Japans Autobauer klagen über hohen Yen

30.11.2011, 15:57 Uhr

Die japanische Automobilindustrie stöhnt weiter unter der starken Landeswährung Yen und den daraus resultierenden Exportschwierigkeiten.

Carlos Ghosn

Carlos Ghosn sieht die Arbeitsplätze in der japanischen Autoindustrie in Gefahr. - Bild: Renault

Nissan-CEO Carlos Ghosn warnte am Mittwoch vor dramatischen Arbeitsplatzverlusten in Japan und forderte die japanische Regierung zu drastischen Schritten auf.

Ghosn, der auch als CEO des französischen Automobilherstellers Renault amtiert, nannte den Höhenflug des Yens “brutal”. Die Jobs der vier bis fünf Millionen Arbeitnehmer in der japanischen Autobranche seien in Gefahr. Mit ihren Ausfuhren verdienten Nissan, Toyota oder Honda so gut wie kein Geld mehr. Bei einer andauernden Yen-Stärke blieben ihnen nur Produktionsverlagerungen ins Ausland.

Ghosn sieht japanische Arbeitnehmer in Gefahr

Ins gleiche Horn blies Honda-CEO Takanobu Ito. Angesichts des hoch bewerteten Yen will er im Laufe der Zeit nur noch zehn bis 20 Prozent seiner Inlandsproduktion ins Ausland verschiffen. Derzeit sind es noch 30 bis 40 Prozent. Hondas japanische Fertigung für den Binnenmarkt will der Manager dagegen deutlich steigern. Auch die Auslandswerke sollen künftig nur noch zehn bis 20 Prozent ihrer Autos für Exportkunden bauen. Honda möchte so unabhängiger von Wechselkursschwankungen werden.

Gleichzeitig stärkt Honda damit die Stellung seiner ausländischen Fabriken, denn geringerer Export aus japanischen Werken bedeutet mehr Aufträge für die lokalen Produktionsstätten. Besonders die US-Werke dürften von Itos Ankündigung profitieren. Der schwache Dollar sorgt somit für mehr US-Arbeitsplätze.

In den vergangenen Monaten hatte der Yen im Vergleich zum Dollar unaufhörlich an Wert gewonnen. Japans Wettbewerbsfähigkeit leidet darunter. Der Yen hatte erst im Oktober ein Rekordhoch markiert, die japanische Zentralbank intervenierte, aber die Währung bleibt bis heute nahe ihrer Höchststände.

Japan soll sich ein Beispiel an der Schweiz nehmen

Nissan-CEO Ghosn forderte die japanische Regierung auf, sich ein Beispiel an der Schweizer Devisenpolitik zu nehmen. Die Schweizer Nationalbank hatte im September den Kurs des Franken gegenüber dem Euro festgezurrt und kauft seitdem in unbeschränkter Menge die europäische Einheitswährung, um den Wechselkurs zu verteidigen. Was bei den Eidgenossen möglich sei, müsse auch in Japan funktionieren.

Ghosn äußerte sich auch zur Eurokrise. Wegen ihr rechnet Ghosn für 2012 mit einem empfindlichen Abschwung an Verkäufen auf dem alten Kontinent. Einstellige Einbußen beim Autoabsatz seien für die meisten Hersteller verkraftbar. Ein Einbruch um zehn bis 15 Prozent in Europa käme dagegen Zuständen nahe, wie sie zu Beginn der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 geherrscht hätten.

Alle Beiträge zu den Stichworten Japan Nissan Honda Toyota

Dow Jones Newswires/kru

 

 

Anzeige

 

Artikel aus dem Archiv

Illustration Starker Yen macht Japans Autoindustrie zu schaffen Die japanische Autoindustrie leidet unter dem starken Yen. Der derzeitige Kurs der Währung zum Dollar von etwas über 80 Yen sei nicht akzeptabel.  [weiter...]
Illustration Nissan fordert Japans Regierung zum Handeln auf Die anhaltende Stärke des japanischen Yen bereitet Nissan-Chefeinkäufer John Martin zunehmende Sorge.  [weiter...]
Illustration Toyota will Yen-Stärke mit Kostensenkungen ausgleichen Der Export ist derzeit nicht profitabel. So will der japanische Automobilkonzern Toyota dem anhaltend starken Yen mit massiven Kostensenkungen begegnen.  [weiter...]
Illustration Mit Japans Industrie geht es aufwärts Aufwärtstrend nach der Krise: Japans Industrieproduktion erholt sich nach dem Katastrophen-Einbruch wieder.  [weiter...]
 

Anzeige


 

Anzeige

AKTUELL sidebarTabs


• Alle Meldungen finden Sie im Archiv

AKTIE IM FOKUS sidebarTabs


• Alle Aktienmeldungen finden Sie im Archiv

MEDIA sidebarTabs

Volkswagen stellt neues Cross Coupe vor


Der Wolfsburger Autobauer Volkswagen präsentierte auf der Tokyo Motor Show 2011 eine Studie namens Cross Coupé. Den Beitrag und den Spot finden Sie hier!

AUTOMOBIL PRODUKTION Ausgabe 5/2012

Die Ausgabe 5/2012 erscheint am 24. Mai 2012.
Inhalt der aktuellen Ausgabe
AUTOMOBIL PRODUKTION abonnieren

AUTOMOBIL PRODUKTION Newsletter

Das Wichtigste immer im Blick: Der tägliche AUTOMOBIL PRODUKTION Newsletter hält Sie per E-Mail auf dem Laufenden.
 

AUTOMOBIL PRODUKTION Services

 

firstindex


Mit First Index nutzen Zulieferer aus der Fertigungsindustrie ihre Kapazitäten besser, erweitern ihre Kundenbasis und erhalten mehr passende und rentablere Aufträge.
• Hier erfahren Sie mehr...

Auto Testberichte und Erfahrungsberichte

autoplenum.de

autoplenum.de
bietet ihnen umfangreiche VW-Test und Erfahrungsberichte an, die exklusiv von VW-Fahrern geschrieben wurden. mehr...