Autobranche sorgt sich um Handelsbarrieren

03.12.2011, 20:29 Uhr

Stagnation oder Stabilisierung? In ihrer Prognose für 2012 rechnet die deutschen Autobranche bei Inlandsproduktion und Export nur mit einer Wiederholung der Rekordergebnisse von 2011.

Matthias Wissmann

Matthias Wissmann: "Wir machen uns Sorgen über wachsenden Protektionismus in einigen Schwellenländern." - Bild: dpa

Der Präsident des Automobilverbandes VDA sieht das so: “Wir gehen etwas vom Gas, aber halten das Tempo.” Dafür spricht eine weltweit weiterhin steigende Nachfrage nach Autos. 65,4 Millionen verkaufte Wagen rund um den Globus werden es in diesem Jahr sein. 68 Millionen Wagen, plus vier Prozent, könnten es im kommenden Jahr werden.

Krise drückt auch in Deutschland auf das Wachstum

Doch alles steht unter dem Vorbehalt, dass sich die Finanzmärkte stabilisieren. Für das Europageschäft sind die Aussichten schon jetzt nicht rosig. Die Schuldenkrise verunsichert die Verbraucher auf dem alten Kontinent zusehends. “Wir erwarten im südlichen Teil Europas eher Rückgänge als Zuwächse”, sagte Wissmann am Freitag in Berlin.

Die Krise drückt auch in Deutschland auf das Wachstum. Und doch sollten die Verkaufszahlen dieses Jahres 2012 wieder zu schaffen sein, meinte Wissmann. Rund 3,2 Millionen neue Personenwagen rollen nach den jüngsten Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes 2011 aufs deutsche Straßennetz, satte zehn Prozent mehr als 2010.

Längst passen sich die Autobauer aus Wolfsburg, München und Stuttgart den Kräfteverhältnissen der neuen Welt an. Jeweils knapp ein Drittel der Exporte geht in die Eurozone und das übrige Europa. Aber schon jedes siebte Auto aus deutscher Fertigung wird nach Amerika verschifft, jedes achte nach China. Gerade Asien bleibt ein Wachstumsmarkt.

Autobauer folgen ihren Kunden

Und die Autobauer folgen den Kunden: Bereits im vorigen Jahr wurden mehr deutsche Autos im Ausland als im Inland hergestellt, 2011 sind es 7 Millionen außerhalb und 5,9 Millionen innerhalb der Grenzen. Drei Viertel der Inlandsproduktion gingen in den Export. Für die Arbeiter in den deutschen Fabriken sei das keine schlechte Entwicklung, sagte Wissmann, denn “drei neue Arbeitsplätze im Ausland schaffen oder sichern einen Arbeitsplatz im Inland”.

Erfolgsgaranten sind bislang die größeren, eleganteren und luxuriöseren Wagen von Mercedes, Audi und Co, die aber trotz aller Sparanstrengungen am meisten Sprit verbrauchen. So erklärt sich, dass die deutsche Autobranche ihren Umsatz um 13 Prozent auf 358 Milliarden Euro erhöhte, stärker als die Zahl der verkauften Autos.

Handelsschranken bereiten den Herstellern große Sorgen

Die deutsche Stärke stößt aber buchstäblich an manche Grenze. “Wir machen uns Sorgen über wachsenden Protektionismus in einigen Schwellenländern”, sagte Wissmann. Der Verbandschef nennt die Türkei, Russland und Brasilien. Da gebe es die unterschiedlichen Formen von Handelsschranken – Steuern, Zölle, Vorschriften. “Es entstehen ganz bizarre Formen des Protektionismus”: Nach Argentinien dürfe man nur noch Autos einführen, wenn man im Gegenzug andere Produkte ausführe, etwa Wein.

Solche Barrieren zu bekämpfen, sei Aufgabe der EU. Die mache aber der deutschen Industrie sogar innerhalb Europas das Leben schwer. Die Union wolle zu hohe Exportüberschüsse bestrafen. “Das ist eindeutig der falsche Weg. Die Lösung kann nur darin bestehen, dass die weniger Erfolgreichen sich besonders anstrengen und ihre Hausaufgeben machen.”

dpa-AFX/kru

 

 

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