MAN als neuer Spitzenspieler auf dem weltweiten Lkw-Markt

09.11.2011, 14:00 Uhr

Europas größter Autobauer Volkswagen hat die Mehrheit am Münchener Konzern MAN übernommen und will mit der neuen Tochter in der Spitzengruppe der weltweiten Lkw-Branche mitmischen.

MAN Lkw breit

VW ist seinem Ziel nähergekommen, einen integrierten Nutzfahrzeugkonzern aus MAN, Scania und Volkswagen zu schaffen. - Bild: MAN

Mit dem am Mittwoch vollzogenen Mehrheitserwerb sei VW seinem Ziel einen großen Schritt näher gekommen, einen integrierten Nutzfahrzeugkonzern aus MAN, Scania und Volkswagen zu schaffen, teilte der Autobauer in Wolfsburg mit. “Das ist die Geburtsstunde eines neuen Spitzenspielers auf dem weltweiten Lkw-Markt”, sagte VW-Chef Martin Winterkorn.

Winterkorn

Martin Winterkorn: Die markenspezifischen Eigenschaften und Geschäftsfelder von MAN werden nach der Übernahme fortgeführt. - Bild: VW

VW hält 55,90 Prozent der Stimmrechte und 53,71 Prozent des Grundkapitals an MAN.

Winterkorn erwartet Kosteneinsparungen von mindestens 200 Millionen Euro im Jahr. Diese könnten noch steigen, wenn nicht nur zusammen Material eingekauft werde, sondern auch Entwicklungskosten geteilt würden. Volkswagen, MAN und Scania seien von der industriellen Logik einer engeren Zusammenarbeit überzeugt, hieß es in der Mitteilung von VW.

Winterkorn betonte erneut, dass die “markenspezifischen Eigenschaften und Geschäftsfelder” von MAN fortgeführt würden. Volkswagen respektiere zudem die bestehenden Mitbestimmungsrechte und bekenne sich klar zu den Standorten.

MAN bleibt auch weiterhin MAN

Die Konzernbetriebsräte von Volkswagen und MAN begrüßten die Übernahme. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh unterstrich, das Traditionsunternehmen MAN mit seiner 253-jährigen Geschichte werde seine Identität und seine Eigenständigkeit im Volkswagen Konzern bewahren. “MAN bleibt MAN, so wie Scania Scania bleibt und Volkswagen Volkswagen bleibt.” Es werde im Zuge der Mehrheitsübernahme auch keinen Personalabbau geben. Die Standorte blieben ebenso erhalten wie die Entwicklungszentren. In dieser Frage bestehe absolute Einigkeit zwischen Vorstand und Betriebsrat von Volkswagen.

MAN-Betriebsratschef Jürgen Dorn hob hervor, dass das Unternehmen mit dem Mehrheitserwerb erstmals seit langer Zeit wieder eine stabile Aktionärsstruktur habe. MAN könne sich damit voll aufs Kerngeschäft konzentrieren. Durch die engere Zusammenarbeit mit Volkswagen und Scania im Nutzfahrzeugbereich böten sich neue Möglichkeiten im weltweiten Wettbewerb.

Volkswagen wies zudem darauf hin, dass sich durch den Mehrheitserwerb von MAN auch die Höhe der Beteiligung von VW an Scania verändere. Da der von MAN gehaltene Scania-Anteil nun VW zugerechnet wird, erhöht sich die Beteiligung der Wolfsburger am schwedischen Lkw-Hersteller Scania auf 89,2 Prozent der Stimmrechte und 62,6 Prozent des Grundkapitals.

VW-Patriach Piëch am Ziel seiner Lkw-Pläne

Der Wolfsbauer Autobauer hatte mit der Ankündigung der Aufstockung seines knapp 30-Prozent-Anteils an MAN im Mai alle überrascht. Das Projekt kostet VW rund 3,4 Milliarden Euro. Der Konzern will Scania eng mit MAN zusammenführen und so eine schlagkräftige Allianz auf dem Lastwagenmarkt schmieden. Die Details sind aber noch nicht bekannt. Der mächtige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der auch bei MAN Chefaufseher ist, arbeitet seit vielen Jahren an dem Plan. Das Verhältnis der selbstbewussten neuen Geschwister Scania und MAN gilt aber nicht gerade als einfach, auch wenn alle Seiten den Schritt begrüßen.

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dpa/kru

 

 

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