Audi peilt 2012 nächsten Wachstumsschub an
Das Geschäft des Premiumautoherstellers Audi brummt trotz der widrigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Und Audi-Chef Rupert Stadler hat noch viel vor.

Rupert Stadler: "Wir haben uns für das nächste Jahr einen weiteren Wachstumssprung vorgenommen." - Bild: Audi
Die Ingolstädter werden nicht nur in diesem Jahr einen neuen Absatzrekord aufstellen, sondern erwarten auch für 2012 deutliches Wachstum, wie Vorstandschef Rupert Stadler in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires erklärte. Die Marke von 1,5 Millionen Verkäufen könnte dank des anhaltenden Nachfragebooms nach Oberklasseautos schon früher geknackt werden als eigentlich geplant.
“Wir haben uns für das nächste Jahr einen weiteren Wachstumssprung vorgenommen”, sagte Stadler im Gespräch. Zwar seien die Startbedingungen etwas schwieriger als 2011, Audi wolle 2012 aber signifikant zulegen und stärker wachsen als der Gesamtmarkt.
Audi will Absatz 2012 signifikant steigern
“Wir rechnen für 2012 mit einem Wachstum des globalen Automobilmarkts um circa vier Prozent auf 68 Millionen Einheiten”, prognostizierte der Manager. Stabiles Wachstum werde es wohl in China, der ASEAN-Region und Osteuropa geben, auch der US-Markt werde wohl leicht zulegen. Der europäische Markt werde dagegen stagnieren oder leicht rückläufig sein.
“Wind und Wetter vorbehalten, sind wir auf einem guten Weg, die für 2015 anvisierte 1,5-Millionen-Marke bei den Verkäufen etwas früher zu erreichen”, sagte Stadler im Interview. Auch aktuell läuft es trotz des schwierigen Wirtschaftsumfelds nach wie vor rund für die Marke mit den vier Ringen: “Wir haben eine sehr gute Auftragslage, der Auftragsbestand ist hoch”.
Mittelfristziel von 1,5 Millionen Verkäufen könnte früher erreicht werden
In den vergangenen Monaten hatte die Staatsschuldenkrise für Befürchtungen gesorgt, die so erfolgreiche Autoindustrie könnte ausgebremst werden. Wirtschaftsflauten wirken sich oft unmittelbar auf den Pkw-Absatz aus, da Verbraucher in schlechten Zeiten größere Anschaffungen scheuen. 2008 und 2009 spürte die Branche das heftig, weil potenzielle Käufer fast weltweit einen großen Bogen um die Autohäuser machten. Die dadurch ausgelöste Rabattschlacht lastete auf der Profitabilität.
Von Preisdruck weiß Stadler aktuell nicht zu berichten: “Das ist eher ein Phänomen, das den Massenmarkt betrifft.” Da auf einigen Märkten zuletzt eigentlich mehr Autos hätten verkauft werden können als zur Verfügung standen, gebe es keinen Druck auf die Preise. Auch die Restwerte im Leasing- und Finanzierungsgeschäft sind laut dem Manager derzeit “sehr stabil”.
Stadler hob im Gespräch die Bedeutung der gemeinsamen europäischen Währung hervor: “Mir wird der Euro zur Zeit viel zu schlecht geredet. Wir brauchen eine stabile Währung und eine Stabilitätskultur in Europa. Es gibt keine Alternative zum Euro”. Sollte die gemeinsame Währung scheitern, könnte es laut dem Vorstandschef einen Abwertungswettlauf der nationalen Zahlungsmittel geben, was den überwiegend exportorientierten Ländern schaden würde.

Rupert Stadler: "Mittelfristziel von 1,5 Millionen Verkäufen könnte früher erreicht werden.&qout; - Bild: Audi
Audi als Ertragsperle im Konzern
Die Premiumtochter Audi ist in den vergangenen Jahren die Ertragsperle im Konzernverbund von Europas größtem Autobauer Volkswagen gewesen. In den ersten neun Monaten 2011 stiegen die Erlöse der Oberbayern um rund ein Viertel auf rund 32,5 Milliarden Euro, der operative Gewinn verdoppelte sich nahezu auf knapp vier Milliarden Euro. Die Rendite lag damit bei rekordverdächtigen gut zwölf Prozent und soll auch auf Gesamtjahressicht zweistellig sein.
Während Oberklassehersteller mittlerweile nicht selten den Sprung in dieses Margen-Terrain schaffen, haben einige Volumenhersteller Mühe, überhaupt schwarze Zahlen zu schreiben. Allerdings rechnet Stadler nicht damit, dass sich dieser Trend so fortschreiben lässt. Man dürfe nicht erwarten, dass die Renditen im Premiumsegment in allen Situationen auf den aktuellen Rekordniveaus gehalten werden könnten, sagte er.
