Opel-Führungsmannschaft wird komplett umgekrempelt
General Motors räumt auf und baut die Opel-Führungsmannschaft komplett um. Nach der teilweisen Neubesetzung des Aufsichtsrates geht nun auch der langjährige Betriebsratsvorsitzende von Bord.

GM-Chef Dan Akerson zieht die Zügel an und schickt seinen Vize Stephen Girsky und weitere hochrangige GM-Manager den Aufsichtsrat der Konzerntochter Opel. - Bild: GM
Nachdem Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke Anfang des Monats die Verantwortung für das gesamte Europa-Geschäft von Nick Reilly übernahm, wird nun auch der Aufsichtsrat der Rüsselsheimer umgebaut und mit hochrangigen GM-Vertretern besetzt. Sie sollen endlich den Umschwung beim von Verlusten geplagten Autobauer schaffen. Außerdem kündigte “Mr. Opel” Klaus Franz am Dienstag seinen Rückzug an – er geht nach fast 37 Jahren bei der Marke mit dem Blitz in Rente.

Stephen J. Girsky: General Motors steht zu Opel und möchte die Marke zu profitablem Wachstum führen. - Bild: GM
Konzernmutter zieht die Zügel merklich an
Die personellen Veränderungen kommen in einer schwierigen Phase für Opel: Das nach wie vor in großem Maße vom europäischen Markt abhängige Unternehmen spürt die Folgen der Schuldenkrise in der Euro-Zone und hatte sich deshalb vor Kurzem vom Ziel verabschiedet, 2011 schwarze Zahlen zu schreiben.
Die US-Muttergesellschaft General Motors ist deshalb nach wie vor nicht zufrieden mit der Lage in Europa und will bei der Sanierung des Geschäfts alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. Nach eigenem Bekunden sind auch Werksschließungen nicht auszuschließen. Seit 1999 hat GM in Europa trotz zahlreicher Restrukturierungsversuche zweistellige Milliardenverluste angehäuft.
GM will Opel zu “profitablem Wachstum” führen
Der neue Aufsichtsratschef, GM-Vize Stephen Girsky, bekräftigte nach seiner Inthronisierung am Montagabend, GM stehe zu seiner Tochter und wolle die Marke zu profitablem Wachstum führen. “Um das Potential der Marke voll ausschöpfen zu können, werden wir weiter daran arbeiten, die Kostenstruktur zu optimieren, Margen zu verbessern und Skaleneffekte innerhalb des Konzerns zu nutzen”, erklärte der Manager.
Um ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen, sendet GM neben Girsky zwei weitere Mitglieder aus dem eigenen Vorstand in den Opel-Aufsichtsrat: Tim Lee, der bei GM das Geschäfts außerhalb Nordamerikas und Europas leitet, und Finanzchef Daniel Ammann – der vor wenigen Wochen die Möglichkeit von Werksschließungen in Europa nicht ausgeschlossen hatte. Die beiden rücken neu in den Aufsichtsrat, Girsky dagegen war bereits zuvor als normales Mitglied im Kontrollgremium vertreten.

Mit dem Rückzug von Klaus Franz geht eine Ära zu Ende: Der studierte Sozialarbeiter war fast vier Jahrzehnte lang für die Marke mit dem Blitz aktiv. - Bild: Opel
Der Lotse geht von Bord
Zudem muss sich Opel einen neuen stellvertretenden Aufsichtsratschef suchen. Denn Betriebsratschef Klaus Franz, der dieses Amt inne hat, wechselt zum Jahresende in den Ruhestand.
“Nach der erfolgreichen Rettung von Opel (…) kann ich diesen Schritt guten Gewissens tun, denn mit den abgeschlossenen Verträgen und der Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft, sind die Voraussetzungen für eine nachhaltige Wachstumsstrategie von Opel gelegt”, ließ Franz am Dienstag mitteilen. “Es ist nun die Aufgabe des Vorstands und des Aufsichtsrats, diese Strategie umzusetzen und zu leben”.
Mit seinem Rückzug geht eine Ära zu Ende: Der studierte Sozialarbeiter war fast vier Jahrzehnte lang für die Marke mit dem Blitz aktiv. Mit Franz geht einer der profiliertesten Köpfe bei dem traditionsreichen Autobauers von Bord. Als Betriebsratschef hatte sich Franz durch seine mediale Präsenz eine größere Bekanntheit erarbeitet als das Management selbst.
Der 59-Jährige geriet oft in den Clinch mit der Konzernzentrale in Detroit. Erst kürzlich hatte sich Franz wieder mit der GM-Spitze angelegt und die Aussagen über mögliche Werksschließungen als “geschäftsschädigend und unverantwortlich” scharf kritisiert. Zudem fordert Franz seit Jahren, die konzerninternen Exportbeschränkungen gegen Opel aufzuheben und die Marke von der Leine zu lassen, um am automobilen Wachstum teilzuhaben, das mittlerweile faktisch ausschließlich außerhalb Europas stattfindet.
Dow Jones Newswires/kru





