herunter.

Kursangaben zu ausgewählten Automobiltiteln (Stand: 21.11.2011). - Bild: NordLB
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Frank Schwope/NordLB/kru
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