Vielmehr bekräftigte Stadler das Langfristziel einer operativen Marge im Korridor von acht bis 10 Prozent. Mit diesem Profitabilitätsniveau lassen sich nach seiner Aussage alle Investitionen aus dem operativen Geschäft stemmen, ohne Fremdkapital zu beanspruchen.
Audi könnte in China 2020 rund 700.000 Autos verkaufen
Abgesehen vom Krisenjahr 2009 stellte Audi in den vergangenen 13 Jahren Absatzrekord um Absatzrekord auf. In diesem Jahr soll erstmals die Marke von 1,3 Millionen Verkäufen geknackt werden, wie Stadler im Interview bekräftigte. Dabei profitierten die Ingolstädter in den vergangenen Jahren vom enorm frühen Engagement der Muttergeselschaft auf dem wichtigen chinesischen Wachstumsmarkt, den Audi im Premiumsegment klar anführt.
In diesem Jahr sollen im Reich der Mitte erstmals 300.000 Audis verkauft werden. Das Ende der Fahnenstange ist damit aber noch lange nicht erreicht: “Ich sehe die Chance, uns in China bis 2020 in Richtung von 700.000 verkauften Einheiten zu entwickeln”, sagte Stadler. Das wären mehr, als Audi noch im Jahr 2000 weltweit abgesetzt hatte. Erst vor wenigen Wochen gab Audi den Bau eines zweiten Werks in der Volksrepublik bekannt. Laut Stadler soll das dortige Händlernetz bis 2013 von momentan 207 Betrieben auf insgesamt 400 exklusive Audi-Händler ausgebaut werden.
US-Markt mit Nachholbedarf
Nachholbedarf hat Audi dagegen noch in den USA, wo man den Konkurrenten BMW und Mercedes-Benz weit hinterherhinkt. Dabei war Audi bis Mitte der 1980er Jahre auf dem US-Markt sehr erfolgreich und verkaufte dort in der Spitze fast 75.000 Autos in einem Jahr. Doch dann kam es zu einer Reihe von mysteriösen Unfällen mit dem extra für den dortigen Markt aufgelegten Audi 5000, bei denen viele Menschen verletzt wurden und einige sogar ums Leben kamen.
Angeblich beschleunigte sich das an den Audi 200 angelehnte Auto von selbst und vom Fahrer ungewollt. Obwohl sich der Verdacht nie bestätigte und die Sache nicht aufgeklärt wurde, war der Imageschaden für Audi enorm: Die Verkaufszahlen brachen ein und konnten sich erst viele Jahre später von dem herben Rückschlag erholen. Im vergangenen Jahr gelang es den Ingolstädtern dann erstmals, die 100.000er-Absatzmarke in den Vereinigten Staaten zu knacken. In diesem Jahr sollen es 115.000 werden.
Produktion in USA oder Mexiko soll etwa 2015 starten
Der US-Markt spielt im Rennen um die Krone im Luxussegment eine nicht zu verachtende Rolle. Dementsprechend ambitioniert sind die dortigen Zielsetzungen der Ingolstädter: Bis 2018 sollen 200.000 Audis in den USA verkauft werden. Eine wichtige Weiche in diese Richtung könnte schon in den kommenden Jahren mit einer eigenen Produktion in Nordamerika gestellt werden. “Wir werden das machen, es ist nur eine Frage der Zeit”, sagte Stadler. Momentan eruiert das Unternehmen nach seiner Aussage, ob das Werk in den USA oder Mexiko gebaut werden soll und welche Modelle dort vom Band laufen könnten. “Die Produktion soll etwa 2015 starten”, wobei ein Vorlauf von gut zwei Jahren sei nötig sei.
Ingolstädter wollen die Premiumkrone
Der Manager bekräftigte das Ziel, 2020 mehr als zwei Millionen Autos zu verkaufen und damit die Nase vor den Wettbewerbern BMW und Mercedes-Benz haben zu wollen. “Ein guter und sportlicher Wettbewerb beflügelt uns alle”, sagte Stadler. Um das Ziel zu erreichen, soll die Modellpalette erweitert werden.
Nach Aussage Stadlers sind neue SUV-Modelle ebenso denkbar wie weitere Ableger der bereits existierenden Modelle. Zudem ist ein Nachfolger für den Kleinwagen A2 geplant.
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Dow Jones Newswires/kru





