Japans Autobauer klagen über hohen Yen
Die japanische Automobilindustrie stöhnt weiter unter der starken Landeswährung Yen und den daraus resultierenden Exportschwierigkeiten.

Carlos Ghosn sieht die Arbeitsplätze in der japanischen Autoindustrie in Gefahr. - Bild: Renault
Nissan-CEO Carlos Ghosn warnte am Mittwoch vor dramatischen Arbeitsplatzverlusten in Japan und forderte die japanische Regierung zu drastischen Schritten auf.
Ghosn, der auch als CEO des französischen Automobilherstellers Renault amtiert, nannte den Höhenflug des Yens “brutal”. Die Jobs der vier bis fünf Millionen Arbeitnehmer in der japanischen Autobranche seien in Gefahr. Mit ihren Ausfuhren verdienten Nissan, Toyota oder Honda so gut wie kein Geld mehr. Bei einer andauernden Yen-Stärke blieben ihnen nur Produktionsverlagerungen ins Ausland.
Ghosn sieht japanische Arbeitnehmer in Gefahr
Ins gleiche Horn blies Honda-CEO Takanobu Ito. Angesichts des hoch bewerteten Yen will er im Laufe der Zeit nur noch zehn bis 20 Prozent seiner Inlandsproduktion ins Ausland verschiffen. Derzeit sind es noch 30 bis 40 Prozent. Hondas japanische Fertigung für den Binnenmarkt will der Manager dagegen deutlich steigern. Auch die Auslandswerke sollen künftig nur noch zehn bis 20 Prozent ihrer Autos für Exportkunden bauen. Honda möchte so unabhängiger von Wechselkursschwankungen werden.
Gleichzeitig stärkt Honda damit die Stellung seiner ausländischen Fabriken, denn geringerer Export aus japanischen Werken bedeutet mehr Aufträge für die lokalen Produktionsstätten. Besonders die US-Werke dürften von Itos Ankündigung profitieren. Der schwache Dollar sorgt somit für mehr US-Arbeitsplätze.
In den vergangenen Monaten hatte der Yen im Vergleich zum Dollar unaufhörlich an Wert gewonnen. Japans Wettbewerbsfähigkeit leidet darunter. Der Yen hatte erst im Oktober ein Rekordhoch markiert, die japanische Zentralbank intervenierte, aber die Währung bleibt bis heute nahe ihrer Höchststände.
Japan soll sich ein Beispiel an der Schweiz nehmen
Nissan-CEO Ghosn forderte die japanische Regierung auf, sich ein Beispiel an der Schweizer Devisenpolitik zu nehmen. Die Schweizer Nationalbank hatte im September den Kurs des Franken gegenüber dem Euro festgezurrt und kauft seitdem in unbeschränkter Menge die europäische Einheitswährung, um den Wechselkurs zu verteidigen. Was bei den Eidgenossen möglich sei, müsse auch in Japan funktionieren.
Ghosn äußerte sich auch zur Eurokrise. Wegen ihr rechnet Ghosn für 2012 mit einem empfindlichen Abschwung an Verkäufen auf dem alten Kontinent. Einstellige Einbußen beim Autoabsatz seien für die meisten Hersteller verkraftbar. Ein Einbruch um zehn bis 15 Prozent in Europa käme dagegen Zuständen nahe, wie sie zu Beginn der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 geherrscht hätten.
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Dow Jones Newswires/kru





